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„Der zerbrochene Krug“ – Entstehungsgeschichte (Kleist)

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„Der zerbrochene Krug“ – Entstehungsgeschichte (Kleist)
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Grundlagen zum Thema „Der zerbrochene Krug“ – Entstehungsgeschichte (Kleist)

Ein Kupferstich und ein Dichterwettstreit. Diese zwei Dinge in Kombination waren Auslöser für Heinrich von Kleist, das Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ zu schreiben. Aber was genau war auf dem Kupferstich zu sehen? Und warum hat Kleist ein Lustspiel geschrieben, wo diese literarische Gattung zur damaligen Zeit doch nicht sehr angesehen war? In diesem Video wirst du alles zur Entstehungsgeschichte von „Der zerbochne Krug“ erfahren. Nicht nur die Inspiration zum Werk, auch die persönlichen und zeitgeschichtlichen Umstände werden Dir erläutert. Sei gespannt!

Transkript „Der zerbrochene Krug“ – Entstehungsgeschichte (Kleist)

Es war die Abbildung eines Gerichtsprozesses, die 1802 drei junge Dichter angeblich zu einer Art poetischem Wettkampf inspirierte: Heinrich Zschokke, Ludwig Wieland und Heinrich von Kleist standen in der Schweiz vor dem Kupferstich „Le juge, ou la cruche cassée“, auf deutsch “Der Richter oder Der zerbrochene Krug” von Jean–Jacques Le Veau.

Sie gaben sich die Aufgabe, jeweils in einer anderen Form darüber zu schreiben: Wieland sollte eine Satire daraus machen, Zschokke eine Erzählung und Kleist ein Lustspiel.

Ein Lustspiel war zur damaligen Zeit keine sehr angesehene literarische Gattung, das wusste Heinrich von Kleist. Aber er war von der Darstellung der Gerichtsszene auf dem Kupferstich inspiriert. Er stellte sich der Herausforderung - und schrieb aus heutiger literarischer Sicht seine herausragende Komödie „Der zerbrochene Krug“.

Beim Anblick der dargestellten Gerichts-Szene bot sich Heinrich von Kleist sofort eine Geschichte dar: So schildert er in seiner Vorrede, dass er den „Richter als gravitätisch auf dem Richterstuhl sitzend und den Bauernkerl als sich nur schwach verteidigend“ wahrnahm. Über das Mädchen zwischen Mutter und Bräutigam sagt er: „wer ein falsches Zeugnis abgelegt hätte, könnte nicht zerknirschter dastehen.“

Und dann zieht er den Vergleich, dass der Gerichtsschreiber den Richter misstrauisch von der Seite ansah, „wie Kreon, bei einer ähnlichen Gelegenheit den Ödip.“ Im Ödipus-Gerichtsprozess musste der Kläger erkennen, dass er selbst der Mörder war.

Heinrich von Kleist überlegte sich also eine Vorgeschichte zu der Szene. Er beschloss, im Lustspiel hauptsächlich die Gerichtsverhandlung zu erzählen. Dabei legte er die Spannung nicht darauf, wer der Täter gewesen sein könnte, wie es in anderen Prozess-Dramen der Fall war. Er gewann die Komik aus der Darstellung des sich strafbar gemachten Richters. Durch ständige Improvisation versucht er, die Wahrheitsfindung zu verhindern - eine verkehrte Welt.

Drei Szenen des Entwurfs hat Heinrich von Kleist wohl 1803 seinem Freund Pfuel in Dresden aus dem Kopf diktiert. Abgeschlossen hat er das Lustspiel “Der zerbrochene Krug” erst bei seinem Aufenthalt in Königsberg 1806. Von der Anregung durch den Kupferstich bis zum abgeschlossenen Werk vergingen also ca. vier Jahre.

“Der zerbrochene Krug” hatte es nicht nur durch die Gattung Lustspiel zur damaligen Zeit schwer. Auch ließ das Stück sich wie Kleists andere literarische Werke weder ganz der Romantik noch ganz der Klassik zuordnen. In der Romantik dominierten phantastische bzw. satirische Komödien, in der Klassik moralisierende Theaterstücke.

Heinrich von Kleist gelang mit „Der zerbrochene Krug“ ein Lustspiel voll drastischer Realistik und Anschaulichkeit. Er machte aus dem Stoff eine zu der Zeit ungewöhnliche Komödie ohne Moralisierung und Belehrung, sondern mit komischem Konflikt der Hauptfigur.

Den komischen Konflikt seiner Hauptfigur, gleichzeitig Richter und Täter zu sein, erzählt Kleist dabei mit glänzend beherrschter Technik. Dabei gibt es durchaus moralische Instanzen. Die Komik aber entsteht aus dem Dilemma des Dorfrichters Adam. Der Zuschauer sieht einen armen Tölpel, der ständig improvisieren muss, um nicht auf zu fliegen.

In dem Wettkampf, der angeblich zwischen den drei Dichtern ausgetragen wurde, behauptet zumindest Heinrich Zschokke, erkannt zu haben, dass in Kleist ein Lustspieldichter ersten Ranges steckte. Er schrieb in “Eine Selbstschau” von 1842 über den Wettbewerb: „Kleists 'Zerbrochener Krug' hat den Preis davongetragen.”

2 Kommentare

2 Kommentare
  1. Hallo Pfisterlaura,
    danke für den Hinweis. Unseres Wissens nach gibt es verschiedene Schreibweisen, je nachdem, wo und wann die Komödie veröffentlicht wurde. Die Schreibweise „Der zerbrochene Krug“ ist daher vielleicht unüblicher, aber nicht falsch.
    Viele Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor fast 2 Jahren
  2. Es heisst der ZERBROCHNE KRUG, nicht der zerbrochene Krug

    Von Pfisterlaura, vor fast 2 Jahren
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