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Nachkriegszeit

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges lag Deutschland in Trümmern: Das Land musste gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich Wiederaufbau wiederaufgebaut werden.

Deutschland zur Stunde Null: Der Krieg ist vorbei

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges lag Deutschland in Trümmern. Ein kompletter Neuanfang stand bevor – die sogenannte Stunde Null.

Das Land war weder wirtschaftlich noch politisch oder sozial intakt, die Städte glichen Ruinenfeldern, Menschen hungerten und tauschten einfache Waren auf dem Schwarzmarkt. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebte in Notunterkünften. Das Volk war vom Krieg ausgezehrt, konnte die Vergangenheit nicht einfach hinter sich lassen, fühlte sich schuldig, traumatisiert und sehnte sich vor allem nach einem Neuanfang.

Stunde Null – Deutschland in Trümmern

Die Gesellschaft in der Nachkriegszeit

Trümmerfrau – diesen Begriff hast du sicher schon einmal gehört. Die Frauen, deren Männer sich in Kriegsgefangenschaft befanden, krank oder im Krieg gefallen waren, prägten die Nachkriegszeit besonders. Sie räumten den Schutt der zerstörten Städte beiseite und übernahmen Aufgaben der Männer. Sie waren nun nicht mehr nur für Haushalt und Kindererziehung, sondern auch für die finanzielle Sicherheit der Familie verantwortlich. Zudem nahmen sie Flüchtlinge und Heimkehrer auf und versorgten sie. Auch die Kinder der Nachkriegszeit unterstützten die Familien beim Wiederaufbau.

Trümmerfrau

Die Alliierten verfolgten den Plan, die Gesellschaft zu denazifizieren und zu demokratisieren. Nationalsozialistisches Gedankengut war verboten, die Bevölkerung wurde kontrolliert und Verbrecher innerhalb der Nürnberger Prozesse verfolgt.

Die Gesellschaft der Nachkriegszeit trauerte einerseits, andererseits sehnte sie sich nach Zerstreuung und Unterhaltung. Theater, Musik und Tanz symbolisierten diese Sehnsucht nach einem Stückchen Normalität.

Die Politik der Nachkriegszeit

Neben der Demokratisierung und der Denazifizierung legten die Alliierten für Deutschland eine Demilitarisierung und eine Dezentralisierung, also das Abrüsten von Truppen und Waffen und die Verteilung wichtiger politischer und gesellschaftlicher Aufgaben bis auf die untersten Verwaltungsebenen, fest. Ziel war es, Deutschland bei seinem Wiederaufbau zu unterstützen.

Bereits während des Krieges trafen die sogenannten Großen Drei – der amerikanische Präsident Roosevelt, der Diktator der Sowjetunion Stalin und der britische Premierminister Churchill – als Alliierter Kontrollrat zusammen, um über die Zukunft Deutschlands zu diskutieren. In der Konferenz von Jalta und der Potsdamer Konferenz wurde unter anderem beschlossen, dass Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt werden sollte. Die Stadt Berlin wurde als die sogenannte Vier-Mächte-Stadt, in der alle vier alliierten Länder jeweils einen Teil der Stadt kontrollierten, organisiert.

Der nahende Kalte Krieg, also der Ost-West-Konflikt zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, trat hier bereits deutlich zu Tage. Der östliche Teil Deutschlands sollte ein sozialistisch-kommunistisch organisierter Satellitenstaat der Sowjetunion werden. Die drei westlichen Besatzungszonen wurden demokratisch und kapitalistisch der westlichen Welt und damit ihrem Hegemon USA angenähert.

Im Jahr 1949 schließlich wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet und auch deren erste Regierung gewählt. Der erste Bundeskanzler hieß Konrad Adenauer, er führte das Amt von 1949 bis 1963 aus.

Konrad Adenauer

Die Wirtschaft der Nachkriegszeit

Die Wirtschaft der Nachkriegszeit war vom Schwarzmarkt geprägt. Die Menschen versuchten dort Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Schnaps oder Benzin zu erwerben. Gehandelt wurde mit Zigaretten oder Lebensmittelkarten.

Mit der Währungsreform im Jahr 1948 wurde in Westdeutschland, der Trizone von Frankreich, Großbritannien und den USA, die D-Mark als alleiniges Zahlungsmittel festgelegt. Du siehst, nicht nur politisch versuchten die Alliierten, Deutschland wiederaufzubauen. Sie unterstützten das Land auch wirtschaftlich.

Ludwig Erhard, zweiter Bundeskanzler der BRD, war im Kabinett Adenauers als Wirtschaftsminister tätig. Mit ihm erlebte Westdeutschland das sogenannte Wirtschaftswunder in den 1950er und 1960er Jahren. Mit dem Marshall-Plan unterstützten die USA Deutschland besonders durch Kredite und der Bereitstellung von Rohstoffen beim Wirtschaftsaufbau. Durch die Konsumgüterindustrie stieg die Wirtschaft rasch und längerfristig an. Auch die Abmilderung der Kriegsreparationszahlungen kam den Westdeutschen und ihrem Wirtschaftsaufschwung zu Gute. Spätestens ab den 1970er Jahren hatte sich die BRD wirtschaftlich im Konzert der großen Industrienationen zurückgemeldet.

Die Bevölkerung erlangte so nach dem Krieg ein starkes Wir-Gefühl und neues Selbstbewusstsein.

Ludwig Erhard – Der Vater des Wirtschaftswunders

In der sowjetischen Besatzungszone – der späteren DDR – wurde mit dem Sozialismus ein anderes System eingeführt. Statt der Heranführung an die Prinzipien der liberalen Marktwirtschaft wurde hier die Planwirtschaft eingeführt. Es gab keinen Marshall-Plan und an den Reparationszahlungen wurde noch lange festgehalten. Auch das politische System hatte nur wenig demokratische Züge. Die sowjettreue Einheitspartei SED hielt alle Fäden in der Hand und ließ ein politisch verängstigtes Klima entstehen. Alternative oder gar oppositionelle Kräfte in Politik, aber auch in Kunst, Kultur oder Musik wurden über Jahre unterdrückt und so in den Untergrund gezwungen. Die Folge war, dass sich die DDR weder wirtschaftlich noch politisch jemals wirklich emanzipieren konnte und letztendlich als gescheiterter Staat (failed state) in die Wiedervereinigung ging.