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Bernhard Schlink – Leben und Werk

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Deutsch-Team
Bernhard Schlink – Leben und Werk
lernst du in der Oberstufe 5. Klasse - 6. Klasse

Grundlagen zum Thema Bernhard Schlink – Leben und Werk

Den meisten ist Bernhard Schlink als Schrifsteller bekannt. Aber er war auch jahrelang Richter und hat die Bundesregierung als Anwalt vertreten. Wie funktioniert beides nebeneinander, miteinander? Was sind Schlinks Hauptthemen? Und wieso kann man ihn zu den postmodernen Autoren zählen? In diesem Video erfährst du alles Wissenswerte über Bernhard Schlinks Leben und Werk. Viel Vergnügen!

Transkript Bernhard Schlink – Leben und Werk

“Selbs Justiz”: Den Privatdetektiv Gerhard Selb führt ein Auftrag zurück in die eigene Vergangenheit als Staatsanwalt während der Zeit des Nationalsozialismus. “Die gordische Schleife”: Der ehemaliger Jurist Georg Polger gerät durch die Übersetzung von Konstruktionsplänen für Kampfhubschrauber in das Visier eines Spionagerings. “Der Vorleser”: Jura-Student Michael verfolgt einen Gerichtsprozess, bei dem seine ehemalige Geliebte als Täterin im Nationalsozialismus angeklagt ist. Das sind die Inhalte von Bernhard Schlinks berühmtesten Romanen. Fällt dir etwas auf? Neben politischen Themen sind die Protagonisten alle Juristen oder haben im juristischen Milieu zu tun. Wie kommt das? Bernhard Schlink ist selbst hauptberuflich Jurist. Zudem arbeitete er als Verfassungsrichter. Seine Lebensthemen sind die juristische Denkweise, Verfehlungen und Gerichtsurteile, Schuld und Sühne.

Dieser Jurist ist aber auch ein weltberühmter Schriftsteller. Für seine bisher zehn literarischen Werke hat er etliche Preise erhalten. “Der Vorleser” wurde verfilmt und erbrachte ihm das Bundesverdienstkreuz. Ist er jetzt eher Jurist oder Schriftsteller? Wie sehr beeinflussen sich beide Tätigkeiten gegenseitig? Bernhard Schlink wurde am 06. Juli 1944 in Großdornberg bei Bielefeld geboren und wuchs in Heidelberg auf. Er entstammt einer Akademikerfamilie:

Sein Vater, Edmund Schlink, war Theologieprofessor in Heidelberg, sein Großvater Wilhelm Schlink war Professor für Mechanik. Sein Bruder Wilhelm Schlink Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg. So wird auch Bernhard Schlink Professor - für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Rechtsphilosophie. Nachdem er in Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaften studiert hat, bekommt er nacheinander einen Lehrstuhl in Bonn, in Frankfurt am Main und in Berlin. Immer wieder schreibt er juristische Fach- und Lehrbücher. Als Anwalt vertritt Bernhard Schlink 2005 sogar die Bundesregierung.

Von 1987 bis 2006 ist er Verfassungsrichter Nordrhein-Westfalens. Während damals seine 68er-Studentenfreunde demonstrieren gingen, sagte sich Schlink: “Ich wollte die Gesellschaft lieber durch Juristerei verbessern. Als Richter, als Rechtsanwalt, als Verwaltungsbeamter – was immer ich werden würde. Als ich dann Professor wurde, wollte ich der nächsten Generation ein starkes Gefühl für Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit vermitteln.” Aber Schlink findet noch eine andere Methode, um das Gefühl für Gerechtigkeit zu vermitteln: die Schriftstellerei.

Schlinks erster Roman entsteht 1987. Durch eine Einladung an die Universität in Aix-en-Provence wohnt er drei Monate lang bei seinem dort ansässigen Freund Walter Popp. Beide lesen gerne Kriminalromane und beschließen, selbst einen solchen zu schreiben:

“Selbs Justiz” über den Privatdetektiv Gerhard Selb hat Erfolg und wird 1991 vom ZDF verfilmt. Bernhard Schlink schreibt dann ohne Co-Autoren weiter: Zunächst folgt der Kriminalroman “Die gordische Schleife”, der den Friedrich-Glauser-Preis erhält. Dann vervollständigt er mit “Selbs Betrug” und “Selbs Mord” die Trilogie. Über das Genre des Kriminalromans sagt Schlink: “Bei ihm muss man wie im Recht zuerst das Problem entfalten, dann muss man es lösen. Während es sonst in der Literatur eher darum geht, ein Thema auszufalten und auszuleuchten, es präsent, erlebbar zu machen.”

