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Brennnessel und Taubnessel

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Roland Hesse
Brennnessel und Taubnessel
lernst du in der Unterstufe 1. Klasse - 2. Klasse - 3. Klasse - 4. Klasse

Grundlagen zum Thema Brennnessel und Taubnessel

Inhalt

Brennnessel und Taubnessel – Biologie

Du berührst die Pflanze nur ganz leicht und schon beginnt es auf der Haut zu brennen. Die Brennnessel trägt ihren Namen nicht umsonst. Vielleicht hast du auf diese Weise auch schon einmal Bekanntschaft mit der Pflanze gemacht, die sich Urtica dioicaGroße Brennnessel nennt. Doch die Pflanzenbestimmung ist hier auf den ersten Blick gar nicht so leicht. Aber welche Pflanze sieht der Brennnessel ähnlich? Tatsächlich gibt es eine der Brennnessel sehr ähnliche Pflanze, sie heißt Lamium album – die Weiße Taubnessel.

Zwischen der Taubnessel und der Brennnessel besteht also Verwechslungsgefahr. Aber ist die Taubnessel mit der Brennnessel verwandt? Und welche Besonderheiten hat die Brennnessel? Antworten auf diese Fragen und weitere Informationen zu der Taubnessel und der Brennnessel findest du im folgenden Text.

Wie sieht die Taubnessel aus? Und wie sieht die Brennnessel aus?

Brennnessel oder Taubnessel? Auf dem folgenden Bild kannst du beide Pflanzen direkt miteinander vergleichen und findest vielleicht schon einige erste feine Unterscheidungsmerkmale.

Blütezeit Taubnessel Brennnessel einfach erklärt, Taubnessel giftig

Um die beiden sich ähnelnden Pflanzen unterscheiden zu können, stellen wir ihre Besonderheiten in einem Steckbrief zur Brennnessel und Taubnessel gegenüber:

Steckbrief Taubnessel Steckbrief Brennnessel
Artname Weiße Taubnesssel (Lamium album) Große Brennnessel (Urtica dioica)
Familie Lippenblütler (Lamiaceae) Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Lebensdauer mehrjährig mehrjährig
Standort → Auf stickstoffreichen Böden
→ Schattig
→ An Wald- und Wegrändern
→ In Hecken und Gebüschen
→ Auf stickstoffreichen Böden
→ Schattig
→ An Wald- und Wegrändern
→ In Hecken und Gebüschen
Wuchshöhe 20 bis 50 cm 50 bis 150 cm
Blütezeit von April bis Oktober von Juli bis Oktober
Blüte → Zwittrig (männliche Staubblätter und weibliche Fruchtblätter auf einer Pflanze)
→ Quirlig an der Blattachse
→ Lippenblüten
→ Zweihäusig (männliche und weibliche Pflanzen)
→ Quirlig an der Blattachse
→ Weibliche Blüte hängend, traubenförmig
→ Männliche Blüte stehend
Stängel → Vierkantig
→ Behaart
→ Kantig
→ Mit Brennhaaren besetzt
Blätter → Sie stehen gekreuzt gegenständig.
→ Ei- bis herzförmig
→ Hellgrün
→ Gesägter Blattrand
→ Sie stehen gekreuzt gegenständig.
→ Oval geformt
→ Dunkelgrün
→ Gesägter Blattrand
Verwendung → Heilpflanze (essbar) → Fasern
→ Heilpflanze (essbar)
→ Tierfutter
Besonderheit intensiver Geruch Brennhaare mit Nesselgift, die bei Berührung abbrechen

Brennnessel oder Taubnessel? – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Nach der Gegenüberstellung im Steckbrief wird deutlich, dass es zwar einige Gemeinsamkeiten gibt, aber auch große Unterschiede, die hier noch einmal zusammengefasst werden:

Gemeinsamkeiten von Brennnessel und Taubnessel

  • Beide Pflanzen wachsen an gleichen Standorten und haben somit die gleichen Lebensansprüche. Sie bevorzugen den Schatten und fühlen sich besonders am Waldrand, zum Beispiel entlang eines Wegs, wohl. Auch zwischen Hecken und an Zäunen sind sie häufig zu finden.
  • Sowohl Taubnessel als auch Brennnessel gehören zu den Zeigerpflanzen für Stickstoff. Das heißt, sie wachsen gerne auf Böden mit hohem Stickstoffanteil.
  • Sie wachsen bevorzugt auf humosen, feuchten Böden. Als Humus bezeichnet man einen Boden aus abgestorbenen organischen Substanzen, der reich an Nährstoffen ist.
  • Der Aufbau der Pflanzen ist auf den ersten Blick sehr ähnlich und auch die grünen, gesägten Blätter sehen fast identisch aus.
  • Taubnessel und Brennnessel können als Heilpflanzen verwendet werden und sind essbar. Taubnesseln werden gerne als Tee bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Die Brennnessel wirkt harntreibend, aber auch schmerzstillend und entzündungshemmend.
  • Beide Pflanzen sind mehrjährig, das heißt, sie erscheinen mehrere Jahre am gleichen Standort.
  • Sowohl die Brennnessel als auch die Taubnessel vermehren sich durch Rhizome (Wurzelausläufer) und durch die Ausbildung von Samen.

