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Ideologie und "Rassenlehre"

Ideologien wie der Sozialdarwinismus entstanden Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts - in einer Zeit also, die ohnehin geprägt war von der Überhöhung der eigenen Nation und der vermeintlich eigenen Rasse.

Die Entstehung von Rassenkunde, Rassenideologie und Rassentheorie

Etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es unter Forschern immer populärer, die Menschheit in verschiedene Rassen zu unterteilen. Arthur de Gobineau war der Erste, der konkret zwischen einer weißen, gelben und schwarzen Rasse unterschied. Zwischen 1835 und 1855 verfasste er 4 Bücher über seine Rassenlehre. Die weiße Rasse bezeichnete er als die arische Urrasse, die den anderen überlegen sei und deren Qualität erhalten bleiben müsse.

Gobineaus Theorien fanden weltweit Anklang und wurden durch weitere Rassenforscher wie Houston Stewart Chamberlain erweitert. Häufig wurde ein damals ohnehin weit verbreiteter Antisemitismus noch mit in die Theorien eingebettet. Chamberlain veröffentlichte dazu 1899 ein Werk, was die Juden zu einer eigenen Rasse machte. Aber nicht nur das: Sie wurden auch als die minderste Rasse bezeichnet und dadurch zum Feind der arischen Urrasse erklärt. Viele dieser Lehren bezogen sich auf die Evolutionstheorie Darwins, weshalb man ihre Protagonisten auch als Sozialdarwinisten bezeichnete.

Darwin

Charles Darwins Evolutionstheorie

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist, sich zu verändern.“

Dies ist der Satz, auf den Charles Darwin (1809-1882) später von den Sozialdarwinisten reduziert wurde. Damit rechtfertigten sie ihre pseudowissenschaftlichen Argumente gegen vermeintlich „schwächere“ Rassen. Doch meinte Darwin so viel mehr als das: Er versuchte, Erklärungen für die Entwicklung des gesamten Lebens zu finden und übertrug seine Erkenntnisse nicht einfach so auf den modernen Menschen.

Darwin ging davon aus, dass in der Natur ein stetiger Kampf ums Dasein herrsche. Auf seinen Forschungsreisen beobachtete er die verschiedenen Entwicklungsstufen der Arten, verglich sie miteinander, stellte Verbindungen her und schlussfolgerte dann auf ihre mögliche Entwicklung. Er stellte fest, dass meist das Tier überlebt, welches sich am besten seiner Umgebung und Umwelt anpassen kann. Diejenigen, die sich als weniger anpassungsfähig erweisen, sterben aus. Dadurch werden auf lange Sicht bestimmt Merkmale, die sich als unvorteilhaft erwiesen haben, ausgelöscht und Arten mit günstigeren Eigenschaften überdauerten. Dieses Prinzip nannte er natürliche Auslese, the survival of the fittest.

Entwicklung

Sozialdarwinismus

Für die Sozialdarwinisten war die Evolutionstheorie weniger eine biologische Lehre, sondern eher eine Aufforderung zum Handeln. Laut ihrer Definition ist Rassenkampf ein Naturgesetz. Sie übertrugen Darwins Prinzip der Auslese, welche eigentlich zehntausende oder gar Millionen Jahre von statten geht, auf einen konkreten Kampf im Hier und Jetzt. Ein Kampf um Rasse und um gutes oder schlechtes Erbgut. Diese Vorstellungen mündeten dann in dem Schluss, es gäbe in der Natur so etwas wie wertes und unwertes Leben - was Darwins Theorien natürlich nicht im Ansatz gerecht wurde.

Doch das war den Sozialdarwinisten egal, ging es ihnen im Kern längst um die Rechtfertigung einer rassistischen und antisemitischen Ideologie und weniger um fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse. Ideologien wie der Sozialdarwinismus hatten ohnehin Hochkonjunktur in einer Zeit, die geprägt war von der Überhöhung der eigenen Nation und der vermeintlich eigenen Rasse.

Natürlich weiß heute jeder aufgeklärte Wissenschaftler, dass die Natur weder edle noch minderwertige Rassen kennt - und natürlich gilt das auch für den Menschen! Trotzdem ist dem Irrglauben der Rassenlehre bis heute schlecht beizukommen, da sie geschickt mit den niederen Instinkten der Menschen spielt und es ihnen erlaubt sich höherwertig zu fühlen, ohne etwas dafür tun zu müssen. Dieses Prinzip funktioniert heute leider noch genauso gut wie damals.

Vom Sozialdarwinismus zur Rassenhygiene

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich dann eine noch schärfere Auslegung Darwins: die sogenannte Rassenhygiene. Sie besagt, dass die natürliche Auslese durch die moderne Zivilisation (Medizin, hoher Lebensstandard, Sozialstaat etc.) behindert wird. Kranke, schwache und arme Menschen, die in der „unzivilisierten Natur“ nicht lebensfähig wären, können sich nun ebenfalls fortpflanzen. Dadurch sei die Qualität der Gene und des Erbguts der gesamten Menschheit gefährdet. Zur wissenschaftlichen Untermauerung dieser fragwürdigen These wurde 1905 unter dem Mediziner Alfred Ploetz sogar eine Gesellschaft für Rassenhygiene gegründet. Durch aktives Eingreifen und Selektieren wollte diese Gesellschaft die Fortpflanzung gesunder Gene fördern und die der schwachen verhindern. Grausame Schriften wie „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ von Karl Binding und Alfred Hoche machten die Runde, in der die Tötung Neugeborener und „unheilbar Blödsinniger“ offen gebilligt wurde. 1923 entstand in München sogar ein Lehrstuhl für Rassenhygiene und später wurde es vielerorts zum Pflichtfach für Medizinstudenten.

Doch darfst du die Urheber solcher Ideen nicht als bloße Fanatiker oder Außenseiter sehen, denn im Grunde spiegeln sie nur den damals dominierenden Zeitgeist wider, der fast die gesamte westliche Welt erfasste. Der Kolonialismus tat sein Übriges dazu, war er doch schon fast auf die Herabwürdigung fremder Völker angewiesen.

Hitler und der Nationalsozialismus

Wie du siehst, waren Hitler und der Nationalsozialismus nur das Ende einer Entwicklung, die lange vorher begann. Hitlers rassenideologisches Manifest „Mein Kampf“ war dann sein persönlicher Beitrag zur Bestimmung minderwertiger und höherwertiger Rassen. Seine Hauptmotivation lag in der Arterhaltung des germanischen Menschen, des Deutschen.

Die nordische Rasse und ihr Sinnbild, der Arier- kräftig gebaut, hellhäutig und helle Haare-, sollten die Herrenmenschen sein und über die restlichen Rassen herrschen. Hitler selbst sah in diesen minderwertigen Rassen, die es auszumerzen galt, vor allem die Juden. Ein weiterer Chefideologe der Nazis war Alfred Rosenberg. Dieser veröffentlichte 1930 sein Hauptwerk „Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts“, das den nationalsozialistischen Rassenwahn weiter schürte. Viele weitere Publikationen, wie etwa „Die nordische Seele“ (München, 1937), die „Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes“ (Berlin, 1937) oder „Warum Rassen- und Bevölkerungspolitik?“ (Berlin 1938), beriefen sich darauf.

Die letzte fatale Konsequenz dieser über Jahrzehnte gelehrten Rassenkunde waren dann die Konzentrationslager der Nazis im 2. Weltkrieg, in denen Millionen dieser vermeintlich minderwertigen Menschen ihr Leben verloren.

Konzentrationslager

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