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Thomas Mann – Leben und Werk 08:27 min

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Transkript Thomas Mann – Leben und Werk

Paul Thomas Mann wird als zweitältester Sohn des wohlhabenden Kaufmanns, niederländischen Konsuls und Senators Johann Heinrich Mann geboren. Wir schreiben das Jahr 1875 in Lübeck, eine durch lange bürgerliche Tradition geprägte Hansestadt.

Johann Heinrich Mann vermittelt seinem Sohn bürgerliche Tugenden wie Ordnungswille, Korrektheit und protestantisches Leistungsethos. Thomas Mann wird sein Leben lang die kühle, beherrschte und weltmännische Haltung des Vaters bewahren.

Ganz anders seine Mutter: Julia da Silva-Bruhns ist in Brasilien geboren und elf Jahre jünger als der Vater. Sie hat Temperament und ein unbürgerliches, künstlerisches Wesen, das ihre fünf Kinder stark in der Entwicklung beeinflusst.

Volontariat und Durchbruch mit "Buddenbrooks"

1891 stirbt der Vater - ein einschneidendes Ereignis für die Familie. Noch im selben Jahr wird die Firma aufgelöst und die Mutter zieht mit den jüngeren Kindern nach München. Dorthin folgt Thomas Mann 1894 nach Beendigung der Schulzeit.

Er beginnt im Alter von 19 Jahren ein Volontariat bei einer Versicherungsgesellschaft. Mann muss viel am Schreibtisch sitzen und Akten durchsehen. Er nutzt aber die Arbeitszeit lieber, um heimlich an seiner ersten Novelle mit dem Titel Gefallen zu schreiben.

Das ist das erste, aber nicht das letzte Mal, dass Thomas Mann versucht, einen konventionellen Lebensstil wie sein Vater zu führen - aber dann doch das Künstlerische siegt.

Nach dem Volontariat arbeitet er als freier Schriftsteller. Mann verfasst literarische Texte und journalistische Beiträge für Zeitschriften. Auf Italien-Reise mit seinem Bruder Heinrich, der ebenfalls Schriftsteller ist, beginnt er die Arbeit an seinem Werk „Buddenbrooks”. Mit diesem Roman erreicht er den Durchbruch als Schriftsteller und befindet sich in einer komfortablen wirtschaftlichen Situation.

1905 heiratet Mann Katja Pringsheim, die hochgebildete Tochter eines reichen Münchner Professors. Damit entscheidet er sich für ein „geordnetes“ Leben und heiratet in eine der angesehensten Familien Münchens ein.

In den folgenden Jahren wächst die nationale und internationale Anerkennung des deutschen Autors. 1929, im Alter von 54 Jahren, bekommt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur verliehen.

Emigration und Exil

Wegen seiner skeptischen Einstellung gegenüber dem Nationalismus wird der Schriftsteller 1933 des “geistigen Landesverrats” beschuldigt. Er kehrt nach einer Vortragsreise nicht mehr nach München zurück - das bedeutet für ihn Emigration und Exil.

Zwischen 1933 und 1938 führt Mann ein unruhiges, aber weiterhin komfortables Leben in Südfrankreich, in der Schweiz und den USA. Nachdem ihm die deutsche Staatsbürgerschaft 1936 aberkannt wird, nimmt Mann erst die tschechoslowakische und schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Er bleibt bis 1952 in den USA, wo er Gastprofessor und geistig-literarisches Zentrum der emigrierten deutschen Intellektuellen ist. Mann vollendet mehrere Romane, schreibt Essays, Tagebücher und Briefe und hält Vorträge über die politischen Verhältnisse.

Übers Radio fordert er die Einwohner seines Heimatlandes zum Widerstand gegen die Hitlerdiktatur auf: 55 Radiosendungen nach Deutschland gehen 1942/45 on air. Jede monatliche Sendung beginnt mit der Ansprache „Deutsche Hörer!”.

Einige Schriftsteller fordern Mann auf, nach Deutschland zurückzukehren. Andere werfen ihm vor, sein Heimatland im Stich gelassen zu haben und greifen sein dichterisches Werk an.

Anlässlich seines 80. Geburtstags erfährt Mann große Ehrungen im In- und Ausland. Er wird Ehrenbürger der Stadt Lübeck - eine Aussöhnung mit seiner Vaterstadt und Deutschland.

Am 12. August 1955 stirbt er an den Folgen einer Thrombose in Zürich. Thomas Mann wurde 80 Jahre alt. Das heißt in seinem Fall über 60 Jahre literarisches Schaffen. Das Ergebnis sind: 8 Romane, über 30 Erzählungen, ein Schauspiel, ein Versepos; Vorträge, Reden, politische Manifeste, Tagebücher und autobiographische Werke, unzählige Essays sowie ca. 30.000 Briefe.

Themen: Heimatverbundenheit & Politik

Bestimmte Themen sind bezeichnend für Mann und werkübergreifend: Heimatverbundenheit. In seinem berühmten Gesellschaftsroman “Buddenbrooks” verarbeitet er seine Familiengeschichte als Verfallsgeschichte des Bürgertums und verewigt seine Heimatstadt Lübeck, ohne sie namentlich zu nennen.

