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„Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare) 05:08 min

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Transkript „Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare)

Shakespeare ist einer der berühmtesten Dramatiker weltweit und "Ein Sommernachtstraum" eines der meistgespielten Stücke der Theatergeschichte. Es gilt als absoluter Klassiker. Neben Laientheaterinszenierungen, wie z. B. in Schulen, gibt es zahlreiche Adaptionen in Musik und Film, aber auch Nachdichtungen, Ballette und Opern. Das liegt daran, dass die angesprochenen Themen die Menschen berühren und viele Interpretationsmöglichkeiten eröffnet werden. Das Stück lässt seine eigene Bedeutung in der Schwebe und liefert diese nicht in klaren Worten mit. Der Epilog zeigt die Figur Droll bzw. Puck, wie er vor dem Publikum eine Verbeugung macht. Er bittet darum, falls das Stück nicht gefallen habe, dieses als einen Traum zu betrachten. Träume können wohl als Schäume gelten. Vielleicht dachte Shakespeare an ein Publikum von Zetteln, als er es mit dem Hinweis auf die Belanglosigkeit des Stückes hinterrücks auslachte. Denn dieser Hinweis steht im krassen Gegensatz zu dem Stolz auf dichterische Meisterschaft, der diesem Stück über künstlerisches Laientum und Versagen innewohnt. Man kann "Ein Sommernachtstraum" auch psychologisch deuten und in diesem Stück eine Vorwegnahme der Psychologie Sigmund Freuds erkennen. Der scheinbar harmlose Ausflug der Menschen in die fantastische Welt der Elfen und Kobolde hat es in sich. Das Stück hat eine dunkle, unheimliche Seite. Zwei menschliche Liebespaare verirren sich im Wald. Sie sind einer beängstigenden Verwirrung der Gefühle und Leidenschaften ausgesetzt. Die Beteiligten können sich dieser Gefühlsverwirrung nicht entziehen, denn sie ist das Ergebnis des Wirkens einer höheren, stärkeren Macht. Sie legen ihr zivilisiertes und kultiviertes Ich Stück für Stück ab. Wiederholt und plötzlich wechseln sie die Partner. Wiederholt und plötzlich schlägt Begehren in Abscheu um und Abscheu in Begehren. Oberon versucht durch Zauberei Titania den von ihr begehrten indischen Prinzen wegzunehmen. Diese gibt sich später liebestrunken und wie von Sinnen einem Esel hin. Im Wald der Magie enthemmt der Zauber Drolls die Gefühle, die Leidenschaften und die Sexualität. So wird der Wald zur Metapher für den Traumzustand des Menschen. Im Traum zeigen sich die verschiedenen Triebe und Verlangen des Menschen, genauer: des sogenannten "Es" der menschlichen Psyche. Ein weiterer Teil der menschlichen Psyche nach Freud ist das "Ich". Die Triebe sind im Traum von der vernünftigen Kontrolle des wachen "Ich" befreit. Daher bereiten die Träume uns Lust, aber auch Schrecken. Es ist also nicht überraschend, dass der Weber Zettel nach seinem Aufwachen nicht die richtigen Worte für sein nächtliches Erleben findet. Shakespeare integriert in sein Stück die Aufführung eines zweiten Stücks, das von Laien aufgeführt wird. Was will er uns damit sagen? Das Theater ist eine Fantasie und Illusion, an der der Zuschauer bewusst und schöpferisch teilhaben kann. Zu den bekanntesten Adaptionen des Stücks gehört die Oper "The Fairy Queen" von Henry Purcell aus dem Jahre 1692. Ebenso "Le Songe d'une nuit d'été" von Ambroise Thomas aus dem Jahre 1850 und "A Midsummer Night's Dream" von Benjamin Britten aus dem Jahre 1960. Sehr bekannt wurden auch die Schauspielmusiken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Orff. Das Stück gilt außerdem als Vorlage für diverse literarische Texte, z. B. "Der Park" von Botho Strauß aus dem Jahr 1983 und "The Sandman - Dream Country" von Neil Gaiman aus dem Jahre 1991. William Dieterle und Max Reinhardt haben den Stoff im Jahre 1935 verfilmt. Eine neuere Filmversion stammt aus dem Jahre 1999 von Michael Hoffman. Schau dir doch gleich mal einen davon an und vergleiche mit Shakespeares Text!

„Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Ein Sommernachtstraum“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Shakespeare) kannst du es wiederholen und üben.

  • Beschreibe einen psychoanalytischen Interpretationsansatz für das Stück.