Was ist der Unterschied zwischen Taubnessel und Brennnessel?

  • Die Brennnessel ist deutlich größer als die Taubnessel.
  • Der Blütenaufbau: Die weißen Blüten der Taubnessel sind auffälliger und blühen länger als jene der Brennnessel. Zudem sind sie unterschiedlich geformt.
  • Der spürbare Unterschied sind die Brennhaare der Brennnessel. Aber was verursacht das Brennen bei Brennnesseln? Berührt man die Blätter der Brennnessel, sticht die Spitze ihrer Brennhärchen in die Haut und bricht ab. Eine Flüssigkeit tritt aus, die dann das bekannte Brennen auf der Haut auslöst.
  • Die Brennnessel ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Taubnessel dagegen ist zwittrig. In ihrer Blüte findet man sowohl das weibliche als auch das männliche Geschlecht.
  • Außerdem gehören sie zu unterschiedlichen Pflanzenfamilien und sind demnach nicht miteinander verwandt.

Nun sollte es dir nicht mehr allzu schwerfallen, die beiden Pflanzen mit ähnlichem Aussehen und Namen zu unterscheiden. Schau sie dir beim nächsten Waldspaziergang doch einmal genauer an.

Dieses Video

In diesem Video lernst du die Brennnessel und die Taubnessel kennen. Dabei wird dir erklärt, in welchen Merkmalen sich die Große Brennnessel und die Weiße Taubnessel voneinander unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten sie haben. Beide Arten sind an denselben Standorten zu finden. Woran kann das wohl liegen? Und warum brennt es, wenn du die Brennhaare der Brennnessel berührst?

Im Anschluss an das Video und diesen Text findest du Übungsaufgaben und Arbeitsblätter zum Thema Brennnessel und Taubnessel, um dein neues Wissen zu überprüfen. Viel Spaß!

Häufige Fragen zum Thema Brennnessel und Taubnessel

Welche Pflanze sieht der Brennnessel ähnlich?
Ist die Taubnessel mit der Brennnessel verwandt?
Was ist der Unterschied zwischen Taubnessel und Brennnessel?