Politik: Manns politisches Engagement zieht sich durch viele seiner Werke, wenn auch oft indirekt. Die Novelle “Mario und der Zauberer” warnt vor nationalsozialistischer Verführung. Im parodistischen Bildungsroman “Der Zauberberg” zeigen sich Manns veränderte Ansichten zum ersten Weltkrieg.

Es war Thomas Mann, der dem deutschen Roman den Anschluss an die Weltliteratur verschaffte. Seine literarische Lebensleistung wird mit der Johann Wolfgang Goethes verglichen - er ist einer der bedeutendsten deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts.

Der Dichter nahm Anteil an allen politischen und kulturellen Strömungen seines langen Lebens und wurde zum Bewahrer abendländischen Kulturerbes und zum weltoffenen Erzieher zu Humanität und Demokratie.

Doch der Schriftsteller ist auch umstritten: Oft wurde seinen Werken ein Mangel an Genialität und Phantasie vorgeworfen. Tatsächlich besteht Manns Arbeitsweise aus jahrelanger, täglicher, disziplinierter Kleinarbeit. Die Schilderungen in seinen Werken gehen oft auf reale Gegebenheiten zurück.

Schlussbetrachtung

2001 rücken der Dichter und seine Familie wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit durch den Erfolg der dreiteiligen Fernsehserie “Die Manns - Ein Jahrhundertroman”. Drei seiner sechs Kinder, Erika, Klaus und Golo, sind ebenfalls schriftstellerisch tätig.

Der Thomas-Mann-Stein vor seinem Geburtshaus in Lübeck trägt als Inschrift folgende Aussage Manns: “Wenn ich einen Wunsch für den Nachruhm meines Werkes habe, so ist es der, man möge davon sagen, daß es lebensfreundlich ist, obwohl es vom Tode weiß.”

Thomas Mann – Leben und Werk Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Thomas Mann – Leben und Werk kannst du es wiederholen und üben.

  • Fasse das Leben und Werk von Thomas Mann zusammen.

    Tipps

    In seinem Werk „Die Buddenbrooks" verewigt er seine Heimatstadt ohne diese namentlich zu nennen. Diese Hansestadt ist auch deswegen so wichtig für ihn, weil sie bürgerliche Traditionen präsentiert.

    Vier Aussagen sind korrekt.

    Lösung

    Thomas Mann kam am 06.06.1875 als Sohn des niederländischen Kaufmanns, Konsuls und Senators Johann Heinrich Mann und der gebürtigen Brasilianerin Julia da Silva-Bruhns in Lübeck zur Welt. Ebenso wie die Hansestadt Lübeck repräsentierte auch Manns Vater bürgerliche Traditionen. Dies ganz im Gegensatz zu seiner Mutter, die eher unbürgerlich und künstlerisch veranlagt war. Dieser Widerstreit durchzieht Manns Leben; nachdem er 1894 seiner Familie nach München folgte, begann er hier ein Volontariat bei einer Versicherungsgesellschaft. Allerdings schreibt er dabei heimlich auch an seiner ersten Novelle, was seinen Widerstreit zwischen einem konventionellen Lebensstil und seiner künstlerischen Veranlagung widerspiegelt. Obwohl er 1933 wegen seiner Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialismus freiwillig ins Exil geht, bitten ihn Schriftsteller nach dem Zweiten Weltkrieg zurück nach Deutschland zu kommen.

  • Benenne die wichtigen Stationen in Thomas Manns Leben.

    Tipps

    Nach Beendigung seiner Schulzeit folgt Mann seiner Mutter nach München und beginnt dort ein Volontariat bei einer Versicherungsgesellschaft.

    Lösung

    Thomas Manns Leben lässt sich in folgende zeitliche Stationen einteilen:

    • 06.06.1875: Mann wird als Sohn von Julia da Silva-Bruhns und dem niederländischen Kaufmann, Senator und Konsul Johann Heinrich Mann in Lübeck geboren.
    • 1891-1894: Im Jahr 1891 stirbt der Vater und die Firma wird aufgelöst; die Mutter zieht nach München, wohin ihr Thomas Mann nach Beendigung seiner Schulzeit folgt. Hier beginnt er nun ein Volontariat bei einer Versicherungsgesellschaft, schreibt jedoch heimlich an seiner ersten Novelle.
    • 1905-1929: Mann heiratet Katja Pringsheim, die Tochter eines reichen Münchener Professors. Gleichzeitig steigt seine nationale und internationale Anerkennung, welche mit dem Nobelpreis gekrönt wird.
    • 1933-1938: Wegen seiner skeptischen Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus wird Mann des „geistigen Landesverrats“ beschuldigt. Er emigriert und lebt zeitweise in Südfrankreich, der Schweiz und den USA.
    • 1936-1952: Da Mann 1936 seine deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wird, lebt er bis 1952 in den USA. Hier ist er das geistig-literarische Zentrum der emigrierten deutschen Intellektuellen. Via Radiobeiträge fordert er die Deutschen zum Widerstand gegen Hitler auf.
    • 12.08.1955: Mann stirbt in Zürich. Zuvor wurde er anlässlich seines 80.Geburtstages zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Lübeck ernannt.
  • Bestimme, um welche Werke Thomas Manns es sich handelt.

