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Welternährung

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Jan Künzl
Welternährung
lernst du in der Oberstufe 7. Klasse - 8. Klasse - 9. Klasse

Grundlagen zum Thema Welternährung

Weltweit leiden heute 850 Millionen Menschen unter Hunger. Gleichzeitig werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel jährlich verschwendet. Wie passt das zusammen?

Nach den weltweiten Hungerunruhen 2007 und 2008 ist das globale Welternährungssytem wieder in den Fokus der Internationalen Gemeinschaft gerückt. Obwohl weltweit genug Nahrungsmittel produziert werden um die Weltbevölkerung satt zu bekommen hat jeder achte Mensch zu wenig zu essen.

Aber wie genau funktioniert dieses System? Wo liegen die Probleme? Und was muss getan werden? Dies sind die Fragen, denen der neue Clip der WissensWerte Reihe nachgeht.

Transkript Welternährung

In den Jahren 2007 und 2008 kam es rund um die Welt zu gewaltsamen Brotunruhen. Die Weizenpreise auf dem Weltmarkt hatten sich seit 2000 verdreifacht. Ein Thema, dass lange aus den Schlagzeilen verschwunden war, kehrte zurück, die Welternährung. Aber wie funktioniert eigentlich die Welternährung? Was sind die Probleme? Und was kann getan werden, damit das System besser funktioniert? Weltweit werden Nahrungsmittel produziert, verarbeitet, transportiert und konsumiert. Damit werden die sieben Milliarden Erdbewohner versorgt. Es gibt etwa 450 Millionen Kleinbauern, vor allem in den Entwicklungsländern. Die stark globalisierte Agrarindustrie dagegen hat nur wenige Akteure. Die vier größten Getreide- und Soja-Händler kontrollieren etwa 75 Prozent des Weltmarktes. Kleinbauern, Industrie, Händler und Konsumenten sind in einem komplexen Geflecht miteinander verbunden. Manche Kleinbauern liefern ihre Produkte an Großkonzerne. Häufig konkurrieren sie aber auch um lokale und globale Märkte oder um zunehmend knappe Ressourcen wie Wasser oder fruchtbare Böden. Die Regeln für dieses System werden von den Märkten und von internationalen Organisationen wie der WTO bestimmt. Es gibt eine ganze Reihe von Problemen. Lange wurde angenommen, eine Abkehr von kleinbäuerlichen Strukturen hin zu großflächigen Anbaumethoden und Öffnung für den Weltmarkt könne die Ernährungslage effizienter sichern. Doch langfristig senken die großflächigen und chemieintensiven Monokulturen die Bodenqualität. Viele Kleinbauern haben ihre Ackerflächen aufgegeben und sind in die Städte gezogen. Das Wissen um traditionelle Anbaumethoden und Pflanzensorten sinkt. Diese Großplantagen werden immer häufiger von großen internationalen Investoren betrieben. Sie kaufen oder pachten große Flächen, vor allem in Afrika. Dieses sogenannte Landgrabbing betrifft jedes Jahr eine Fläche von der Größe Frankreichs. Das Welthandelssystem benachteiligt die Kleinbauern. Ein Beispiel: Die Europäische Union subventioniert ihre Agrarwirtschaft stark. Die Unternehmen könne ihre Produkte auf dem Weltmarkt sehr günstig anbieten. Zölle, Produktstandards und andere Handelshemmnisse schützen hingegen den europäischen Markt vor Kleinbauern aus den Entwicklungsländern. Schwellenländer wie Indien oder China entwickeln sich wirtschaftlich. Auch die Essgewohnheiten nähern sich immer mehr denen der Industrieländer an. Vor allem wird mehr Fleisch gegessen, in China zum Beispiel fünfmal so viel wie 1980. Das Problem dabei, für die Herstellung einer Kalorie Fleisch müssen zwei bis sieben pflanzliche Kalorien verfüttert werden. Flächen, auf denen früher Nahrungsmittel angebaut wurden, sind nun mit lukrativen Exportgütern wie Kaffee oder Baumwolle bestellt. Oder es werden Energiepflanzen angebaut für Biosprit. Investoren kaufen Nahrungsmittel an den Börsen. Sie spekulieren darauf, dass die Produkte teurer werden und treiben so die Preise künstlich in die Höhe. Es entstehen Preisschwankungen, die von kleinen Produzenten schlecht aufgefangen werden können. Und ein drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmittel verderben bei Transport und Lagerung oder sehen nicht gut genug aus für die Verbraucher in den Industrieländern. Sie landen einfach im Müll. Es gibt also viele strukturelle Probleme. Die Rahmenbedingungen werden sich in Zukunft wohl weiter verschlechtern. Die Weltbevölkerung wächst rasant vor allem in den Gebieten, die am stärksten von Nahrungsmittelknappheit betroffen sind. Bis 2050 müssen neun Milliarden Menschen ernährt werden. Der Klimawandel senkt die Kapazitäten durch Erosion, Dürren und Verwüstung. Hinzu kommen Übernutzung und die Bebauung großer Flächen. Experten gehen davon aus, dass in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern die Erträge zurückgehen werden. Es gibt verschieden Ansätze das Welternährungssystem zu stabilisieren. Eine neue grüne Revolution soll die Erträge vervielfachen, die Gentechnik. Doch die bisherige Forschung ist weniger auf eine Verbesserung der Ernährungslage ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen Resistenzen gegen Herbizide, um mehr Unkrautvernichtungsmittel einsetzen zu können. Die neuen genhybriden Sorten sind außerdem meist patentiert und bringen so die Kleinbauern in Abhängigkeit gegenüber den großen Saatgutproduzenten. Andere Maßnahmen sind vielversprechender. Der Zugang zu den globalen Märkten und die Konkurrenzfähigkeit der Kleinbauern müssen verbessert werden. Gerade die europäische Union könnte hier durch einen Wandel ihrer Agrarpolitik vorangehen. Es muss mehr Wert auf die Entwicklung ländlicher Räume gelegt werden. Dazu gehören die Förderung von Kleinbauern bei der Verteilung von Bodenrechten, Investition in die Infrastruktur, in die Bildung und die Vermittlung von Wissen zu nachhaltigen Anbaumethoden. Jeder einzelne Konsument hat die Möglichkeit mit seinem Verhalten einen Unterschied zu machen. Zum Beispiel in dem er weniger Fleisch isst und nicht so viele Nahrungsmittel wegschmeißt. Es ist höchste Zeit umzusteuern. Eine dezentrale, faire und nachhaltige Entwicklung des Agrarsektors ist wichtig. Nur so kann eine Bevölkerung von neun Milliarden Menschen langfristig ernährt werden.

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