Transkript Brennnessel und Taubnessel

Hallo, heute habe ich zwei Pflanzen ausgewählt, die sich zwar ähneln, aber dennoch verschiedenen Pflanzenfamilien angehören. Ihr kennt sie sicherlich: Es ist die große Brennnessel und die Weiße Taubnessel. Der Nachname Nessel lässt vermuten, dass sie miteinander verwandt sind und in die gleiche Gruppe gehören. Dem ist aber nicht so. Meine Ziele sind euch beide Pflanzen vorzustellen und sie zu vergleichen. Anhand des Vergleiches werden wird die Zuordnungen begreifen. Beide Exemplare fand ich am gleichen Standort in Gemeinschaft. Sie wuchsen am Waldrand entlang eines Weges, hier im Foto ersichtlich. Demnach haben beide fast die gleichen Lebensansprüche und ich will schon verraten, dass sie den Schatten der Bäume mögen und mit wenig Sonne auskommen. Die große Brennnessel ist eine 50 bis 150 cm große Pflanze mit kriechenden Rhizom. Sie ist weit verbreitet, zweihäusig und mehrjährig. Das heißt, sie erscheint mehrere Jahre am gleichen Standort. Einjährig hingegen ist die kleine Verwandte, die kleine Brennnessel. Die Sprossachse der großen Brennnessel ist recht dünn, kantig, stabil und mit Brennhaaren besetzt. Stabil und biegsam ist sie, da sie innen längs von vielen Bastfasern durchzogen wird. Die Blätter sind dunkelgrün, oval geformt und ungeteilt. Sie stehen gegenständig, das heißt sich gegenüber, an der Sprossachse. Die Blattfläche trägt Brennhaare und der Blattrand ist grob gesägt. Man sieht hier ganz deutlich die sägezahnartigen Blattränder. Berührt man die Blätter, bricht die Spitze der Brennhärchen ab und das Nesselgift tritt mit dem Eiweißstoff Histamin aus. Das verursacht das bekannte Brennen der Haut. Die Pflanze blüht von Juli bis Oktober und die eingeschlechtigen, unauffälligen Blüten stehen in einfachen bis verzweigten Trauben quirlig in den Blattachsen. Die männlichen Blüten stehen deutlich waagerecht ab und erscheinen hellgrün. Die weiblichen Blüten hängen meist gekrümmt und traubenförmig herab. Die Art große Brennnessel ist also zweihäusig. Die weibliche Blüte lässt die Kelch- und Kronblätter noch erkennen. Das Fruchtblatt ist verdickt und trägt eine gefiederte Narbe. Im Inneren ist die Samenanlage mit der Eizelle zu finden. Die unscheinbare männliche Blüte hat nur vier Hüllblätter, die die vier Staubblätter schützen und dann freigeben. Die große Brennnessel hat noch weitere, ältere Bezeichnungen. Die Namen Nesselkraut und Hanfnessel deuten auf die Verwendung der Bastfasern des Stängels hin. Es wurden bis ins 18. Jahrhundert Seile und Stricke sowie feste Tücher daraus gewebt, so genannte Nesseltücher. Heute setzen Kleingärtner die Pflanze ein, indem sie einen Aufguss herstellen, der Kulturpflanzen stärkt und düngt. Die weiße Taubnessel wird nur 20 bis 50 cm hoch. Sie blüht von April bis Oktober und sie vermehrt sich einerseits ungeschlechtlich durch Rhizome und andererseits auf geschlechtlichem Wege. In jeder befruchteten Blüte erzeugt sie vier Teilfrüchte. Der Stängel ist vierkantig und an den Ecken verdickt. Die Blätter stehen gekreuzt gegenständig an der Sprossachse. Sie sind weniger langgestreckt, hellgrüner und ohne Brennhaare im Vergleich zur Brennnessel. Der Blattrand ist auch gesägt. Doch nun zu den Unterschieden. Ganz klar ist, die Taubnessel brennt nicht. Die Pflanze, die weiße Taubnessel, strömt eine für Taubnesseln typischen Geruch aus und die Blüten sind zwittrig: Auf einer Pflanze sind beide Geschlechter, also Staubblätter und Fruchtblätter, in einer Blüte zu finden. Die Einzelblüten stehen quirlig in den Blattachsen und sie bilden keine Traube. Die Blüten oder Kronblätter sind verändert. Im oberen Teil bilden zwei Blütenblätter helmartig die Oberlippe. Unter ihr sind vier Staubblätter und das Fruchtblatt mit Griffel und Narbe verborgen. Drei Blütenblätter sind zur Unterlippe umgestaltet. Der Blütenkelch ist fünfzipfelig. Demnach wird er von fünf verwachsenen Kelchblättern gebildet. Ober- und Unterlippe sind unten zu einer Röhre verwachsen. In der Blütenröhre erzeugen Drüsenzellen süßen Nektar, den die Bienen im Frühjahr schätzen. Diesen Umstand verdankt die Nessel ihren zweiten Namen, sie heißt auch Bienensaug. Ich glaube, es sind dir die Unterschiede zwischen beiden Pflanzenarten klarer geworden. Wir stellen sie in einer Art Steckbrief gegenüber: Die große Brennnessel ist mit 50 bis 150 cm deutlich größer als die Weiße Taubnessel, die es nur auf 20 bis 50 cm bringt. Beide wachsen nahezu an gleichen Standorten wie Wegen, Waldrändern, Hecken und Zäunen. Ihr Vorkommen zeigt uns einen stickstoffreichen, humösen Boden mit hinreichender Feuchte an. Außerdem gedeihen sie nicht in der prallen Sonne. Sie gehören zu den Zeigerpflanzen. Sie sind Stickstoffanzeiger. Die weiße Taubnessel blüht etwas länger als die große Brennnessel, deren Blütezeit von Juli bis Oktober reicht. Natürlich hat sie keine Brennhaare und sie zwittrig. Große Brennnessel sind zweihäusig, wir finden das männliche und das weibliche Geschlecht auf verschiedenen Pflanzenexemplaren. Die gefiederte Fruchtblattnarbe weist auf Windbestäubung hin. Früher bis ins 18. Jahrhundert war die große Brennnessel bedeutsamer. Sie war Faserpflanze, Arznei und Futterpflanze. Heute findet sie wie die weiße Taubnessel in der Pharmazie Verwendung. Aufgüsse und Extrakte der weißen Taubnessel wirken schleimlösend und entzündungshemmend. Abschließend die systematische Einordung: Aufgrund der unterschiedlichen Geschlechtsverhältnisse und ihres Baus gehören sie nicht in eine gemeinsame Gruppe. Die Blüten haben zu große Unterschiede. Die Brennnessel wird der Familie der Brennnesselgewächse zugeordnet und die weiße Taubnessel ist ein Lippenblütengewächs. So, jetzt könnt ihr genau sagen, woran die beiden Arten unterschieden werden können. Ich sage tschüss, bis zum nächsten Mal.

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