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Deutsche Juden auf der Flucht

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Team Zeitreise
Deutsche Juden auf der Flucht
lernst du in der Oberstufe 6. Klasse - 7. Klasse - 9. Klasse

Grundlagen zum Thema Deutsche Juden auf der Flucht

"Juden unerwünscht", diese Parole ist 1938 im Deutschen Reich aktueller denn je. Ortschaften rühmen sich, "judenfrei zu sein". Juden leben in ständiger Angst. Ihr Dasein allein scheint gesetzeswidrig. Wer es kann, flieht ins Ausland.

Transkript Deutsche Juden auf der Flucht

Der Rabbiner Leo Beck, seit 1933 Präsident der Reichsvertretung der Deutschen Juden, erlebt in Deutschland die Diskriminierung. Juden unerwünscht, diese Parole ist 1938 aktueller denn je. Ortschaften rühmen sich, judenfrei zu sein. Schilder zeigen den Weg ins Gelobte Land. Parkbänke laden nur Arier zum Verweilen ein. 1938 leben Juden im Großdeutschen Reich in ständiger Angst, gegen irgendwelche Gesetze zu verstoßen. Ihr Dasein allein scheint gesetzeswidrig. Wer es kann, der geht angesichts der zunehmenden Bedrohung ins Ausland. Doch die Flucht muss teuer bezahlt werden. Die Reichsbehörden, die Zentralstelle für die jüdische Auswanderung versucht, so viele Wertsachen wie möglich an sich zu bringen. Dennoch, 1938 verlassen 46 000 Juden Deutschland. Über 66 000 Juden verlassen bis zum Jahresende Österreich. Die Flucht geht zum Großteil in andere europäische Länder, etwa in die Schweiz, nach Frankreich, in die Niederlande, aber auch nach Osteuropa. Jüdische Hilfsorganisationen versorgen die Flüchtlinge mit dem Notwendigsten. Die psychischen Folgen des NS-Terrors indes kann niemand lindern. Wenn auch die Bilder idyllisch wirken, so ist das Leid allgegenwärtig. Die Flucht hat die Menschen entwurzelt, hat zum Teil ihre Familien zerstört. Die Hoffnung auf gute Nachrichten aus dem Radio oder mit einem Brief einen geliebten Menschen zu erreichen, ist für manch einen das Einzige, was ihm Kraft zum Überleben gibt. Aber auch das Ausland zeigt Zähne. Ob an der Bahnstation Zevenaar in den Niederlanden oder an den vielen anderen Grenzübergängen, überall werden lästige Fragen gestellt, wird Gepäck durchwühlt, werden Ausweise argwöhnisch kontrolliert. Die Juden sind nicht gerade willkommen. Zwar gibt es in Europa, etwa in Großbritannien, vereinzelt Appelle, Flüchtlinge aufzunehmen. Doch kein Land will das erste sein. Rigide Einwanderungsverordnungen, etwa in der Schweiz, verdeutlichen den Flüchtlingen ihren künftigen Stellenwert im Gastland. Die Diskriminierung, die manche zuhause erfahren haben und die sie letztendlich zur Flucht veranlasste, wird im Exil mit anderen Mitteln fortgesetzt. Aber es gibt auch echte Solidarität. Das tägliche Essen, das die Flüchtlinge erhalten, wird nicht selten aus Spenden finanziert. Durch die Kooperation zwischen einheimischen und jüdischen Organisationen im Ausland werden Transporte organisiert und die Versorgung der Flüchtlinge sichergestellt. Insbesondere die Ernährung, aber auch die ärztliche Behandlung der Kranken und Alten spielt eine übergeordnete Rolle. Zahlreiche Schlafstätten müssen in aller Eile bereitgestellt werden. Jeden Tag gibt es Neuzugänge in den Flüchtlingsheimen, sodass jeder Quadratmeter Raum genutzt werden muss. Bettwäsche muss besorgt, Waschmöglichkeiten müssen eingerichtet werden. Mangelnde Hygiene bedeutet erhöhte Gefahr von Erkrankung. Die Menschen in den Notunterkünften versuchen, so gut wie möglich miteinander auszukommen. Dennoch gibt es in der Enge immer wieder Konflikte. Und die Einsamkeit, die manchem Bilder wieder vor Augen führt, die er am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen würde. Bilder der Misshandlung, der Zerstörung. Nazideutschland ist den meisten Menschen in ihren Köpfen über die Grenzen gefolgt und wird sie zeit ihres Lebens nicht mehr loslassen. Die Flüchtlinge müssen in der Fremde viel lernen. Die Gepflogenheiten sind von Land zu Land verschieden. Besondere Schwierigkeiten machen die verschiedenen Sprachen. Wer in der schule keinen Fremdsprachenunterricht hatte, hat das Nachsehen. Und jeden Tag kommen neue Flüchtlinge dazu. Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Schichten, aus ganz unterschiedlichen Berufszweigen stammen. Ob Anwalt, Krankenschwester oder Künstler, in der Fremde macht die Not sie alle gleich. Besonders schwierig ist die Emigration für die zahlreichen Frauen und Kinder. Insbesondere die Kinder sind mit der neuen Situation im Gastland häufig überfordert. Die Flüchtlingsorganisationen versuchen, ihnen so gut wie möglich zu helfen. Sie stellen Transportmittel zur Verfügung, helfen mit dem Auf- und Entladen der vielen Gepäckstücke. Versuchen den Neuankömmlingen, soweit dies möglich ist, ein Stück Geborgenheit zu geben. Es ist für alle Beteiligten ein Stück Neuland. Für die Helfer, die die Koffer zu den Baracken schleppen. Für die Jungs und Mädchen, die ihnen auf den Schritt folgen und sich im Geist versuchen, mit ihrer neuen Bleibe anzufreunden. Die Mahlzeiten eignen sich wohl am besten dazu, den Ankömmlingen ein bisschen Wärme zu geben. Man ist nicht allein, erkennt vielleicht auch den einen oder anderen wieder. Ein Teil der Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich wird 1938 von Großbritannien aufgenommen. In einer provisorischen Unterkunft der ansässigen jüdischen Gemeinde werden sie registriert, untergebracht und verpflegt. Im Employment Department, der Arbeitsvermittlung, können Englisch sprechende Flüchtlinge um Arbeit nachsuchen. Vorausgesetzt natürlich, es gibt welche. In speziellen Aufnahmelagern werden Kleinkinder untergebracht, deren Eltern Deutschland nicht verlassen durften oder konnten. Viele der Jungs und Mädchen werden zeit ihres Lebens nicht wissen, wer ihre Eltern sind. In einer fremden Welt werden sie sich ein neues Dasein aufbauen müssen, ohne Familie, ohne Wurzeln. Die Älteren versuchen, in der Fremde eine neue Existenz zu begründen. Mithilfe der Flüchtlingsorganisationen und einheimischen Hilfsvereinen werden sie zum Beispiel zu Landwirten ausgebildet. Manch ein Jugendlicher hat sich wohl in Deutschland nicht vorstellen können, dass er eines Tages einen Acker pflügt oder Vieh versorgt. Einige von ihnen werden vielleicht eine höhere Schule besucht und sich auf eine Universitätslaufbahn vorbereitet haben. In der Fremde aber spielt das keine Rolle mehr. Hier garantiert jeder Beruf, auch der des Bauern, Selbstständigkeit und gibt die notwendige Unabhängigkeit, Vielleicht eines Tages auch in ein anderes Land, ein Land der eigenen Wahl zu gehen. ein solches Land ist Palästina. Es übt insbesondere auf die Jüngeren unter den Flüchtlingen eine besondere Anziehungskraft aus. Trotz des Widerstands der britischen Mandatsregierung, sie bewilligt in den dreißiger Jahren nur ein Drittel der jüdischen Einwanderungsanträge, steigt die Zahl der Einwanderer stetig an. 1935 beträgt der jüdische Bevölkerungsanteil in Palästina bereits 28 Prozent. 1938 kommen infolge der zunehmenden antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland neue Einwanderer hinzu. Während ein Teil Flüchtlinge legal mit Touristenvisum einreist oder für eine Aufenthaltsberechtigung Scheinehen eingeht, werden die meisten illegalen Zuwanderer auf völlig schrottreifen Frachten entweder über Griechenland oder über die Donau und das schwarze Meer ins Mittelmeer gebracht. Die Lebensbedingungen an Bord sind meistens unerträglich. Ein Teil der Menschen bleibt unterwegs irgendwo hängen, schafft nicht die Reise zum Bestimmungsort. Auf die übrigen, die Zäheren unter ihnen lauern hingegen neue Gefahren. Illegale Einwanderung wird von den Briten mit militärischen Aktionen beantwortet. Wer es dennoch schafft, seinen Fuß unbeschadet an Land zu setzen, der kann auf die Hilfe der zahlreiche jüdischen Organisationen rechnen. Für diejenigen, die zuhause in Deutschland bleiben, hat das NS-Regime seinen eigenen Methoden des Terrors. Immer mehr Menschen werden in die berüchtigten Konzentrationslager eingewiesen. Zu den Lagern Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald kommen 1938 das KZ Mauthausen in Österreich, das Lager Neuengamme bei Hamburg und KZ Flossenbürg in Nordbayern hinzu. Diese Lager werden schnell gefüllt. Am 18. Juni befiehlt Reinhard Heydrich, der Chef des SS- Sicherheitsdienstes eine Massenverhaftung von Juden und asozialen Elementen. 26 000 Personen werden nach dem 9. November über Nacht in Konzentrationslager verschleppt. 1938 sind Deutschland und Österreich bereits von einem Netz an Konzentrationslagern umspannt.

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