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Aufbau einer Gedichtinterpretation 05:34 min

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Transkript Aufbau einer Gedichtinterpretation

Hallo, ich bin Lena, und in diesem Video erkläre ich dir den Aufbau einer Gedichtinterpretation. Ich werde dir zeigen, was in die Einleitung, den Analyse- und den Interpretationsteil und in den Schluss der Interpretation gehört. Es wäre gut, wenn du dich schon mit lyrischen Grundbegriffen und Stilmitteln auskennen würdest. In der Einleitung deiner Interpretation teilst du dem späteren Leser deines Textes deine Absicht mit. Du erklärst ihm, welches Gedicht du interpretieren willst, wer es wann verfasst hat und um welche Gedichtart es sich handelt. Bestenfalls nimmst du zu diesen allgemeinen Informationen auch noch eine spezifischere mit auf. Dazu musst du allerdings bereits eine strukturelle Entscheidung treffen. Und zwar lässt sich eine Interpretation deduktiv oder induktiv aufbauen. Deduktiv bedeutet: Du stellst bereits in der Einleitung eine These auf, die du dann in deinem Text Schritt für Schritt belegst. Induktiv gehst du vor, wenn du dein Ergebnis in der Einleitung noch offenlässt und erst am Ende deiner Interpretation eine These formulierst. "Im Folgenden möchte ich zeigen, dass das Naturgedicht "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff aus dem Jahr 1837 ein typisches Gedicht der Romantik darstellt." wäre ein Beispiel für den Einleitungssatz einer deduktiven Interpretation. Nach welchem Schema du den analytischen Teil und die Interpretation im Hauptteil anordnest, bleibt dir überlassen oder wird von deinem Lehrer festgelegt. Du kannst entweder zunächst das ganze Gedicht formal und sprachlich analysieren und anschließend in einem separaten Teil interpretieren oder Abschnitt für Abschnitt analysieren und gleich im Anschluss interpretieren. Mögliche Abschnitte können Verse, Strophen oder Sinnabschnitte sein. Damit kommen wir auch zum ersten formalanlytischen Aspekt: der Strophen- und Versanzahl. Gehe dabei auch darauf ein, wie sich die Verse auf die verschiedenen Strophen verteilen. Das Längenverhältnis kann ausgewogen sein oder sehr unregelmäßig, ebenso das der Verse zueinander. Falls das Gedicht Reime enthält, gehört zur Analyse zunächst das Reimschema bzw. die Reimschemata, da das Reimschema innerhalb eines Textes wechseln kann. Die geläufigsten Reimschemata sind der Paarreim, der Kreuzreim, der umarmende Reim und der Schweifreim. Wichtig sind außerdem, falls vorhanden, das Metrum oder die Metren. Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst können einander wie die Reimschemata innerhalb eines Gedichtes auch abwechseln. Ein weiterer formalanalytischer Aspekt ist die Kadenz, ob es sich um eine stumpfe, klingende oder gleitende Kadenz  handelt. Bei der Sprachanalyse kannst du zunächst schauen, in welcher Art von Sprache der Verfasser sich ausdrückt, ob er eine poetische, verklärende Sprache verwendet, Umgangssprache, Alltagssprache, Vulgärsprache, Fachsprache etc. Damit zusammenhängend spielt die Syntax, also der Satzbau, eine Rolle. Sätze können lang oder kurz sein, verschachtelt oder einfach. Den meist umfangreichsten Part der sprachlichen Analyse machen die Stilmittel aus. Da Gedichte Inhalte in eher wenigen Worten konzentrieren, liegen darin überdurchschnittliche viele rhetorische Figuren vor. Die häufigsten bzw. wichtigsten wären: das Enjambement, die Metapher, die Personifikation, das Symbol, die Allegorie, die Ellipse, die Hyperbel, die Antithese und der Neologismus. Außerdem Ironie und die rhetorische Frage. Die Analyse wäre damit abgeschlossen, und du kannst zur Interpretation des Textes übergehen. An diesem Punkt musst du dich für gewöhnlich für eine Interpretationsmethode entscheiden, zumindest, falls dir keine vorgegeben ist. Entsprechend der Methode, die du wählst, musst du die bei der Analyse herausgestellten Fakten und die bei der werkimmanenten Untersuchung gewonnenen Eindrücke in eine bestimmte Richtung weiterverfolgen und entsprechende Zusammenhänge herstellen. Hast du dann letztendlich das gesamte Gedicht interpretiert, folgt der Schluss. Im Schluss ziehst du ein Fazit. Du kannst die Gesamtaussage im Zusammenhang mit deiner angewandten Interpretationsmethode noch einmal deutlich herausstellen und knapp deine Meinung darlegen, z. B. deinen ersten Eindruck aufgreifen oder kritisch Stellung zur Aussage des Gedichtes nehmen. Grundlage für eine gute Interpretation ist vor allem eine solide Vorarbeit. Wenn du ein Gedicht interpretierst, solltest du dir die verschiedenen Aspekte im Text mit verschiedenen Farben oder Symbolen markieren und dir Notizen machen. Daraus eine Vorgliederung erstellen und idealerweise noch einen Rohentwurf verfassen, bevor du letztlich eine Reinschrift anfertigst. Geh beim Schreiben am besten davon aus, dass dein Leser weder das Gedicht noch die dir gestellte Aufgabe kennt. Sei entsprechend metakommunikativ und verwende viele Textbelege, um deine Ausführungen zu untermauern. Ich hoffe, du hast alles verstanden und das Wichtigste behalten können. Auf Wiedersehen vielleicht, Lena.

