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Drama – Figurencharakterisierung 07:41 min

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Transkript Drama – Figurencharakterisierung

Hallo, schön dass du mal wieder rein schaust. Versuche doch einmal, dich an das letzte Stück zu erinnern, das du im Theater gesehen hast. Wenn du noch nicht im Theater gewesen bist, oder es zu lange her ist, dann stell dir den letzten gesehenen Film vor. Hast du die Bilder in deinem Kopf? Dann fällt es dir sicher nicht schwer, dir die Figur vorzustellen, die dir am unsympathischsten war, oder?

Aber warum war diese Figur eigentlich so unsympathisch? Was unterschied sie von anderen Figuren? Mit welchen Gegenfiguren kannst du sie kontrastierend vergleichen? Wie ist ihre äußere Erscheinung, soziale Lage oder psychische Verfassung? Diese kleine Gedächtnisübung wird dir helfen, den Inhalt dieses Videos zur Figurencharakterisierung im Drama zu verstehen. Am Ende wirst du einige Ideen haben, wie es Autor und Darstellern gelingen konnte, den Charakter der Figuren deutlich zu machen. Die Figurencharakterisierung im Drama unterscheidet sich von der in epischen Texten. In Dramen gibt es keinen Erzähler. Die Figuren werden einerseits durch Nebentexte, zum Beispiel Regieanweisungen, des Autors charaktersiert. Andererseits charaktersieren sie sich zu einem großen Teil selbst durch ihre Art und Weise zu sprechen, sich zu bewegen und natürlich die Inhalte, die sie damit verkörpern. Siehst du ein Stück auf der Bühne inszeniert, solltest du als Zuschauer erkennen, wofür die Figuren stehen.

Aber wie genau passiert das eigentlich? Einige Fachbegriffe und Beispiele helfen dir, die Vorgänge zu verstehen.

Die ersten wichtigen Fachbegriffe für die Figurencharakterisierung im Drama sind auktorial und figural. Auktoriale Charakterisierung bezeichnet alle Informationen, die dem Leser oder Zuschauer eines dramatischen Textes direkt vom Autor gegeben werden. Figurale Charakterisierungsmerkmale werden durch die Figuren selbst, ihre persönlichen Merkmale und beispielsweise sprachliche Äußerungen dargestellt.

Lass uns einen genaueren Blick darauf werfen. Auktoriale Techniken kannst du noch einmal in explizit und implizit unterscheiden. Explizite, also direkte Charakterisierung nimmt ein Autor vor, indem er Figuren beispielsweise im Nebentext beschreibt. Das geschieht in Bezug auf ihr Äußeres, ihre Bewegungen, ihre Sprechweise, teilweise sogar ihre Persönlichkeitsstruktur und typische Verhaltensweisen. Sieh dir einmal an, wie deutlich der Amtsvorsteher von Wehrhahn in Gerhart Hauptmanns „Der Biberpelz” charakterisiert wird: „Wehrhahn ist gegen vierzig Jahre alt und trägt ein Monokel. Er macht den Eindruck eines Landjunkers. Seine Amtstracht besteht aus einem schwarzen, zugeknöpften Gehrock und hohen, über die Beinkleider gezogenen Schaftstiefeln, Er spricht nahezu im Fistelton und befleißigt sich militärischer Kürze im Ausdruck.“ Auch sogenannte „sprechende Namen“, bei denen der Name der Figur für ihren Charakter bezeichnend ist, können Figuren in ein bestimmtes Licht tauchen. „Knechtling“ ist der Name des entlassenen Angestellten in Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“.

Auch implizite, also indirekte, auktoriale Charakterisierung kann durch Namensgebung erfolgen. Diese ist allerdings weniger offensichtlich als in der expliziten Form. Frischs Protagonist „Gottlieb Biedermann“ erinnert an Gottlieb Biedermaier, der in seiner Häuslichkeit und beschränkten Weltsicht Namensgeber für eine ganze Epoche war. Implizite Charakterisierung vollzieht sich außerdem, wenn Figuren bewusst in einen Kontrast, also den Gegensatz, oder die Korrespondenz, also Übereinstimmung, zu anderen Figuren gesetzt werden. Auch so werden Charaktermerkmale deutlich. Wenn beispielsweise verschiedene Figuren direkt hintereinander die gleiche Information erhalten und ähnlich oder vollkommen anders reagieren. Der Hauptteil der Figurencharakteristik geschieht im Drama figural. Auch dabei gibt es explizite und implizite Techniken. Du kannst es dir leicht merken. Explizite figurale Charakteristik geschieht immer auf sprachlich-inhaltlicher Ebene. In Eigen- und Fremdkommentaren machen die Figuren Aussagen über sich selbst und andere. Dies kann in Monologen und Dialogen, in An- oder Abwesenheit der betreffenden Personen geschehen.

