Industrielle Revolution – eine Katastrophe für die Umwelt?
Durch die Industrialisierung zogen viele Menschen in wachsende Städte, was zur Versiegelung des Bodens und Verschmutzung von Flüssen führte. Fabriken verstärkten die Luftverschmutzung und Krankheiten breiteten sich aus. Erfahre mehr dazu, wie die Industrialisierung zur Umweltverschmutzung beitrug!
- Die Industrialisierung – eine Katastrophe für die Umwelt?
- Einfluss der Urbanisierung auf die Umwelt
- Einfluss auf Grundwasser, Flüsse und Seen
- Krankheiten als Folge der Wasserverschmutzung
- Einfluss der Industrieanlagen auf die Umwelt
- Wahrnehmung der Umweltbelastungen durch die Bevölkerung
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Lerntext zum Thema Industrielle Revolution – eine Katastrophe für die Umwelt?
Die Industrialisierung – eine Katastrophe für die Umwelt?
Betrachtet man überlieferte Bildquellen vom Ruhrgebiet zu Beginn des 18. Jahrhunderts, dann sieht man darauf vor allem Dörfer, Weiden, grüne Wiesen, weite Felder und große Wälder. Nur ein paar Jahrzehnte später hat sich dieses Bild stark gewandelt. Die Natur ist Industrieanlagen gewichen. Schornsteine, Abgase, große Siedlungen und Fabriken bestimmen die Darstellungen. Die Natur wurde, so scheint es, zurückgedrängt und spielte keine große Rolle mehr in der neuen, industrialisierten Zeit.
Einfluss der Urbanisierung auf die Umwelt
Aufgrund der Industrialisierung zogen immer mehr Menschen vom Land in die durch die Industrien stark wachsenden Städte. Dieser Vorgang nennt sich Urbanisierung, da immer mehr Land urban, also städtisch, erschlossen wurde. Das bedeutete natürlich auch, dass immer mehr Natur verschwand und in Siedlungsgebiet umgewandelt wurde. An manchen Orten im Ruhrgebiet versechzehnfachte sich beispielsweise die Einwohnerzahl – und das in nur wenigen Jahren.
Einfluss auf Grundwasser, Flüsse und Seen
Der Boden wurde durch den schnellen Siedlungsbau versiegelt und somit für Wasser, zum Beispiel Regen, weniger durchlässig. Das hatte und hat auch heute noch großen Einfluss auf das Grundwasser. Gleichzeitig benötigten immer mehr Bewohner der Städte immer mehr Wasser.
Zusätzlich zum Absinken der Grundwasserstände produzierten die stark wachsenden Städte und die immer größer werdende Bevölkerung wesentlich mehr Abwässer, Schmutz und Müll. Diese wurden in der Regel durch Kanäle in die stadtnahen Gewässer geleitet oder aufgrund von noch nicht ausgebauten Kanalisationen auf die Straßen und Gehsteige geschüttet. Sie verseuchten so die Gewässer und das Grundwasser zunehmend.
Dies führte zu katastrophalen hygienischen Bedingungen und zahlreichen Krankheiten in der Bevölkerung, da ja gleichzeitig immer mehr Wasser gebraucht wurde. Auch konnten vor allem kleinere Flüsse nicht mehr als Trinkwasservorräte genutzt werden, da sie häufig zu stark verunreinigt waren.
Krankheiten als Folge der Wasserverschmutzung
In ganz Deutschland gab es in den Großstädten und den Arbeitersiedlungen immer wieder Cholera- und Typhusepidemien. Beide Krankheiten werden durch Bakterien im Trinkwasser übertragen.
In Hamburg beispielsweise wütete 1892 eine verheerende Choleraepidemie mit nahezu 9 000 Toten, die auf einem warmen Sommer, niedrigen, verunreinigten Wasservorräten und schlechten hygienischen Umständen, zum Beispiel Gemeinschaftstoiletten ohne Anschluss an eine Kanalisation, basierte. Gleichzeitig kam hier die durch die rasant angestiegene Bevölkerung der Stadt enge Bebauung und die räumliche Nähe hinzu, die die Epidemie schlimmer als bei vorherigen Wellen ausfallen ließ.