44 Kommentare
  1. Hallo Rau Ella,
    es tut uns leid, dass dir dieses Video nicht weiterhelfen konnte. Wir haben noch andere Videos zum Thema Gedichtinterpretation. Vielleicht schaust du dir mal das Video https://www.sofatutor.com/deutsch/videos/gedichtinterpretation-schritt-fuer-schritt an. Ich hoffe, damit kannst du besser arbeiten.
    Viel Spaß weiterhin beim Schauen unserer Videos.
    Liebe Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor 4 Monaten
  2. 6 6 6 6 6 mehr überzeugung und bitte auch verständlicher

    Von Rau Ella, vor 5 Monaten
  3. Nix verstanden! Man konnte das verständlicher machen.
    OK?
    :(

    Von Yiren Y., vor mehr als einem Jahr
  4. fand ich leider nicht so gut zu kompliziert erklärt bzw.sollte es schon so erklärt werden,dass es auch ein stummer tauber und blinder versteht

    Von Leonp Schindler, vor mehr als einem Jahr
  5. Hallo Marvin,
    es tut uns leid, dass dir dieses Video nicht weiterhelfen konnte. Hast du schon einmal auf diese Übersichtsseite geschaut: https://www.sofatutor.com/deutsch/lesen-literatur-interpretieren-und-analysieren/lyrik-gedichte-analysieren/gedichtanalyse-und-interpretation? Hier findest du viele Infos und weitere Videos rund um das Thema Gedichtinterpretation. Vielleicht kannst du damit besser arbeiten.
    Liebe Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor mehr als einem Jahr
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Aufbau einer Gedichtinterpretation Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Aufbau einer Gedichtinterpretation kannst du es wiederholen und üben.

  • Gib an, welche Elemente in die Einleitung einer Gedichtinterpretation gehören.

    Tipps

    Die Intention ist die Absicht oder das Ziel.

    Die Einleitung beinhaltet die wichtigsten Informationen rund um das Gedicht. Die eigentliche Interpretation des Gedichts findet erst im Hauptteil statt.

    Lösung

    Folgende Angaben sollten in jeder Einleitung einer Gedichtinterpretation zu finden sein:

    • deine Intention oder Absicht
    • der Titel des Gedichts
    • der Autor des Gedichts
    • die Entstehungszeit des Gedichts
    • die Textart, also um welche Gedichtform es sich handelt.
    Eine Formulierungshilfe für das Schreiben der Einleitung ist:

    Das Gedicht (Titel) des Autors (Name) ist (Entstehungszeit) entstanden und handelt von ...

  • Bestimme die Unterschiede eines deduktiven und eines induktiven Interpretationsaufbaus.

    Tipps

    Ein Beispiel für eine deduktive Einleitung ist:

    In der folgenden Interpretation des Gedichts „Rastlose Liebe“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1776 möchte ich zeigen, dass das Gedicht typische Elemente des Sturm und Drang aufweist.

    Eine induktive Herangehensweise geht von Beobachtungen aus und verallgemeinert sie. Da aus einzelnen Merkmalen abgeleitet wird, können so neue Erkenntnisse gewonnen werden.

    Deduktiv bedeutet abgeleitet und beschreibt Schlussfolgerungen auf Basis allgemeiner Erkenntnisse oder Erfahrungen, die du bereits in der Vergangenheit gemacht hast.

    Lösung

    Deduktion meint die Ableitung des Besonderen und Einzelnen vom Allgemeinen. Bei einer deduktiven Herangehensweise einer Gedichtinterpretation wird bereits in der Einleitung eine These aufgestellt, die dann im weiteren Verlauf von dir belegt wird. Typisch für einen deduktiven Aufbau einer Gedichtinterpretation ist der Beispielsatz:

    In der folgenden Interpretation des Gedichts „Rastlose Liebe“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1776 möchte ich zeigen, dass das Gedicht typische Elemente des Sturm und Drang aufweist.

    Der Begriff Induktion meint, dass man vom Einzelnen zum Allgemeinen hinführt. Bei der induktiven Gedichtinterpretation ist das Ergebnis in der Einleitung noch offen und wird erst im Laufe der Interpretation erarbeitet.

  • Bestimme, welche Teile einer Gedichtinterpretation in die Einleitung, den Hauptteil und den Schluss gehören.

    Tipps

    Der Hauptteil besteht darin, das Gedicht auf seine Sprache und Form zu analysieren.

