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Johann Wolfgang von Goethe – Leben und Werk 09:04 min

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Transkript Johann Wolfgang von Goethe – Leben und Werk

Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein.

Diesen Ausspruch kennst du sicher. Aber wusstest du auch, dass er aus Goethes “Faust” stammt? Viele Sätze Goethes sind längst zu geflügelten Worten geworden, die jeder kennt. Aber, was war unser berühmtester deutscher Dichter für ein Mensch?

Kindheit und Jugend

Goethe wird 1749 in eine wohlhabende Frankfurter Juristenfamilie hineingeboren. Der autoritäre Vater unterrichtet Johann Wolfgang selbst.

Auf Wunsch seines Vaters nimmt der vielbelesene junge Mann im Alter von 16 Jahren ein Jurastudium in Leipzig auf. Dort besucht er allerdings lieber Poetik-Seminare, Theateraufführungen und nimmt Zeichenstunden. Hier verfasst er erste freiere und emotionalere Gedichte.

Doch Goethe wird schwer krank: Eine offene Lungentuberkulose führt zum Blutsturz, sodass er 1768 zu seinen Eltern zurückkehren muss. Während er sich regeneriert, befasst er sich mit Religion und Mystik, schreibt Gedichte über Gefühle und Natur.

Wegbereiter des Sturm und Drang 1771-1775

Schließlich setzt Goethe sein Jura-Studium in Straßburg fort. Dort lernt er Johann Gottfried Herder kennen. Der fünf Jahre ältere Theologe, Kunst- und Literaturtheoretiker öffnete ihm die Augen für die ursprüngliche Sprachgewalt von Autoren wie Homer und Shakespeare sowie der Volkspoesie.

Beide Literaten teilen die Liebe zur Natur, den Glauben an die Kraft der Gefühle und den Widerwillen gegen Konventionen. Gemeinsam werden sie zu den Wegbereitern der Epoche Sturm und Drang.

Der Begriff des “Genies” entsteht. Fantasie, Gefühl und Leidenschaft sind die neuen Werte dieser “Erlebnisdichtung”. Gleichzeitig ist das zentrale gesellschaftskritische Motiv der jungen Dramatiker die Zerrissenheit des Menschen, der Zwiespalt zwischen Geist und Trieb, Gefühl und Verstand.

Im Schauspiel "Götz von Berlichingen" stellt Goethe diesen Konflikt eines Einzelnen, der nach Freiheit dürstet, besonders prägnant dar.

Die Leiden des jungen Werther

1771 kehrt Goethe nach Frankfurt zurück und eröffnet relativ halbherzig in Frankfurt eine kleine Kanzlei. Auf Drängen seines Vaters macht er ein Praktikum beim Reichskammergericht in Wetzlar.

Sein dortiger Kollege Johann Christian Kestner erkennt schnell, dass Goethe ein Genie ist. Goehte tue, was ihm gefalle, ohne sich darum zu kümmern, ob es anderen gefällt.

Wie recht er hat, zeigt sich, als Goethe sich wenig später in Kestners Verlobte Charlotte Buff verliebt. Als die Situation zu eskalieren droht, flüchtet der Dichter schnell aus Wetzlar.

Anderthalb Jahre später verarbeitet Goethe diese Erfahrung in dem Briefroman Die Leiden des jungen Werther, den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschreibt.

Das hochemotionale Werk macht den 25-jährigen Autor in ganz Europa berühmt und erzeugt den Höhepunkt seiner Popularität zu Lebenszeiten.

Die darauffolgenden Jahre gehören zu den produktivsten in Goethes Leben. Er arbeitet in einem Schaffensrausch an ersten Fassungen von Urfaust und Prometheus.

Zeit als Minister und Geheimrat in Weimar 1775-1786

Die Einladung des jungen Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach nutzt der Dichter, um nach Weimar zu gehen. Der mittlerweile enge Freund ernennt ihn 1776 zum Minister und Geheimrat.

Neben seinen politischen Aufgaben betätigt Goethe sich als Forscher auf naturwissenschaftlichen Gebieten, vor allem Geologie, Mineralogie, Botanik und Osteologie interessieren ihn.

Im Jahr 1782 wird Goethe geadelt.

Es entstanden zwar in der Ministerzeit anspruchsvolle Arbeiten wie Iphigenie auf Tauris und bekannte Gedichte wie der Erlkönig und Wanderers Nachtlied, dennoch gerät Goethe 1786 in eine Krise. Er leidet unter den Zwängen des Hoflebens, ist unerfüllt und weiß nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung ist.

Flucht und "Wiedergeburt" in Italien 1786-1788

Also flüchtet der 37-Jährige nach Italien und sucht nach neuer Inspiration. Er beginnt unter anderem mit der Arbeit an "Faust". Vom leidenschaftlichen Sturm und Drang geht Goethe literarisch langsam zur tiefgründigen, klassisch geprägten Tragödie über.