Die Urbanisierung infolge der Industrialisierung nahm also direkten Einfluss auf die Umwelt. Und obwohl die Entwicklungen der Industrialisierung besonders im Bereich der Medizin und der alltäglichen Technik große Neuerungen gebracht hatten, sorgte die Urbanisierung als unmittelbare Folge der Industrialisierung für eine starke negative Beeinflussung der Natur und somit auch der Lebenserwartung der städtischen Bevölkerung.
Einfluss der Industrieanlagen auf die Umwelt
Neben den Menschen, die der Industrie in die Städte folgten, hatten natürlich auch die Industrieanlagen selbst einen großen Einfluss auf die Umwelt. Der Energiebedarf der Fabriken, Kokereien, Stahlwerke, des Tagebaus und der weiteren Anlagen war enorm, dieser wurde in der Regel durch Kohle oder deren Nebenprodukte gedeckt. Es kam zu einer enormen Belastung der Luft durch die Abgase der Industrie. Rauchende Schlote kennzeichneten inzwischen das Stadtbild, beispielsweise im Ruhrgebiet. Hier war die Luft in den Städten und Fabriken selbst teilweise so schlecht, dass ständiger Nebel aus Rußpartikeln und Kohlestaub in der Luft lag. Sogenannte Flugasche verdreckte Wohnungen und ganze Städte. Zudem waren diese Luftverschmutzungen natürlich extrem gesundheitsschädlich.

Da es keinerlei Arbeitsschutz gab, waren die Arbeiter dem Schmutz unmittelbar ausgesetzt. Lungenerkrankungen waren keine Ausnahme, sondern eine Regel. Um die Städte, die direkt an den Industrieanlagen lagen, besser vor den Verunreinigungen zu schützen, waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts höhere Schornsteine verpflichtend geworden. Dadurch wurde die Luft in unmittelbarer Nähe zwar besser, die Abgase wurden aber weiter weg transportiert und verunreinigten so noch weitere Teile der Landschaft. Gleichzeitig leiteten die Industrien ihre Abwässer jeder Art ebenfalls in die nahen Gewässer. Viele Flüsse in Deutschland sind so auf viele Jahrzehnte hinweg so stark verschmutzt worden, dass eine Rückführung zu einem normalen Ökosystem nur sehr langsam vonstattengeht.
Wahrnehmung der Umweltbelastungen durch die Bevölkerung
Die Umweltverschmutzung als Folge der Industrialisierung wurde von den Menschen bereits früh wahrgenommen. Sie sahen die Umstände, Rauch und Gestank, allerdings als Übel der neuen Kultur an, das man wohl hinzunehmen hätte. Das Wissen über die Folgen der Verunreinigungen war sehr gering. Es gab noch keine sicheren Messmethoden oder wissenschaftliche Erkenntnisse. Trotzdem klagten immer mehr Anwohner von Fabriken gegen deren Betreiber, da ihnen die Belästigungen und Gefahren doch zu viel wurden.
Für die Unternehmer war der Schutz der Umwelt, des Menschen und der Natur vor allem ein Kostenfaktor. Da es keine gesetzlichen Vorschriften, zum Beispiel zu Filteranlagen oder zur Entsorgung der Schadstoffe und Abwässer, gab, handelten sie meist nur im Sinne der eigenen Finanzen. Es dauerte lange, bis ein Umdenken stattfand und die Wirtschaftlichkeit nicht immer oberste Priorität hatte.
Durch die zunehmende Elektrisierung verbesserte sich die Luft in den Städten zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder. Die Verschmutzung der Umwelt wurde dadurch aber nur in andere Orte verlegt, da die Energie für die Elektromotoren ja weiterhin durch Kohle gewonnen wurde.
Die aktuelle Klimakrise als Folge der industrialisierten Welt?
Die Industrialisierung war der wohl stärkste Eingriff des Menschen in die Natur. In etwa 150 Jahren wurden über Jahrtausende gewachsene Ökosysteme verändert, beschädigt und zu großen Teilen zerstört. Die Auswirkungen sind heute noch deutlich sichtbar und spürbar, zum Beispiel durch zerstörte Ökosysteme, ausgetrocknete Seen und Flüsse sowie Smog in den Großstädten, also eine beständige Nebelglocke aufgrund von Feinstaub und Abgasen.
Zudem war die Industrialisierung für den explosionsartigen Anstieg des Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich. Diese lösen letztlich den anthropogenen Klimawandel aus: Die rasant fortschreitende Erderwärmung basiert auf den ausgestoßenen Treibhausgasen und ist dementsprechend als Folge der Industrialisierung weltweit zu betrachten. Auch die Tatsache, dass lange Zeit nur die Wirtschaftlichkeit und nicht der Umweltschutz im Vordergrund standen, findet sich bereits im 19. Jahrhundert wieder.