    Manchmal darfst du im Schlussteil auch deine eigene Meinung schreiben und Kritik am Gedicht üben.

    Lösung

    In die Einleitung einer Gedichtinterpretation gehören folgende Angaben:

    • Titel
    • Textsorte
    • Autor
    • Erscheinungsjahr
    In den Hauptteil einer Interpretation gehören folgende Dinge:
    • Analyse des Inhalts und der Form
    • Analyse der sprachlichen/rhetorischen Mittel
    • Interpretation
    In den Schluss einer Interpretation gehören
    • Zusammenfassung der Interpretation
    • Wirkung des Gedichts
    • gegebenenfalls die eigene Meinung
    • gegebenenfalls Kritik am Gedicht
    • Ausblick

  • Analysiere die Form des Gedichtes „Das Mädchen“ von Joseph von Eichendorff.

    Tipps

    Bei einer männlichen Kadenz endet der Vers auf eine betone Silbe, bei einer weiblichen auf eine unbetonte Silbe.

    Ein Beispiel für einen dreihebigen Jambus ist:

    Der Mónd ist aúfgegángen.

    Welches Metrum kannst du in Eichendorffs Gedicht erkennen?

    Lösung

    Ein wichtiges Element des Hauptteils ist die formale Analyse eines Gedichtes:

    • Das Gedicht „Das Mädchen“ besteht aus 4 Strophen mit jeweils 4 Versen.
    • Das Reimschema ist der Kreuzreim. Unterbrochen wird dieses Schema nur in Vers 1 und 3, da sich die beiden Wörter „Fenster“ und „Haare“ nicht reimen.
    • Das Metrum ist ein vierhebiger Trochäus.
    • Die Kadenzen sind abwechselnd weiblich und männlich.
    Aus dieser formalen Analyse kann man den Rückschluss ziehen, dass das Gedicht durch seine klare Struktur, das Reimschema sowie die sich abwechselnden weiblichen und männlichen Kadenzen den Charakter eines Volksliedes trägt. Diese Form der Lyrik war während der Epoche der Romantik bei Autoren wie Novalis oder Eichendorff besonders beliebt.

    Quellen: von Eichendorff, Joseph: „Das Mädchen“: URL: https://lyrik.antikoerperchen.de/joseph-von-eichendorff-das-maedchen,textbearbeitung,326.html [28.11.17]

  • Zeige auf, wie du eine Gedichtinterpretation am besten vorbereitest.

    Tipps

    Nachdem du den Text genau gelesen hast, markierst du die wichtigsten Aspekte mit verschiedenen Farben und schreibst sie dir auf.

    Lösung

    • Damit du eine gelungene Interpretation schreibst und alle wichtigen Details im Blick behältst, ist es wichtig, den Text zuerst genau zu lesen.
    • Beim Lesen kannst du dir das Wichtigste schon einmal markieren.
    • Mache dann am besten gleich kurze Notizen.
    • Aus diesen Notizen kannst du deine Vorgliederung ableiten.
    • Nach dieser schreibst du am besten einen Rohentwurf deines Textes.
    • Aus dem Rohentwurf kannst du deine Interpretation in Reinschrift übertragen.
    Denk am Ende noch einmal daran, dir den Text auf inhaltliche und orthografische Fehler anzusehen und ihn gegebenenfalls zu korrigieren.

  • Entscheide, um welche rhetorische Figur es sich handelt.

    Tipps

    Man spricht von einer Alliteration, wenn benachbarte Wörter den gleichen Anlaut haben.

    Kurz und knapp ist ein Beispiel für eine Alliteration.

    Bei einer Anapher werden ein oder mehrere Wörter am Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen wiederholt.

    Der Sensenmann steht sinnbildlich für den Tod.

    Lösung

    Die Analyse der sprachlichen Mittel eines Gedichtes ist ein wichtiger Teil des Hauptteils einer Gedichtinterpretation.

    Ebenso wie bei der Metapher findet auch bei der Allegorie eine Bedeutungsverschiebung statt. Damit du die eigentlich gemeinte Bedeutung erkennst, musst du die Allegorie entschlüsseln. Man spricht von einer Metapher, wenn ein Satz oder ein Wort nicht wörtlich gemeint ist, sondern im übertragenen Sinn zu verstehen ist.
    Der Begriff Personifikation bedeutet Vermenschlichung. Tieren, Pflanzen oder leblosen Dingen werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben.
    Die Ellipse ist ein Stilmittel, bei dem Satzstrukturen verändert werden, indem man elementare Bestandteile weglässt.
    Die Alliteration ist ein Stilmittel, bei dem zwei oder mehr Wörter die gleichen Anfangsbuchstaben besitzen.
    Bei einer Anapher werden ein oder mehrere Wörter am Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen wiederholt.

    Quelle: Brecht, Bertolt: Die Dreigroschenoper. URL: http://dreigroschenopersongtext.blogspot.de/2009/04/barbarasong-barbaras-song.html [12.12.2017]