Die Italienreise bewirkt beim Dichter eine Art „Wiedergeburt“. Er will künftig nur das tun, was ihm seinem Wesen gemäß erscheint. Als er 1788 nach Weimar zurückkehrt, lässt Goethe sich von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden.

Der fast 40-Jährige lernt die 23-jährige Christiane Vulpius kennen und lieben. Sie stammt aus niederen Verhältnissen, Goethe schätzt jedoch ihr natürliches, fröhliches Wesen. Die beiden leben in wilder Ehe zusammen, was damals ein absolutes gesellschaftliches Tabu war.

Zusammenarbeit mir Friedrich Schiller

1789 erschüttert die Französische Revolution Europa. Goethe befasst sich ausschließlich mit naturwissenschaftlichen Arbeiten - bis er 1794 Friedrich Schiller bei der Zusammenarbeit an der Zeitschrift “Die Horen” näher kennenlernt.

Aus anfänglicher Konkurrenz wird eine der produktivsten Freundschaften der Literaturgeschichte. Schiller bewundert Goethe als größtes literarisches Genie seiner Epoche.

Goethe erkennt in ihm sein Alter Ego, den womöglich einzigen Dichter, der seine eigene Auffassung von Kunst und Literatur begreift. Die beiden lehnen die Revolution ab und sehen in der Antike das höchste künstlerische Ideal. Beide Dichter entwickelten eine Literatur- und Kunstauffassung, die als „Weimarer Klassik“ bezeichnet werden soll.

Durch die Zusammenarbeit lösten sich die Schreibblockaden beider Dichter. Goethe sagte über die Arbeit mit dem 10 Jahre jüngeren Schiller: „Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.“ Mit Schillers Tod 1805 endet die Weimarer Epoche.

Letzte Werke und Tod

Der letzte Lebensabschnitt des Dichters, Politikers und Naturwissenschaftlers ist geprägt von der Arbeit an den Wahlverwandschaften, Wilhelm Meister, Faust und an den autobiografischen Schriften Dichtung und Wahrheit.

1832 erliegt der 82-jährige Goethe einem Herzinfarkt.

1 Kommentar
  1. Default

    Danke:)

    Von Wile Davila, vor 10 Monaten

Johann Wolfgang von Goethe – Leben und Werk Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Johann Wolfgang von Goethe – Leben und Werk kannst du es wiederholen und üben.

  • Nenne die beiden literarischen Strömungen, die Goethe wesentlich beeinflusst hat.

    Tipps

    Erinnere dich daran, dass Goethe von 1749-1832 gelebt hat - so kannst du bereits einige Epochen bzw. Strömungen ausschließen.

    Lösung

    Richtig sind die Strömungen Sturm und Drang (1765-1785) und Klassik (1786-1805). Die Klassik endet mit dem Tod Friedrich Schillers 1805. Beide Epochen sind stark von Goethe und seinen Werken beeinflusst worden. Die beiden Strömungen lassen sich mit zur Epoche der Aufklärung zählen. Die Romantik (1795-1840), der Biedermeier (1830-1848) und der Poetische Realismus (1848-1890) hingegen sind später datiert. Die Barockzeit liegt vor der Aufklärung (etwa 1600 bis 1720).

  • Nenne das Werk, mit dem Goethe zu Lebzeiten den größten Erfolg erlangte.

    Tipps

    Es handelt sich um ein Werk, das Goethe mit nur 25 Jahren geschrieben hat.

    Lösung

    Während heute eher „Faust“ zu den meistgelesenen Werken von Johann Wolfgang von Goethe gehört, erlangte Goethe zu Lebzeiten mit „Die Leiden des jungen Werther“ die größte Popularität. Der 1774 verfasste Briefroman beeinflusste schon zu dieser Zeit die Gesellschaft und machte Goethe in ganz Europa berühmt.

  • Zeige die Stationen in Goethes Leben auf.

    Tipps

    An seinen Geburtsort kehrte Goethe zur Unterbrechung seines Jurastudiums mehrmals zurück.

    Nachdem Goethe seit 1776 zehn Jahre lang auch politische Posten ausübte, folgte eine Sinn- und Schaffenskrise. Auf einer Reise versucht Goethe, neue Inspiration zu finden.

    Lösung
    1. Geboren ist Goethe 1749 in Frankfurt am Main, wohin er sowohl nach Studienaufenthalten in Leipzig als auch in Straßburg zurückkehrte.
    2. Es folgt 1772 ein Praktikum beim Reichskammergericht in Wetzlar.
    3. Dreieinhalb Jahre später ging Goethe nach Weimar, wo er unter anderem naturwissenschaftliche Arbeiten verfasste und im Staatsdienst tätig war.
    4. Als Antwort auf eine Sinn- und Schaffenskrise reiste Goethe 1786 nach Italien - die wichtigste und produktivste Reise im Leben des Genies.
    5. Anschließend kehrt Goethe nach Weimar zurück, wo er 1832 stirbt.
  • Ordne die Originalzitate dem jeweiligen Werk Goethes zu.