Umwelt und Industrielle Revolution – Zusammenfassung
- Die Urbanisierung, eine direkte Folge der Industrialisierung, sorgte für eine starke Beeinflussung der Natur. Der Grundwasserspiegel sank infolge des hohen Bauaufkommens, Flüsse wurden zu Abwässern.
- Folgen der zunehmenden Wasserverschmutzung waren Infektionserkrankungen und katastrophale hygienische Bedingungen.
- Flüsse, wie zum Beispiel die Emscher, wurden ihres ökologischen Systems vollständig beraubt.
- Die Industrieanlagen sorgten für starke Luftverschmutzungen durch Rußpartikel, Flugasche und anderen Staub.
- Schutz der Menschen und der Natur spielten lange keine Rolle. Diese widersprachen oft der Wirtschaftlichkeit der Fabriken.
- Der anthropogene Klimawandel und die Erderwärmung sind vor allem auf den hohen Ausstoß der Treibhausgase seit der Industrialisierung zurückzuführen.
Industrielle Revolution – eine Katastrophe für die Umwelt? Übung
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Gib wieder, was der Begriff Urbanisierung bezeichnet.
TippsDas Wort urban bedeutet „städtisch". Überlege, welche Antworten zu dieser Wortbedeutung passen.
Achte genau auf die Richtung von Ursache und Folge: Was war zuerst da – die Fabriken oder die wachsenden Städte?
LösungUrbanisierung bezeichnet den Zuzug der Menschen in die Städte und die zunehmende städtische Erschließung von Land – dabei wurde Natur in Siedlungsgebiet umgewandelt (Antworten 1 und 3). Das Ausmaß zeigt sich am Ruhrgebiet, wo sich die Einwohnerzahl mancher Orte in kurzer Zeit versechzehnfachte (Antwort 6).
Falsch sind: Antwort 2 (die Wanderungsrichtung verlief vom Land in die Stadt, nicht umgekehrt), Antwort 4 (die Urbanisierung war eine Folge der Industrialisierung, nicht ihre Ursache) und Antwort 5 (nicht die Landwirtschaft, sondern Industrie und Siedlungsbau beanspruchten die Flächen).
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Beschreibe, wie die Industrieanlagen die Luft belasteten.
TippsÜberlege, welcher Rohstoff im 19. Jahrhundert die wichtigste Energiequelle der Industrie war, besonders in Bergbaugebieten.
Zwei Begriffe aus der Wortbank bleiben übrig. Prüfe bei jedem Einsetzen, ob die Aussage historisch wirklich stimmt – nicht nur, ob der Satz gut klingt.
LösungDie Industrie deckte ihren enormen Energiebedarf durch das Verbrennen von Kohle. Dabei entstanden große Mengen an Abgasen, die die Luft der Industriestädte dauerhaft belasteten. Weil es keinerlei Arbeitsschutz gab, waren die Arbeiter dem Ruß direkt ausgesetzt, weshalb Lungenerkrankungen unter ihnen die Regel waren. Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts verpflichtenden höheren Schornsteine lösten das Problem nicht, sondern verteilten die Abgase und die Ruß- und Staubteilchen nur über größere Gebiete.
Diese beiden Distraktoren passen in keine Lücke: Feste Arbeitszeiten gab es auch damals schon, Erdöl war aber nicht der Energieträger der damaligen Industrie.
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Beurteile aus der jeweiligen Perspektive, wem die folgenden Aussagen zuzuordnen sind.
TippsFrage bei jeder Aussage: Wo begegnet diese Person der Verschmutzung? Im Betrieb, im eigenen Haushalt oder in den Geschäftsbüchern?
Eine der drei Personen befindet sich in einem Zwiespalt: Sie leidet unter der Fabrik und ist zugleich auf sie angewiesen.
Überlege, wer damals überhaupt einen Grund und die Möglichkeit hatte, gegen einen Fabrikbetreiber zu klagen.
LösungDer Fabrikbesitzer denkt aus wirtschaftlicher Perspektive: Filteranlagen sind für ihn ein reiner Kostenfaktor, kein Gesetz verpflichtet ihn dazu, und die rauchenden Schlote gelten ihm womöglich als Zeichen erfolgreicher Produktion.