    Tipps

    Das Werk Die Buddenbrooks trägt wohl zu Recht auch autobiographische Züge.

    Lösung

    Folgendes solltest du über die Werke Thomas Manns wissen:

    • Insbesondere das Thema der Heimatverbundenheit zu seiner Geburtstadt Lübeck, aber auch seiner eigenen Familiengeschichte kommt in Manns Werk Die Buddenbrooks zum Tragen.
    • Seine politischen Ansichten drückt er zum einen in der Novelle Mario und der Zauberer aus, in der er vor der Verführung der Nationalsozialisten warnt. Aber auch in Der Zauberberg spricht er offen über seine Ansichten zum Ersten Weltkrieg. Noch offener sind da hingegen nur seine 55 Radiosendungen nach Deutschland, in denen er die Deutschen zum Widerstand gegen Hitler auffordert.
    • Der Zwist eines Künstlers tritt hingegen in der Novelle Der Tod in Venedig offen hervor.
  • Analysiere Thomas Manns Einstellung zur Bücherverbrennung im Mai 1933.

    Tipps

    Die Nationalsozialisten verbrannten im Mai 1933 alle Werke von Schriftstellern, die ihren Widerstand gegen das Regime angekündigt hatten, für ihr freiheitliches Denken bekannt waren oder aber auch Kommunisten oder Juden waren.

    Lösung

    Bei dem vorliegende Textauszug handelt es sich um Thomas Manns 55 Radiosendung nach Deutschland aus dem Jahr 1943. Zum Anlass nimmt er dabei eine Episode von 1932, die bereits die Bücherverbrennung andeutete. Bereits ihm Vorjahr hatte man ihm sein verbranntes Werk „Die Buddenbrooks" zugeschickt. Die Massenverbrennung von Klassikern der Weltliteratur ein Jahr später kam für ihn somit nicht überraschend.

    Quelle des Textauszugs: Kohrs, Peter (Hrsg.) (1998): Deutsch in der Oberstufe. Paderborn, S. 472.

  • Skizziere das Leben und Werk Thomas Manns.

    Tipps

    Manns Vater repräsentierte die bürgerlichen Tugenden, während seine Mutter eher künstlerisch geprägt war. Dieser Widerstreit beeinflusste Mann tief.

    Lösung

    Thomas Mann ist einer der bedeutendsten deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts und durchaus vergleichbar mit Goethe hinsichtlich seines literarischen Schaffens. Dabei nahm er Anteil an der Politik seiner Zeit und ahnte bereits 1933, dass das Nazi-Regime Unglück über Deutschland bringen würde. Er entschloss sich daher ins Exil zu gehen, versuchte aber durch seine „55 Radiosendungen nach Deutschland" die Deutschen zum Widerstand gegen Hitler aufzufordern. Da er auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Deutschland zurückkehren wollte, wurde er vor allem von den im Lande gebliebenen Schriftstellern stark kritisiert. Erst anlässlich seines 80. Geburtstages fand eine Aussöhnung mit Deutschland statt. Sein literarisches Werk zeichnet sich durch den Widerstreit zwischen bürgerlichen Konventionen und seinem künstlerischen Wesen aus.

  • Erläutere die Kritik, die andere Schriftsteller/innen an Thomas Mann übten.

    Tipps

    Nicht nur Thomas Manns Exil kann eine Form des Widerstandes gegen die Hitler Diktatur sein. Einige deutsche Schriftsteller entschieden sich bewusst dafür, in Deutschland zu bleiben und sich dem Hitler Regime zu widersetzen. Diese Form des Protests nennt man Innere Emigration.

    Lösung

    Thomas Mann entschloss sich noch 1933 dafür ins Exil zu gehen. Aus dem Ausland rief er die deutsche Bevölkerung, u.a. in seinen 55 Radiosendungen nach Deutschland, zum Widerstand gegen Hitler auf. Dafür wurde er nach Ende des Zweiten Weltkriegs von den im Land gebliebenen Schriftstellern kritisiert. Mann hatte sich in Sicherheit gebracht und konnte wegen seiner Kritik nicht von den Nationalsozialisten verfolgt werden. Die im Land gebliebenen deutschen Schriftsteller verloren während der Herrschaft der Nationalsozialisten nicht nur ihre literarische Reputation, sondern liefen auch Gefahr, verfolgt oder gar ermordet zu werden. Nach Ende des Krieges forderten sie daher von Mann, dass er durch seine Rückkehr nach Deutschland auch ihren Widerstand anerkenne. Thomas Mann tat ihnen diesen Gefallen aber nicht.

    Quelle des Textauszugs: Deutsch (2013). Das Oberstufenbuch. Berlin. Duden, S. 462.