Daran versucht er sich 1995 - und landet mit “Der Vorleser” einen viel beachteten internationalen Bestseller. Der Roman wird in mehr als 30 Sprachen übersetzt, die amerikanische Ausgabe erreicht Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times.

Es folgen nationale und internationale Literaturpreise wie der Hans Fallada-Preis. Die Verfilmung von “The Reader” aus dem Jahr 2008 erhält einen Oscar und einen Golden Globe. Die Erzählung “Der Andere” wird 2008 mit Liam Neeson und Antonio Banderas verfilmt. Der Roman “Das Wochenende” kommt 2013 mit Katja Riemann und Sebastian Koch in die deutschen Kinos. Trotz seines Erfolgs arbeitet Bernhard Schlink aber durchgehend hauptberuflich als Anwalt und Richter. Seine schriftstellerische Neigung beeinflusst seine Tätigkeit als Jurist: “Ich schreibe auch als Jurist gern und versuche auch als Jurist, klar und schön zu schreiben. Beides ergänzt sich auch sonst.”, sagt er in einem Interview. Umgekehrt wirkt sich seine juristische Praxis nicht nur inhaltlich, sondern auch formal auf seine Erzählweise aus: Seine knappe und präzise Darstellungsweise wird gelobt, das Schnörkellose und der Verzicht auf ausschweifendes Fabulieren. Weiterhin verbinden sich bei Schlink Elemente der deutschen Erzähltradition des 19. Jahrhunderts und moderner Realismus. Tatsächlich lehnt Schlink bewusst eine Unterscheidung zwischen ernsthafter und unterhaltender Literatur ab. Er kann also als postmoderner Autor bezeichnet werden.

»Bernhard Schlink gehört zu den größten Begabungen der deutschen Gegenwartsliteratur. Er ist ein einfühlsamer, scharf beobachtender und überaus intelligenter Erzähler. Seine Prosa ist klar, präzise und von schöner Eleganz.« schreibt die Frankfurter Neue Presse. Heute lebt Bernhard Schlink in Massachusetts und Berlin. Auf die Frage, warum er neben der Juristerei noch schreibt, antwortet er:

„Ich schreibe aus demselben Grund, aus dem andere lesen: Man will nicht nur ein Leben leben.“ Auf die Frage, warum er nicht ausschließlich schreibt, sagt er:

“Ich empfinde das Recht als Gewinn in meinem Leben. Ich denke gerne über die Themen und in den Strukturen des Rechts. Ich denke einfach gerne.” Bei Bernhard Schlink scheinen Schriftstellerei und Juristerei untrennbar miteinander verbunden.

Bernhard Schlink – Leben und Werk Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Bernhard Schlink – Leben und Werk kannst du es wiederholen und üben.
  • Nenne einige der im Video genannten Themen, die in Schlinks Werken immer wieder auftauchen.

    Tipps

    Schlinks Geburtsjahr, seine Berufung und das Land, in dem er lebt, haben alle seine Interessen und Hauptthemen geformt.

    Lösung

    Wenn man sich die Werke von Bernhard Schlink anschaut, sieht man, dass sie alle um bestimmte Themen kreisen. Das ist einerseits seinem Geburtsjahr geschuldet: Obwohl Schlink der 68er-Generation angehört, ging er nicht auf die Straße. Vielmehr versuchte er durch sein Schreiben und seine Arbeit, das Vermächtnis des nationalsozialistischen Deutschlands aufzuarbeiten und die Täter/-innen moralisch an den Pranger zu stellen. Dazu gehören also Vergangenheitsbewältigung und Geschichte im Allgemeinen.

    Eng damit verbunden sind - auch dank seines Berufs als Jurist - die Motive um Schuld und Sühne und Verfehlungen. Sein tägliches Leben mit Gerichtsurteilen und das ständig durchscheinende juristische Denken Schlinks finden sich in allen Facetten in seinen Büchern.