Lessings Emilia Galotti sagt in einem Dialog mit ihrer Mutter über sich selbst aus: „Was für ein albernes, furchtsames Ding ich bin!.“ Dieser Eigenkommentar deckt sich teilweise mit einem späteren Fremdkommentar ihrer Mutter Claudia. Sie meint später, Emilia sei „[...] die Furchtsamste und Entschlossenste unseres Geschlechts. Ihrer ersten Eindrücke nie mächtig; aber nach der geringsten Überlegung, in alles sich findend, auf alles gefasst.“. Um explizite figurale Charakteristik in einem Drama zu erkennen, musst du darauf achten, was die Personen über andere und sich selbst sagen.

Auch implizite figurale Charakteristik geschieht teilweise auf sprachlicher Ebene. Im Gegensatz zur expliziten Technik geht es dabei nicht darum WAS, die Figuren sagen, sondern WIE sie es tun. Sprachliche Varietäten wie Dialekte, aber auch Sprachstil oder Stimmqualität sorgen für eine bestimmte Wahrnehmung des Charakters beim Zuschauer. Die Frage danach, WIE eine Figur etwas tut oder aussieht, hilft dir auch, die außersprachliche implizite figurale Charakterisierung zu erfassen. Dazu gehören das allgemeine Verhalten der Figuren sowie die Körpersprache wie Mimik, Gestik. Auch durch Requisiten, Kostüm und Maske betonte Merkmale und die verschiedenen Schauplätze der Handlung können Figuren implizit charakterisiert werden.

Auch wenn sie inhaltlich genau den gleichen Satz sprechen würden, eine schwäbisch sprechende Emilia Galotti im Trachtenkostüm würde anders auf dich wirken als eine Emilia in historischem Gewand oder eine lispelnde Emilia mit Lederjacke, Shorts und hochhackigen Stiefeln. Implizite figurale Charakteristik hängt weniger vom Text als von der konkreten Inszenierung ab.

Die einzelnen Techniken, egal ob auktorial, figural, explizit oder implizit kommen meist gemischt vor und verstärken sich in ihrer Wirkung gegenseitig. Damit du trotzdem durchsiehst und eine Hilfe für deine Analyse hast, zeige ich dir zum Abschluss eine Übersicht. Nimm sie doch mal in deinen nächsten Theaterbesuch mit und versuche die verschiedenen Techniken im Stück wiederzufinden. Einige könntest du auch schon vorher am Text heraussuchen. Weißt du, welche es sind?

Drama – Figurencharakterisierung Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Drama – Figurencharakterisierung kannst du es wiederholen und üben.

  • Beschreibe den Unterschied zwischen Drama und Epik mit Blick auf die Figurencharakterisierung.

    Tipps

    Stelle dir eine Aufführung eines Theaterstücks vor. Worauf basiert diese?

    Wie nennt man zum Beispiel Laura Langweilig, wenn man es als stilistisches Mittel analysiert?

    Lösung
    1. Der Zweck epischer Texte ist ein völlig anderer als der von Dramen. Deshalb gibt es in der Epik fast immer eine/-n Erzähler/-in, der/die das Geschehen vermittelt und damit einen großen Teil zur Figurencharakterisierung beiträgt.
    2. Nebentexte sind in Dramen wichtig, da sie Auskunft über die Handlungen der Figuren geben oder andere figurenbezogene Auskünfte geben.
    3. Manchmal charakterisieren Figuren sich auch in der Figurenrede selbst, zum Beispiel, wenn eine Figur Immer bin ich so emotional! sagt.
    4. Sprechende Namen wie Laura Langweilig können auch ein Mittel der Figurencharakterisierung sein.
  • Definiere die Begriffe auktorial, figural, explizit und implizit im Kontext einer Figurencharakterisierung.

    Tipps

    Explizit bedeutet auch offensichtlich. Hilft dir das bei der Zuordnung?

    In epischen Texten gibt es auch die auktoriale Erzählperspektive. Kannst du damit einen Parallele zum Drama ziehen?

    Lösung

    Figuren können im Drama durch unterschiedliche Mittel charakterisiert werden. Um auch die Art der Figurencharakterisierung beschreiben zu können, sind folgende Begriffe hilfreich:

    1. auktorial, also vom Autor oder von der Autorin gegebene Informationen, die zum Beispiel im Nebentext stehen;
    2. figural, also durch Figuren selbst vermittelte Merkmale. Das können Aussagen, aber auch Handlungen sein;
    3. implizit, also die indirekte Charakterisierung durch unterschiedliche Mittel wie die Namensgebung oder Kontrast oder Korrespondenz zu anderen Figuren;
    4. explizit, also durch Eigen- und Fremdkommentare über die Figuren.
    Diese Arten der Figurencharakterisierung treten oft in Kombination miteinander auf, also zum Beispiel implizit figural oder explizit figural.

  • Ermittle die Art der Figurencharakterisierung in den Beispielen.

    Tipps

    Es werden insgesamt nur zwei Begriffe verwendet.

    Achte auch auf deine Rechtschreibung.