    Tipps

    Das Zitat „Verweile doch! Du bist so schön!“ ziert das Portal des Deutschen Theaters in Berlin - mit diesem Hinweis fällt es dir sicher nicht mehr schwer, die Gattung und somit auch das Werk zu erkennen.

    Die bekannte Frage äußert die Hauptfigur des Romans, der Goethe schon früh in ganz Europa berühmt machte.

    Lösung

    Zugegeben, diese Aufgabe ist nicht so leicht. Aber ein paar Zitate konntest du bestimmt zuordnen. Hier die Auflösung:

    1. Wie du dem Tipp vielleicht entnehmen konntest, entstammt das Zitat „Verweile doch! Du bist so schön!“ einem Drama, nämlich Goethes „Faust I“ (Quelle: Goethe, Johann Wolfgang (1986): Faust. Der Tragödie erster Teil. Reclam, Stuttgart, 1699–1702.).
    2. Der berühmte Klageruf „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?“ stammt aus dem „Werther“, der Goethe schon früh bekannt gemacht hatte (Quelle: Goethe, Johann Wolfgang (1787): Die Leiden des jungen Werther. Reclam, Stuttgart, S. 148.).
    3. „Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ hast du bestimmt schon einmal gehört. Das Zitat ist Teil des „Erlkönigs“ (Quelle: Goethe, Johann Wolfgang (1782): Der Erlkönig).
    4. Der berühmte Refrain „Walle! walle / Manche Strecke, / Daß, zum Zwecke, / Wasser fließe” ist dem „Zauberlehrling“ entnommen - einem weiteren berühmten Gedicht Goethes (Quelle: Goethe, Johann Wolfgang (1797): Der Zauberlehrling).
  • Ermittle die Gattungen von Goethes wichtigsten Werken.

    Tipps

    Falls du dich nicht mehr genau erinnern kannst: Literarischen Werke werden in drei Gattungen unterteilt: a) Drama, damit sind Texte für das Theater gemeint, b) Epik, damit sind alle erzählenden Texte in Prosa, also z.B. Romane und Novellen, gemeint, und c) Lyrik, d.h. Gedichte.

    Lösung

    Johann Wolfgang von Goethe hat in allen drei Gattungen bedeutende Texte verfasst:

    • „Iphigenie auf Tauris“ war vielleicht am schwierigsten einzuordnen, da es erst in Prosa und dann als dramatischer Text verfasst wurde. Zwei weitere sehr bekannte Dramen Goethes sind „Faust“ und „Götz von Berlichingen“.
    • Die Gedichte waren leichter einzuordnen, oder? In diese Kategorie gehören „Der Erlkönig“ und „Prometheus“.
    • Übrig bleiben die epischen Werke Goethes: Darunter der Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ sowie „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und „Die Wahlverwandschaften“.

  • Beschreibe Goethes Schaffen zur Zeit der Weimarer Klassik.

    Tipps

    Erinnere dich an die erste Frage - hier hast du bereits erfahren, welche Epoche Goethe außer der Klassik entscheidend prägte.

    Eine Hymne, in der Klagen und Spott gegen die Götter erhoben werden, markiert den Übergang zur Klassik im Schaffen Goethes.

    Wenn du dein Hintergrundwissen zur Klassik aktivierst, wirst du schnell dahinter kommen, dass die Leitideen der Klassik Harmonie, Gerechtigkeit und Freiheit sind und somit in engem Verhältnis zum historischen Kontext stehen. Diese Haltung spiegelt sich natürlich auch in den literarischen Werken wider, die in starkem Maß auf die Bildung des Menschen zielen.

    Lösung

    Die Epoche der Weimarer Klassik ist in besonderem Maße durch die Zusammenarbeit von Goethe und Schiller in Weimar geprägt. Den Beginn der Epoche markiert Goethes Italienreise. Auch seinen Werken merkt man einen Epochenwechsel an: Besonders deutlich wird dies im Gedicht „Prometheus“.

    Beide Dichter, Goethe und Schiller, setzten sich mit dem wichtigsten historischen Ereignis der Zeit, der Französischen Revolution von 1789, auseinander. Die Leitideen der Epoche sind Humanität und eine ästhetische Erziehung des Menschen.

    Merkmale der Klassik zeigen sich in allen drei Gattungen. Neben vielen berühmten Dramen ist vor allem der Bildungsroman zu nennen. Ein Beispiel hierfür ist Goethes „Wilhelm Meister“. Im Bereich der Lyrik überwiegt die sogenannte Gedankenlyrik. Berühmte Beispiele hierfür sind zwei Gedichte Goethes: „Der Erlkönig“ und „Der Zauberlehrling“.