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1970 - Der Kniefall von Warschau

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Team Zeitreise
1970 - Der Kniefall von Warschau
lernst du in der Oberstufe 6. Klasse - 7. Klasse - 8. Klasse

Grundlagen zum Thema 1970 - Der Kniefall von Warschau

Er stand nicht im Protokoll, der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt. Vor dem Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos knickt es ihn nieder: ”Ich tat, was Menschen tun, wenn Worte versagen.” Das Ausland ist beeindruckt. Nur in Deutschland halten manche die Demutsgeste für übertrieben.

Transkript 1970 - Der Kniefall von Warschau

Ankunft in Warschau. Zum Ersten Mal besucht ein deutscher Bundeskanzler Polen. Zur Versöhnung, 25 nach dem Krieg, zur Entspannung im Konflikt der Blöcke. Gewaltverzicht und Anerkennung der Grenzen. Der deutsch-polnische Vertrag eröffnet ein neues Kapitel in den Beziehungen. Brandts Ostpolitik will Wandel durch Annäherung. Vor diesem Deutschland braucht man keine Angst zu haben. Das ist ein anderes Deutschland geworden, weil ja diese seltsame Geschichte, die selbstständige Ostpolitik, hat das Gewicht der Bundesrepublik und darüber hinaus vermehrt. Und trotzdem brauchte man vor diesem gewachsenen Gewicht der Bundesrepublik keine Sorge zu haben. Besuch am Grabmal des unbekannten Soldaten. Zum ersten Mal gedenkt man gemeinsam den Gefallenen des Krieges, den er entfesselte. Hitler wollte Polen auslöschen. In seinem Wahn vom Lebensraum im Osten. Hier ist der Krieg von Anfang an total und unbarmherzig. Ein Vernichtungskrieg auch gegen die Zivilbevölkerung. Warschau ist das erste Menetekel. Über drei Jahrzehnte später will Brandt ein Zeichen setzen. Nie wieder soll es Feindschaft zwischen beiden Völkern geben. Der Krieg und die Schrecken der Besatzung, das war in Polen nicht vergessen. Man misstraute den Deutschen noch immer. Brandt wusste das. Und er hat nach einer großen Geste gesucht. Einer Geste, die diesen Eindruck verhindern sollte. Brandt besucht das Mahnmal des Warschauer Ghettos. Ein Kranz für die Opfer des Aufstands 1943. Ein Ort, der wie kaum ein anderer für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung im zweiten Weltkrieg steht. Originalaufnahmen aus dem Wartesaal des Todes, letzte Station auf dem Weg in das Vernichtungslager. „Brandt auf dem Gebiet des Warschauer Ghettos. Und zwar genau auf dem Platz, auf dem sich auch mein Leben und meiner Frau entschieden hat, dass wir rausgeführt wurden. Da wurden wir rausgeführt. Und wir wussten noch nicht, nach links, das heißt zum Umschlagplatz und zur Vergasung, oder nach rechts, dann durften wir noch etwas am Leben bleiben. In einem Vorhof zur Hölle, abgeschlossen von der Außenwelt, umgeben von Mauern, vegetieren hunderttausende auf engstem Raum. Der Tod ist im Ghetto allgegenwärtig, drinnen und draußen. The sidewalks, the pavements, they were full. Auf den Straßen und Bürgersteigen lagen ganze Familien und starben. Sie starben an Hunger, an Kälte und Krankheit.” Wer nicht im Ghetto stirbt wird deportiert. Treblinka, Mai Danek, Auschwitz. Es hat sich dann auch die Widerstandsbewegung, die sich jetzt formierte, sehr spät im Warschauer Ghetto, sehr darum bemüht, das zu klären, was mit den Menschen geschieht. Und ziemlich bald war es klar. Sie werden alle dort ermordet. 1943, Aufstand im Ghetto. Mit dem Mut der Verzweiflung widersetzen sich die wenigen noch lebenden dem Terror ihrer Peiniger. Am Ende bricht die SS den aussichtslosen Widerstand. Das Ghetto von Warschau wird ausgelöscht. Das war etwas, so aus allem übrigen, schrecklichen Rahmen nochmal herausfallendes. Das... Ich fand, ich konnte ich letztlich nicht anders tun, als ein Zeichen zu setzen. Ich bitte als einer, der nun nicht zu den wildesten Anhängern Hitlers gehört, um es mal so zu sagen, ich bitte mein Volk um Verzeihung, bete auch darum, dass man uns verzeihen möge. Der Weg zu einer historischen Geste. Als er nach vorne gegangen ist, hat er das noch nicht gewusst. Und dieses hat jeder gefühlt, der das gesehen hat. Und im Näherkommen registrierten wir, es wurde plötzlich mucksmäuschenstill. Das werde ich nie vergessen. Das werde ich ihm nie vergessen. Das hatte auch in meinem Leben eine große Rolle gespielt. Vielleicht habe ich erst in diesem Augenblick ganz gewusst, dass es doch richtig war, als ich im Jahre 58 Polen verlassen habe, mich für die Bundesrepublik Deutschland zu entscheiden. In der Heimat findet Brandt nicht nur Zustimmung für der Politik der Versöhnung. Ohne Not habe er die Grenzen im Osten anerkannt, deutsche Interessen Preis gegeben, dem kommunistischen Regime gehuldigt. Die Geste von Brandt fand ich damals, auch wenn das jetzt hart klingt, als zu unterwürfig. In den Augen der Welt hat der Kanzler den Frieden gedient. 71 erhält er den Nobelpreis. Brandts Geste war ein Wendepunkt in der Geschichte. In Deutschland hatte sich etwas verändert. Man konnte zu den Deutschen wieder Vertrauen haben. Brandts Kniefall geschah im Namen des deutschen Volkes. Das war eine große Tat. Der Kniefall von Warschau. Eine Geste, die wohl mehr bewegt hat als Verträge. Ein Symbolbild des Jahrhunderts.

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