Der Fabrikarbeiter erlebt die Verschmutzung direkt am Arbeitsplatz – er atmet ohne jeden Arbeitsschutz Ruß ein. Er ist aber zugleich vom Lohn der Fabrik abhängig und steckt damit in einem Dilemma.
Die Anwohnerin ist der Verschmutzung in ihrem Alltag ausgesetzt: Flugasche verdreckt ihre Wäsche, das Brunnenwasser ist durch Abwässer verseucht, und wie einige Anwohner damals zieht sie vor Gericht.
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Erkläre den Zusammenhang zwischen der Industrialisierung und dem heutigen Klimawandel.
TippsEin gesuchtes Wort ist ein Fremdwort und bedeutet „vom Menschen verursacht“. Direkt neben der Lücke steht bereits ein Hinweis auf seine Bedeutung.
Achte bei der letzten Lücke darauf, was für die Unternehmer des 19. Jahrhunderts an erster Stelle stand.
LösungIn nur rund 150 Jahren zerstörte die Industrialisierung über Jahrtausende gewachsene Ökosysteme. Gleichzeitig stieg der Ausstoß von Treibhausgasen sprunghaft an – und genau diese Gase treiben die Erderwärmung voran. Weil der Mensch diesen Wandel verursacht, spricht man vom anthropogenen (menschengemachten) Klimawandel. Dass dabei lange nur die Wirtschaftlichkeit zählte und nicht der Umweltschutz, ist ein Denkmuster, das bereits im 19. Jahrhundert angelegt wurde.
Diese drei Distraktoren passen nicht: Gebirge wurden durch die Industrialisierung nicht direkt beeinflusst, Ökologie spielte für die Menschen im 19. Jahrhundert normalerweise noch keine große Rolle, und natürlich ist das genaue Gegenteil der gesuchten Eigenschaft des heutigen Klimawandels.
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Beschreibe die Folgen der Industrialisierung für Gewässer und Luft.
TippsAuf welchem Weg schadet die jeweilige Folge den Menschen – über das, was sie trinken, oder über das, was sie einatmen?
Eine Folge nennt eine Krankheit. Überlege, welches Organ betroffen ist und womit dieses Organ in Kontakt kommt.
LösungZu den Folgen für das Wasser gehören das Absinken des Grundwasserspiegels durch Bodenversiegelung und steigenden Verbrauch, die Verwandlung der Flüsse in Abwasserkanäle durch eingeleitete Abwässer sowie die Verseuchung der Trinkwasservorräte, wodurch besonders kleinere Flüsse als Trinkwasserquelle unbrauchbar wurden.
Zu den Folgen für die Luft zählen der ständige Nebel aus Kohlestaub und die schwebenden Rußpartikel über den Industriestädten, die Flugasche, die Wohnungen und Straßen verdreckte, sowie die Lungenerkrankungen der Arbeiter, die den Schmutz in der Luft ungeschützt einatmeten.
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Beurteile den Brief kritisch, indem du Tatsachenbehauptungen von Wertungen unterscheidest.
TippsEine Tatsachenbehauptung könnte man überprüfen, indem man hinsieht oder nachmisst. Eine Wertung sagt, wie der Verfasser etwas findet. Sie lässt sich nicht beweisen, nur teilen oder ablehnen.
Achte auf bewertende Wörter wie Schande, anständig oder schändlich. Sie verraten die Meinung des Verfassers.
LösungGrün (Tatsachenbehauptungen) markiert alle Aussagen, die sich grundsätzlich überprüfen lassen; durch Beobachtung, Zeugen oder Nachmessen, unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr sind:
- Seit dem Bau der neuen Kokerei liegt über unserer Straße Tag und Nacht schwarzer Rauch.
- Auf den Fensterbänken sammelt sich jeden Morgen eine Schicht aus Asche und Kohlestaub.
- Mein jüngster Sohn hustet seit Monaten – der Arzt spricht von einem Lungenleiden.
- Der Fabrikherr hat bis heute keine einzige Filteranlage eingebaut.
- Dieser Qualm ist eine Schande für unsere ganze Stadt.
- Kein anständiger Mensch kann unter solchen Umständen leben wollen.
- Das ist nichts als schändlicher Geiz auf Kosten unserer Gesundheit.
- Ein Fortschritt, der die Menschen krank macht, verdient diesen Namen nicht.
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