    Lösung

    1. Bei dem ersten Abschnitt handelt es sich um eine explizit figurale Charakterisierung. Paulet charakterisiert hier in „Maria Stuart” die Figur Maria. Das, was er sagt, ist größtenteils negativ und stellt Maria als hinterhältig dar.
    2. Im zweiten Abschnitt siehst du auch eine explizit figurale Charakterisierung. Maria charakterisiert sich allerdings in diesem Abschnitt selbst. Sie sieht sich als elend an und hat Selbstmitleid.
    3. Der dritte und schwierigste Abschnitt ist ein Beispiel für eine implizit figurale Charakterisierung. Der Autor hat mit dem thüringischen Dialekt gearbeitet, um die Figur zu charakterisieren.
    Für eine gründliche Analyse müssen zahlreiche implizite und explizite Charakterisierungen zusammengenommen und zu einer Figurenanalyse zusammengefügt werden. Genauso wie sich Paulet und Maria in ihren Aussagen über ein und dieselbe Figur unterschiedlich äußern, kann es auch in anderen Dramen sein. Auch ein Dialekt allein reicht für einen Analyseaufsatz noch nicht aus.

    Quellen:

    • Schiller, Friedrich (1801): Maria Stuart. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/schiller/stuart/maria.html [abgerufen am 15.06.2015 um 15:16 Uhr]
    • Schlaf, Johannes (1892): Meister Oelze. URL: http://www.zeno.org/Literatur/M/Schlaf,+Johannes/Dramen/Meister+Oelze/1.+Akt [abgerufen am 15.06.2015 um 15:28]

  • Arbeite die impliziten Charakterisierungsmittel in den Abschnitt aus „Meister Oelze” heraus.

    Tipps

    Denke daran, dass es darum geht, wie Figuren etwas sagen.

    Auch das Verhalten kann zur impliziten Charakterisierung gehören.

    Lösung

    In diesem Ausschnitt aus „Meister Oelze” von Johannes Schlaf werden Mariechen und Pauline implizit charakterisiert.

    Beide sprechen im thüringischen Dialekt, aber auch in der Umgangssprache. In einer Analyse könnte das so gedeutet werden, dass sie erstens aus Thüringen kommen oder in Thüringen leben und zweitens der arbeitenden Klasse angehören. Außerdem gehören Regieanweisungen wie seufzt zur impliziten Charakterisierung, da das ausdrückt, dass Pauline betrübt ist.

    Im Gegensatz dazu ist die Regieanweisung nähend nicht einer Charakterisierung zuzuordnen, da es eine neutrale Tätigkeit ist, die damals viele Frauen ausgeübt haben.

  • Gib an, wie Wehrhahn in Gerhart Hauptmanns „Der Biberpelz” charakterisiert wird.

    Tipps

    Hauptmann selbst lieferte Informationen über Wehrhahn mit. Wie nennt man das?

    Lösung

    In Gerhart Hauptmanns „Der Biberpelz” wird der Baron Wehrhahn explizit auktorial charakterisiert.

    Das heißt genauer, dass der Autor die Figur deutlich charakterisiert. Zum Beispiel hat Hauptmann Anweisungen wie Wehrhahn ist gegen 40 Jahre alt und trägt ein Monokel. Seine Amtstracht besteht aus einem schwarzen, zugeknöpften Gehrock und hohen, über die Beinkleider gezogenen Schaftstiefeln. Er spricht nahezu im Fistelton und befleißigt sich militärischer Kürze im Ausdruck eingebaut, die klare Informationen darüber enthalten, wie Wehrhahn aussieht und spricht.

    Auch sprechende Namen können ein Mittel der expliziten auktorialen Charakterisierung sein. So zum Beispiel Gottlieb Biedermann in Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter”. Bieder ist ein altes Wort für rechtschaffend, aber auch langweilig.

  • Ordne der kurzen Figurenanalyse die passenden Textstellen als Belege zu.

    Tipps

    Zweifelmut ist eigentlich ein Widerspruch und drückt auch Sprunghaftigkeit aus. Hilft dir das weiter?

    Lösung

    In Elisabeths Aussage Das Weib ist nicht schwach. Es gibt starke Seelen In dem Geschlecht – Ich will in meinem Beisein Nichts von der Schwäche des Geschlechtes hören ist die Eifersucht gegenüber Maria zu erkennen. Sie beneidet sie um ihre Stärke, möchte jedoch auch selbst nicht auf das schwache Geschlecht reduziert werden. Das kann als implizit figurale Charakterisierung gedeutet werden, da sie mit ihrer Aussage indirekt etwas über ihren eigenen Charakter äußert.

    Burleigh sagt Sie trotzt uns – wird uns trotzen, Ritter Paulet, Bis an die Stufen des Schafotts – Dies stolze Herz Ist nicht zu brechen – Überraschte sie Der Urtelspruch? Saht Ihr sie eine Träne Vergießen? Ihre Farbe nur verändern? Nicht unser Mitleid ruft' sie an. Wohl kennt sie Den Zweifelmut der Königin von England, Und unsre Furcht ist's, was sie mutig macht; und bringt damit zum Ausdruck, wie launisch die Königin ist. Es wird klar, dass es nicht einfach ist, ihr zu dienen. Damit wird sie explizit figural charakterisiert.

    Quelle: Schiller, Friedrich: „Maria Stuart”. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/schiller/stuart/maria.html [abgerufen am 21.07.2015]