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„Berlin Alexanderplatz“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Döblin)

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Deutsch-Team
„Berlin Alexanderplatz“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Döblin)
lernst du in der Oberstufe 5. Klasse - 6. Klasse

Grundlagen zum Thema „Berlin Alexanderplatz“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Döblin)

Franz Biberkopf geht seinen Weg im Dunkeln und mit zusammengepressten Augen. Erst am Ende findet er das Licht. Weißt du, was damit gemeint sein könnte? Der geht doch nicht immer in der Nacht, der geht doch bei Tag. Finde es heraus, indem du dieses Video guckst. Du lernst hier einen Interpretationsansatz kennen, der den Lebensweg Biberkopfs als Weg zur Erkenntnis versteht. Du wirst auch erfahren, inwiefern Biberkopf sich zu einem mündigen Menschen wandelt. Und natürlich lernst du etwas darüber, wie das Buch seinerzeit aufgenommen wurde und welches Echo es bis heute auslöst. Film ab!

Transkript „Berlin Alexanderplatz“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Döblin)

Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz - Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte „Wir sind eine dunkle Allee gegangen, keine Laterne brannte zuerst, man wußte nur, hier geht es lang, allmählich wird es heller und heller, zuletzt hängt da die Laterne, und dann liest man endlich unter ihr das Straßenschild.“ Das schreibt Döblin auf den letzten Seiten seines Romans „Berlin Alexanderplatz“. Nanu, wovon spricht er da? Eine dunkle Allee? Wir? Was meint er damit? Und wo ist diese Laterne am Ende? Hören wir weiter, was er noch schreibt, um zu einem ersten Interpretationsansatz zu kommen: „Es war ein Enthüllungsprozess der besonderen Art.“ Aha, ein Enthüllungsprozess also. Aber was enthüllt sich? „Franz Biberkopf ging die Straße nicht wie wir. Er rannte drauflos, diese dunkle Straße, er stieß sich an Bäume, und je mehr er ins Laufen kam, um so mehr stieß er an Bäume. Es war schon dunkel, und wie er an Bäume stieß, preßte er entsetzt die Augen zu. Und je mehr er sich stieß, immer entsetzter klemmte er die Augen zu. Mit zerlöchertem Kopf, kaum noch bei Sinnen, kam er schließlich doch an. Wie er hinfiel, machte er die Augen auf. Da brannte die Laterne hell über ihm, und das Schild war zu lesen.“

Döblin meint mit seiner dunklen Straße also Biberkopfs Leben. Und wen könnte er mit „wir“ meinen? Genau, uns, die Leser. Wir sind den Lebensweg mit Biberkopf zusammen gegangen, über 400 Seiten weit. Sein Leben ist wie eine dunkle Allee. Immer hat er sich irgendwo den Kopf gestoßen. Du erinnerst dich an die vielen Tiefschläge, die er hat einstecken müssen. Döblin gibt uns hier eine Lesart für Franz Biberkopfs Weg in die Hände. Lange Zeit war Biberkopf blind. Er presste vor Entsetzen die Augen zu. So sah er auch nicht, was um ihn herum war. Er stieß sich den Kopf an den Bäumen. Und er rannte nur noch schneller – was die Verletzungen natürlich verschlimmerte. Erst ganz am Ende öffnet Biberkopf die Augen. Da liegt er schon am Boden, ist am Tiefpunkt angelangt. Jetzt wird er sehend. Und so sieht er die Laterne und das Schild. Das Licht ermöglicht ihm, das Schild zu lesen. Biberkopfs Weg ist somit ein Weg zur Erkenntnis. Ein Weg von der Dunkelheit ans Licht. In die gleiche Richtung geht ein weiterer Interpretationsansatz: Demzufolge durchläuft Biberkopf einen langen Prozess von der Unmündigkeit hin zur Mündigkeit. Oder anders ausgedrückt: von der Schuldunfähigkeit hin zur Schuldfähigkeit. Lange ist Biberkopf nämlich nicht fähig, seine eigene Schuld zu erkennen. Er erkennt auch nicht, wenn andere Leute sich schuldig machen. So hält er zu Reinhold, obwohl dieser ihm Schaden zugefügt hat.