  • Gib die Stationen und Daten von Schlinks Leben wieder.

    Tipps

    Die meisten seiner Romane schrieb Schlink in seiner Zeit als Verfassungsrichter.

    Lösung

    Im Leben von Bernhard Schlink sind Beruf und Schreiben eng miteinander verknüpft, obwohl sie sehr verschieden sind: Sein Beruf ist die Juristerei, sein Hobby das Schreiben. Und doch beeinflussen sich beide gegenseitig: Seine Romane behandeln meist juristische, politische und ethische Fragen, die er in spannende Erzählstränge verwebt.

    Aufgewachsen ist er in einer fast schon untypischen Akademikerfamilie: Bruder, Vater und Großvater sind Professoren in unterschiedlichsten Fachbereichen. Er geht an die besten Universitäten Deutschlands und wird schließlich Verfassungsrichter in NRW. In dieser Zeit fängt er an, seine Romane zu schreiben: Zuerst mit einem Freund „Selbs Justiz" und ein paar Jahre später sein Meisterwerk „Der Vorleser", das verfilmt wird, etliche Preise gewinnt und seinesgleichen sucht.

  • Fasse die berühmtesten Romane Schlinks kurz zusammen.

    Tipps

    Achte auf die Nebendetails in den Zusammenfassungen, die auf den Titel hinweisen könnten. Um wen geht es? Gibt es mehrere Protagonist/-innen? Was ist das Thema?

    Lösung

    Schlinks Romane behandeln alle juristische und politische Themen - häufig verflochten mit Liebesgeschichten und psychologischen Erzählungen. Sein größter Roman - „Der Vorleser" - erzählt beispielsweise die Geschichte des angehenden Juristen Michael, der sich in die sehr viel ältere Hanna verliebt, später jedoch einen Prozess mitverfolgt, in dem sie aufgrund ihrer NS-Vergangenheit verurteilt wird. Ins Gefängnis schickt er ihr von sich aufgenommene Tonbänder.

    Seine dreiteilige Episode über die Geschichten des Privatdetektivs Selb wurden allesamt zu Bestsellern. In „Selbs Betrug" soll er eine angeblich Entführte ausfindig machen, die jedoch eigentlich gesucht wird, weil sie unter Verdacht des Terrorismus' steht.

    In dem Werk „Liebesfluchten" sind mehrere Erzählungen versammelt. Sie drehen sich alle um vergangene oder aktuelle Liebesbeziehungen, die jedoch so problematisch sind, dass ihre männlichen Protagonisten sie nicht oder nur unbefriedigend lösen können. So stammt aus diesem Buch auch die Geschichte „Der Andere", die später verfilmt und hoch gepriesen wurde.

  • Bestimme anhand des folgenden Ausschnitts den charakteristischen Stil von Schlink.

    Tipps

    Seinen Stil können wir als eher nüchtern bezeichnen: kein Pathos, keine Ornamentik, wenig Metaphern.

    Lösung

    Nicht nur Thematik, verflochtene Handlungsstränge und sich aufbauende Spannungsbögen zeichnen Bernhard Schlink als Krimi-Autor von Weltklasse aus: Auch seine Sprache ist dem Genre angepasst und dem Thema geschuldet, dabei aber trotzdem formschön und einzigartig.

    Die Komplexität beim Erzählen von Tathergängen, Verbrechen oder detailgetreuen Fällen ist groß genug, als dass Kriminalromane einer ornamentalen, ausschmückenden Sprache bedürften. Schlink setzt den Anspruch an formschöne Sprache innerhalb dieses Rahmens um: Er erzählt geradlinig, klar, beinahe nüchtern, gibt knappe und präzise Beschreibungen und verzichtet auf ausschweifendes Fabulieren. Diese Merkmale stammen sicherlich auch aus seiner juristischen Praxis. Eine eher romantische, ornamentalische, pathetische oder metaphorische Sprache erzeugt eine Zweideutigkeit, die sich ein Kriminologe nicht leisten darf.