    Tipps

    Wald und Stadt lassen sich in dem Stück als Gegensatzpaar verstehen. Die Stadt steht z. B. für Zivilisation, Vernunft, Verstand und gesellschaftliche Normen.

    Lösung

    In dem Stück „Ein Sommernachtstraum“ geht es um Triebe, Leidenschaften, Emotionen, Affekte, Unbewusstes, Zuneigung, Hass, Rache, Neid, Eifersucht, Treue, Verrat und so weiter. Es wird gezeigt, dass alle Menschen diese Affekte besitzen, wenn auch verborgen unter der Oberfläche eines scheinbar zivilisierten und kultivierten Ichs:

    • In der Gesellschaft der Stadt geben die Regeln und Normen des Alltags und Zusammenlebens diesen Affekten bestimmte Grenzen. Auch daher wählte Shakespeare den Wald als Metapher für das Unbewusste, für unsere Triebe.
    • Der Wald als Gegensatz zur Stadt steht analog zu den Gefühlen und Trieben im Gegensatz zur Vernunft. Im Wald hausen unbekannte, unkontrollierbare Mächte; im Wald schlafen die Leute und träumen. Im Schlaf ist die Vernunft ausgeschaltet und lässt so die Triebe unkontrolliert in Traumbildern hervorbrechen.

  • Nenne die zahlreichen Adaptionen, die es zu dem Stück gab.

    Tipps

    Das Stück wird bis heute international adaptiert: In der englischen und französischen Oper, in der deutschen klassischen Musik, im amerikanischen Film, in der zeitgenössischen europäischen und amerikanischen Literatur.

    Lösung

    „Ein Sommernachtstraum“ gehört mit zu den besten von Shakespeares Stücken. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass es häufig adaptiert und verarbeitet wurde. Schon kurz nach seinem Erscheinen gab es viele kritische, aber vor allem wohlgesonnene Stimmen, die die Themen und Motive für sich fruchtbar machen konnten.

    • So schrieben im Bereich der Oper Henry Purcell, Ambroise Thomas und Benjamin Britten geachtete Kompositionen.
    • In der komponierten Schauspielmusik verarbeiteten Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Orff die Themen zu Musik.
    • Moderne literarische Adaptionen waren beispielsweise „Der Park“ vom deutschen Wendeschriftsteller Botho Strauß sowie der Comic „The Sandman“ von Neil Gaiman.
    • Außerdem finden wir die beiden Verfilmungen von William Dieterle und Max Reinhardt aus dem Jahr 1935 und von Michael Hoffman von 1999.

  • Erkläre, welche Funktion die Schlussszene mit Droll hat.

    Tipps

    In der literarischen Tradition hat es häufig Figuren gegeben, die eine bestimmte Interpretationsweise vorgegeben haben. Die Bedeutung eines Textes sollte so eingeschränkt und festgelegt werden.

    Lösung

    Shakespeares Stücke waren darauf ausgelegt, die Bedürfnisse unterschiedlicher Stände zu befriedigen:

    • die Bedürfnisse der Oberen und Adligen mit versteckten und gelehrten Anspielungen und meisterliche Plots, philosophischen Fragestellungen und moralischen Problemen und
    • die des niederen Volkes durch Spannung und Unterhaltung.
    Um auch dem Volk unterhaltend die Bedeutung des Stoffes nahezubringen, bediente sich Shakespeare häufig Bildern, Metaphern und Vergleichen, die intuitiv zu erfassen waren. Mit der Rede Drolls gibt er am Ende des Stückes eine Interpretationsrichtung vor: Das Stück kann als Ausflug in das eigene Gehirn gesehen werden. Die auftauchenden Fantasiegestalten sind nicht unbedingt wirklich, sondern stehen für die unbekannten Mächte, denen die Menschen und menschlichen Triebe ausgeliefert sind. Damit werden den Menschen der damaligen Zeit Bilder an die Hand gegeben, mit denen sie ihre Affekte beschreiben und begreifbar machen können.

  • Analysiere das folgende Zitat aus einem Text zum Unbewussten.

    Tipps

    Die Begriffe des Ich und des Es sind Erfindungen von Sigmund Freud: Sie stellen das Bewusste und das Unbewusste dar.

