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„Die Leiden des jungen Werther“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Goethe)

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Die Autor*innen
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Deutsch-Team
„Die Leiden des jungen Werther“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Goethe)
lernst du in der Oberstufe 5. Klasse - 6. Klasse

„Die Leiden des jungen Werther“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Goethe) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Die Leiden des jungen Werther“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Goethe) kannst du es wiederholen und üben.
  • Beschreibe die Wirkung, die Goethes „Werther“ unter jungen Leuten hatte.

    Tipps

    Was ahmten Goethes Zeitgenossen nach? War es eine bestimmte Mode oder sogar ein Lebensstil?

    Lösung

    Der Roman „Die Leiden des jungen Werther“ wurde kontrovers rezipiert. Die Befürworter und Anhänger Goethes lobten die Protesthaltung und sensible Sentimentalität des Werther. Der Protagonist wurde zu einem Symbol für den Drang einer ganzen Generation nach Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung.

    Und dieses Werther-Symbol war eindeutig beschrieben und löste eine Werther-Modewelle aus: Die Menschen kleideten sich wie Werther, in exakt derselben Farb- und Kleiderkombination. Alle Schichten lasen das Buch, auch im Ausland: Napoleon und auch Thomas Mann waren fasziniert. Allerdings fand auch der Freitod Werthers einige traurige Nachahmer. Die Kritik am Buch riss daher nicht ab.

  • Fasse die verschiedenen Lesarten zusammen, die es vom Buch gibt.

    Tipps

    Drei unterschiedliche Schwerpunkte sind bei der Rezeption der Lektüre zu setzen: Die Geschichte des rebellischen, des kranken oder des leidenschaftlich verliebten Werthers.

    Lösung

    Wie bei jedem Buch von Weltruhm gibt es auch beim „Werther“ sich überlagernde Interpretationen. Dabei können grob drei unterschiedliche Lesarten wahrgenommen werden:

    1. Werther als Rebell: Er führt einen Kampf, in dem er zwischen seinen Leidenschaften und den ihm auferlegten gesellschaftlichen Konventionen leben muss. Dieser Grundkonflikt zwischen Gruppeninteresse und individuellem Interesse wurde im „Werther“ durch das Scheitern des Individuums aufgelöst, das sich den Konventionen durch Freitod entzieht.
    2. Werther als kranker Mann: Die vielen hochemotionalen Briefe über sein Gefühlsleben verschaffen dem Leser Einblick in das Seelenleben eines Mannes, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Spätere psychologische Beobachtungen unterstellen dem Werther eine ichbezogene Störung, verursacht durch das Fehlen mütterlicher Liebe.
    3. Werther als Liebender: Die reine, unbedingte Liebe zu einer Frau, beinahe schon metaphysisch, hat den Zweck, Werthers Leben mit Sinn zu erfüllen; nur durch seine Leidenschaften ist das Leben lebenswert. Wird die Liebe zu stark und nicht erwidert, wird das Leben sinnlos.

  • Bestimme mithilfe des folgenden Zitats, inwiefern Lessing den „Werther“ kritisierte.

    Tipps

    Welche Rolle spielt Lessings Werk im „Werther“. Welcher Generation gehörte Lessing an? Und welche Meinung nahm er deshalb ein?

    Lösung

    Die Kontroverse um den „Werther“ rief auch Lessing auf den Plan; er erfuhr durch einen Freund, dass Goethe Bezug auf sein Drama „Emilia Galotti“* nahm. Denn dies ist das Stück, das Werther kurz vor seinem Selbstmord las: Es lag offen auf seinem Schreibtisch.

    Dass Goethe gerade diese Schrift Lessings gewählt hat, ist bezeichnend, thematisiert sie doch auch – aber mit unterschiedlicher Schlussfolgerung – Freitod und Selbstmord. Denn Emilia wünscht sich ebenso wie Werther den Tod; jedoch nicht aus emotionalen und leidenschaftlichen Gründen wie dieser, sondern um der Abhängigkeit eines Prinzen zu entkommen. Emilias Freitod steht damit symbolisch für das Aufbegehren des Bürgertums gegen den Adel: Das Bürgertum dürfe sich nicht alles gefallen lassen. Die bürgerliche Autonomie müsse zum Gesetz werden. Denn Emilia begreift ihren Ausgang aus dem Leben nicht als Möglichkeit, ihrem vom Prinzen ermordeten Ehemann zu folgen. „Emilia Galotti“ ist daher in gut aufklärerischer und moralischer Manier geschrieben. Weiterhin kommt Lessing gar nicht erst in Versuchung, das Tabu Freitod zu brechen: Nicht Emilia bringt sich selbst um, sondern ihr Vater tut es auf ihre Bitten hin. Damit fällt der Tod rein rechtlich nicht unter Selbstmord. Lessing belässt den Freitod weiterhin unter dem Bann des Unmoralischen und Sündhaften.

    Goethe selbst handelt anders: Er stellt dem Freitod Werthers nicht – wie von Lessing gefordert – eine moralische Nachpredigt hinten an; er legitimiert praktisch einen Freitod aus leidenschaftlichen Motiven, was den damaligen Idealen von Pflichterfüllung und Religiosität gänzlich zuwider lief.