    Dabei greift Schlink auf Traditionen der deutschen Erzählkultur, vor allem auf den modernen Realismus, zurück. Als scharf beobachtender Erzähler schafft er es, eine Grenze zwischen Gut und Böse zu ziehen, die sich in anderen, subjektiveren Darstellungen nicht festlegen ließe. Der Blick des Richters ist in der Manier von Schlink objektiv und ständig auf der Suche nach der verborgenen Wahrheit.

    Quelle: Schlink, Bernhard 1995: Der Vorleser. S. 149.

  • Beschreibe die Vorgehensweise bei Kriminalromanen im Unterschied zu anderen Literaturgattungen.

    Tipps

    Einen guten Krimi zeichnet vor allem die Spannung aus, die er erzeugt. Er handelt meist von kriminellen Machenschaften: Etwas Böses wird nach und nach aufgedeckt.

    Lösung

    Heutzutage ist das Genre des Kriminalromans eines der am meistgelesenen. Sowohl Verbrecher/-innen als auch Aufklärer/-innen, wie Anwält/-innen, Detektiv/-innen oder Polizei, haben sich in ihren Methoden weiterentwickelt und modernisiert. Verbrechen gibt es heute wie früher: Sie sind immer noch hochaktuell und stets spannend. Was sich an Verbrechen allerdings wenig geändert hat, das ist die Art, wie man von ihnen erzählt.

    Da die Spannung beim Krimi das wichtigste ist, geht es grundsätzlich darum, immer nur eine bestimmte Menge an Informationen zu geben, den/die Leser/-in zu verwirren oder ihn/sie auch mal auf die falsche Fährte zu locken. Zuerst wird der Fall entfaltet, nach und nach in seinen Kontext eingebettet, mit gesellschaftlichen Diskursen und zeitgenössischen Themen verbunden; erst am Ende löst man den Fall auf.

    Darin unterscheidet sich der Kriminalroman häufig von anderen Genres. In diesen geht es meist darum, ein Thema möglichst erfahrbar zu machen: Man soll es nacherleben können. Dabei hilft eine groß angelegte und in die Tiefe gehende Beschreibung. Spannung ist zwar ein Teil, steht aber nicht im Vordergrund.

  • Erläutere, was postmodernes Erzählen bedeutet.

    Tipps

    Mit der Postmoderne wird die Einheit des Romans in all seinen Kategorien zerstört: Dem/der Erzähler/-in ist nicht mehr zu trauen, die Geschichte ist häufig nicht logisch oder chronologisch aufgebaut, die Trennung zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmt.

    Lösung

    Die Postmoderne ist ein schwieriger und weitreichender Begriff. Das Wort beschreibt eine Epoche oder Geisteshaltung nach der Moderne. Doch hier fangen bereits die Schwierigkeiten an: Was genau ist modern?

    Viele meinen, dass die Moderne sich auf den allgemeinen Gültigkeitsanspruch von philosophischen oder religiösen Ideologien beruft. Anders ausgedrückt: In der Moderne herrscht die Überzeugung, es gebe eine Wahrheit. In der Postmoderne löst sich dieser Glaube auf: Einzelne Perspektiven auf die Welt sollen gleichberechtigt ihre Geltung erfahren. So stehen sich Systeme gegenüber, die in ihrem Bereich gültig, jedoch nicht verallgemeinerbar sind.

    In der Konsequenz heißt das: Autoritäten verlieren ihren unbedingten Machtanspruch; das individuelle, besondere Wesen erhält einen neuen Stellenwert.

    Diese Gedankengänge zeigen sich in allen Künsten: Der/die Autor/-in und der/die Erzähler/-in müssen ihre Macht offen legen; sie zeigen die Fiktion der Geschichte; der/die Leser/-in als Rezipient/-in trägt die Verantwortung für die Interpretation; das Werk ermöglicht es dem/der Leser/-in, seine/ihre eigene Bedeutung zu finden: es bleibt daher offen, uneindeutig und erhebt keinen Anspruch auf Objektivität.

    Nicht alle diese Merkmale finden sich in Schlinks Texten. Er bleibt jedoch auch als Autor noch Jurist und verwebt so fiktionale und reale Welt und verknüpft angeblich objektive Sachliteratur mit der literarischen Welt der Fiktionen.

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