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Das Osmanische Reich

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Grundlagen zum Thema Das Osmanische Reich

Konstantinopel ist in islamischer Hand. Das einst mächtige Christenreich ist zu einer exotischen Welt zwischen Harem und Kafes geworden.

Transkript Das Osmanische Reich

1453 Konstantinopel, der goldene Apfel der Christenheit, ist gefallen. Die Osmanen sind die neuen Herrscher am Bosporus. Das einst mächtigste christliche Reich der Welt wird durch eine dynamische islamische Regierungsform ersetzt. Konstantinopels neue Herrscher werden Europa die nächsten Jahrhunderte in Atem halten. Das Schaltzentrum der neuen Macht ist der Topkapi Palast. 400 Jahre lang steuerten die Herrscher Konstantinopels von hier aus das Reich. Aber von Anfang an gehen auch Christen ein und aus, denn Zwangsbekehrung zum Islam gehört nicht zur Politik der Osmanen, im Gegenteil, sie nutzen die gewachsenen christlichen Strukturen im Verwaltungswesen, beschäftigen christliche Beamte in Spitzenpositionen. Auf diese Weise können sie auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Innerhalb von hundert Jahren ist aus dem winzigen Fürstentum Osman eine Großmacht geworden, mit der Europa von nun an rechnen muss. Die Nachrichten über die neuen Fürsten in Konstantinopel verbreiten sich in Europa rasend schnell. Exotisch soll es an ihrem Hof zugehen, geradezu frivol. Hunderte Frauen tummeln sich in den Palastgemächern des Sultans. Vor allem die Männerwelt stellt sich den Harem als erotisches Schlaraffenland vor. Doch die Realität in den Harems ist weitaus nüchterner. Außer dem Sultan und seinen Eunuchen darf sich kein Mann in dem hermetisch abgeschlossenen Bereich der Frauen aufhalten. Neben vier offiziellen Gattinnen bevölkern damals bis zu 500 Concubinen die Gemächer. Der Topkapi Palast war über Jahrhunderte der Schauplatz hinterhältiger Machenschaften. Besonders in Fragen der Nachfolge des Sultans gab es keine feste Regelung. Das Resultat, der raffinierteste Taktiker unter den Söhnen des Sultans gewann den Thron, ein Weg, der über Leichen ging. Mord als politische Institution. Sultan Mehmed III beispielsweise lässt am Tag seiner Machtübernahme 1595 19 seiner Brüder töten. Ein grausames System, das auch politisch schadete, denn es führte fast zur Ausrottung der gesamten Dynastie. Die osmanischen Herrscher erkannten dies und schufen im 17. Jahrhundert die Einrichtung des Kafes, was übersetzt goldener Käfig heißt. Vornehme Gefängnisse für die Söhne, die hier zur Langeweile verurteilt ihr Dasein fristeten. Starb der Herrscher, wählten hohe Beamte aus den Reihen der eingesperrten Brüder einen Nachfolger. Ein Fortschritt an Humanität mit dem Nachteil, dass die Bewohner der Kafes politisch und auch sozial keinerlei Vorbildung hatten, um im Ernstfall mit dem komplizierten Regierungsgeschäft umgehen zu können. Das mächtige Christenreich ist zu einer exotischen Welt zwischen Harem und Kafes geworden, die Europa in den nächsten 400 Jahren in Atem halten wird.

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