    Lösung

    In seiner revolutionären Schrift „Das Ich und das Es“ erfand Sigmund Freud praktisch die Psychologie als Wissenschaft. Darin behauptete er, dass jeder Mensch unter dem bewussten und abrufbaren Geistesapparat und Erinnerungsvermögens einen Schatz an unbewussten und vorbewussten Bildern, Trieben, Bedürfnissen etc. hat. Dieses Unbewusste nannte er das Es, denn es ist unpersönlich, unreflektiert: Es sind animalische Triebe und Bedürfnisse wie der Fortpflanzungstrieb, die durch das Ich gesteuert und kontrolliert, aber nicht ausgeschaltet werden können.

    Dabei geht er so weit zu sagen – und das zeichnet ihn aus – dass eigentlich nicht mal das Ich das Es steuert, sondern das das Ich nur eine Reflexion des Es ist, eine Maske, die dem Menschen vorspiegelt, sich in der Kontrolle seiner Affekte zu befinden: Wie ein Reiter die Zügel zwar in der Hand hält, aber eigentlich sein Pferd ihn hinträgt, wo es will.

    Freud ist der Begründer der Tiefenpsychologie. Er hat zu seiner Zeit viel Forschung über das Traum- und Schlafverhalten des Menschen angestellt. Denn im Schlaf ist das Bewusstsein, das Ich, weitestgehend ausgeschaltet; die Triebe des Es können daher besser hervordringen – beispielsweise in Traumbildern.

    Quelle: Freud, Sigmund (1975): Das Ich und das Es. S. 13.

  • Beschreibe, welche Funktion das Theater im Theater haben könnte.

    Tipps

    Das Stück im Stück ist ein Spiegel zum eigentlichen Stück Shakespeares: Es lässt den Unterschied zwischen Laientum und Professionalität herausstechen.

    Lösung

    Die Handwerker führen am Ende des Stückes „Ein Sommernachtstraum“ mit dem wiedergefundenen Zettel das Stück „Pyramus und Thisbe“ auf. Dabei verzetteln sie sich jedoch derart, dass sie aus der Tragödie eine Komödie machen. Ihre Unprofessionalität steht in starkem Kontrast zur dramatischen Meisterleistung Shakespeares.

    Nun können wir gewisse Analogien zwischen dem Stück und der Realität ziehen: Etwa indem wir feststellen, dass auch Shakespeares Publikum vorwiegend ungebildete, laienhafte Handwerker waren. Macht sich Shakespeare also über sein Publikum lustig, die wohl nur die Hälfte der Komplexität des Stückes verstanden hatten? Andererseits ist das Theater offen für jeden: Durch die Inszenierung der Handwerker wird das Feld des Theaters auch für normale Menschen aus dem Volk eröffnet, die sich künstlerisch betätigen wollen, auch wenn letztendlich ihre Kunst aus einer Tragödie eine Komödie macht.

  • Ordne die Verfasser der Adaptionen des Stücks den verschiedenen Jahrhunderten zu, in denen die Adaptionen entstanden.

    Tipps

    Je länger die Veröffentlichung des Werkes zurückliegt, desto häufiger wurde es adaptiert: Im 17. Jahrhundert einmal, im 19. Jahrhundert zweimal, im 20. Jahrhundert sechsmal.

    Lösung

    Zu allen Zeiten wurde Shakespeare rezipiert und weiterverarbeitet:

    • Eine zeitnahe Adaption findet sich dabei bei Henry Purcell, der 1692 den Ruhm Shakespeares mit der Oper „The Fairy Queen“ vermehrte.
    • Im 18. Jahrhundert wurde Shakespeare zunehmend auch von deutschen Autoren und Intellektuellen wahrgenommen, unter anderem von Lessing, Goethe und Herder.
    • Das 19. Jahrhundert brachte die Romantiker hervor, und auch sie taten sich gütlich an den Stücken Shakespeares, so z. B. die Musikkomposition von Felix Mendelssohn-Bartholdy und die Oper des Franzosen Ambroise Thomas.
    • Im 20. Jahrhundert stieg die Rezeption in allen Kunstrichtungen stark an. Das neue Medium des Films brachte schon 1935 eine Verfilmung von Max Reinhardt und William Dieterle; 1999 folgte eine moderne Adaption des Regisseurs Michael Hoffman.
    • Mit Botho Strauß' Buch „Der Park“ aus dem Jahr 1983 und dem Comic „The Sandman“ von Neil Gaiman hielt „Ein Sommernachtstraum“ Einzug in die Literatur.
    Außerdem bekannt sind die Oper von Benjamin Britten aus dem Jahr 1960 und Carl Orffs Vertonung, an der er etliche Jahrzehnte arbeitete.