    Quelle: Lessing, Gotthold Ephraim (2014): Werke und Briefe. Band 11/2. S. 667.

  • Untersuche die folgende Kritik am „Werther“.

    Tipps

    Was kritisiert der Ausschnitt? Welcher Konflikt zeichnet sich ab? Was verteidigt der Autor, was verflucht er?

    Lösung

    Der „Werther“ entspann eine Kontroverse in vielerlei Hinsicht: Eine Generation revoltierte und sehnte sich nach Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Vielleicht kann die frei bestimmte Selbsttötung als Ausdruck dieser Sehnsucht gefasst werden?

    Kirche und Staat nahmen Anstoß am Ende des Werther. Selbstmord war und ist eine große Sünde, denn sie verstößt gegen den Willen Gottes, der jedem Menschen das höchste Gut, nämlich das Leben, geschenkt hat. Der Autor der obigen Kritik hatte das Stück sehr wohl verstanden: Nur missbilligte er den Platz, den die Leidenschaften einnahmen. Er setzt Werther mit einem triebgesteuerten Insekt gleich, das den Selbstmord nur durch ruhiges Nachdenken hätte vermeiden können. Damit drückte er den Generationenkonflikt aus, der entlang der Gräben Vernunft versus Gefühl und Religion versus Sinnlichkeit verlief.

    Quelle: Schlettwein, Johann August (1775): Des jungen Werthers Zuruf aus der Ewigkeit an die noch lebende Menschen auf der Erde. Carlsruhe: Maklott. S. 18–26.

  • Gib wieder, wie Goethe selbst den großen Erfolg des Romans erklärte.

    Tipps

    Der Roman gab wenige moralische Lehren mit. Es war eher der Ausdruck einer Gruppe, deren Zeit gekommen war.

    Lösung

    Goethe selbst hätte niemals mit einem derart großen Erfolg seines Buches gerechnet: Der Kult um seinen Werther nahm Züge einer Religion an. Woher dieser große Erfolg?

    Goethe selbst schrieb in seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“, dass er die rechte Zeit getroffen hätte. Hätte er in einer anderen Zeit geschrieben, wäre das Buch sang- und klanglos untergegangen. Doch die Menschen seiner Zeit, vor allem die junge Generation der Stürmer und Dränger, in der Goethe Mitglied war, protestierten gegen die allzu nüchterne und aufklärerische Manier ihrer Väter. Diese Generation im Aufbruch sah ihre eigenen Leiden in den Leiden des jungen Werther manifestiert.

    Dabei rief der Roman weder zu Revolution auf, noch war er unhinterfragt: Der kontroverse Tabubruch, der in der Thematisierung des Freitods (Selbstmord) lag, rief die Zensur auf den Plan. Dass auch der Adel das Buch las, war aber wohl kein ausschlaggebender Grund für die große Verbreitung: Die heißesten Anhänger hatte Goethe unter Studenten und im einfachen Volk.

  • Analysiere das folgende Zitat darauf, wie Werther als Identifikationsfigur fungierte.

    Tipps

    Könnte man die oben beschriebene Szene für eine religiöse Handlung halten? Wie stellt sich der Verfasser des obigen Ausschnitts zu dem Ereignis?

    Lösung

    Der Roman war derart erfolgreich, dass sich viele Nachahmer zusammenfanden: Außer einer Selbstmordwelle und einer Werther-Modewelle gab es auch verschiedene Werther-Kulte, die mit ihren eigenen Texten und Ritualen einer Sekte nicht unähnlich waren. Das verstand man als Gefahr.

    Der „Werther“ basierte, wenn man so will, auf einer wahren Begebenheit: Der in Wetzlar wohnende Legationsrat Jerusalem hatte sich unglücklich in eine vergebene Frau verliebt und scheiterte an den gesellschaftlichen Konventionen, so dass er sich schließlich selbst tötete. Der Roman „Werther“ bewirkte, dass das Grab von Jerusalem über die Grenzen von Wetzlar hinaus Scharen von Werther-Anhängern anzog. Unter diesen Scharen waren alle Bevölkerungsschichten vertreten: Reiche wie Arme, Gebildete und Ungebildete.

    Der Werther-Kult muss vielen Zeitgenossen sehr abstößig vorgekommen sein: Sie glaubten der gekünstelten Sentimentalität, der gespielten Trauer und den heuchlerischen Tränen nicht. Sie sahen die Gefahr der Nachahmung. In ironischer Weise kritisiert der obige Abschnitt den Kult. Beispielsweise „verstehe es sich“, dass nicht jeglicher Selbstmord gerechtfertigt sei, sondern nur der aus Liebe.

    Quelle: Laukhard, Friedrich Christian (1792): Leben und Schicksale, von ihm selbst beschrieben, und zur Warnung für Eltern und studierende Jünglinge herausgegeben. Ein Beitrag zur Charakteristik der Universitäten in Deutschland. 1. Tl. Halle: Michaelis u. Bispink. S. 141–43.

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