Biberkopf ist zunächst nicht zu eigenen Entscheidungen und zum kritischem Überprüfen seiner Handlungen und Denkweisen fähig. Vielmehr erlebt er sich selbst immer wieder einer dunklen Macht gegenüber. Gegen diese Macht kommt er nicht an. Biberkopf ist ein Getriebener: „Er wird in Verbrechen hineingerissen, er will nicht, er wehrt sich, es geht über ihn, er muß müssen.“ Erst ganz am Ende seines Wegs erkennt Franz seine Schuld. Er erkennt nun seine Taten und empfindet Reue. So wird Biberkopf schuldfähig und mündig. Er kann sich nun als Handelnder wahrnehmen. Und er kann Verantwortung für sein Leben übernehmen. Und wie wurde Döblins Roman über Biberkopfs Weg zur Mündigkeit rezipiert? Die Geschichte von Franz Biberkopf zog gleich nach ihrem Erscheinen 1929 viele Leser in ihren Bann. „Berlin Alexanderplatz“ war ein großer Erfolg. Der Roman wurde bald ins Italienische und Dänische übersetzt und erschien zwei Jahre später bereits in England und Amerika. Dann folgten Übersetzungen ins Spanische, Schwedische, Tschechische und Russische. Allein in Deutschland wurden bis 1933 rund 50.000 Exemplare gedruckt. Das erste Hörspiel wurde 1930 ausgestrahlt und 1931 zeigten die Kinos die erste Verfilmung. An dem Drehbuch hatte Döblin übrigens mitgewirkt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus jedoch gehörte „Berlin Alexanderplatz“ zu den verbotenen Werken. Ende der 1970er Jahre erlangte das Werk neue Popularität, als der bekannte deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder eine Fernsehserie zu „Berlin Alexanderplatz“ drehte. Alle Episoden zusammen dauern 930 Minuten, also über 15 Stunden.

Die Geschichte von Franz Biberkopf, dem raubeinigen Arbeiter und Kleinkriminellen, fasziniert bis heute. Es ist nicht nur die Geschichte von einem, der von der Dunkelheit ans Licht gelangt. Auf diesem Erkenntnisweg merkt Biberkopf nämlich noch etwas: Er ist nicht allein auf der Welt. So ist seine Schlussfolgerung: „Viel Unglück kommt davon, wenn man allein geht. Wenn mehrere sind, ist es schon anders. Man muss sich gewöhnen, auf andere zu hören, denn was andere sagen, geht mich auch an.“

1 Kommentar

1 Kommentar
  1. 😊

    Von Marysia Siringo, vor fast 2 Jahren

„Berlin Alexanderplatz“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Döblin) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Berlin Alexanderplatz“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Döblin) kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib die Rezeptionsgeschichte des Werkes wieder.

    Tipps

    Das Werk erschien nur wenige Jahre vor der Machtübernahme der Nazis. Bis dahin konnte es einen hohen Erfolg verbuchen, danach wurde es lange Zeit vergessen.

    Lösung

    Die Rezeptionsgeschichte sagt viel über die Popularität des Werkes aus, denn es wurde von Anfang an in allen Formen rezipiert und verarbeitet.

    • Das fing bereits bei den zahlreichen Übersetzungen ins Italienische, Dänische, Englische, Schwedische, Tschechische, Russische und Spanische an.
    • Bereits ein Jahr nach Erscheinen kam 1930 ein Hörspiel heraus. 1931 folgte die erste Verfilmung, die ein großer Erfolg in den Kinos war. Hier hatte Döblin selbst am Drehbuch mitgewirkt. Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, also bis 1933, wurden vom Buch 50.000 Exemplare verkauft. Dann jedoch wurde es unter den Nazis als entartete Kunst verboten und verbrannt.
    • Es dauerte einige Zeit, bis es wieder aus der Versenkung hervorgeholt wurde: Erst der Regisseur Rainer Werner Fassbinder konnte am Ende der 1970er Jahre mit seiner über 15-stündigen Fernsehreihe dem Buch neue Präsenz verschaffen.

  • Fasse zusammen, wie der Roman interpretiert werden kann.

    Tipps

    Der Roman gehört zur Gattung der Entwicklungsromane: Er soll aufklären und einen Weg zur moralischen Besserung aufzeigen.

    Lösung

    „Berlin Alexanderplatz“ ist ein typischer Entwicklungsroman. Ein charakterlich unfertiger Mensch muss durch verschiedene Lektionen lernen, Verantwortung für sich zu übernehmen und aus seiner Unmündigkeit zur Mündigkeit zu gelangen. Das Reflektieren der eigenen Handlungen und Entscheidungen ist wichtig, um für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen und nicht von dunklen Mächten in Verbrechen und Unglück gezogen zu werden.

    Franz Biberkopf erkennt erst nicht, dass er und andere Schuld tragen: Er hält zu Reinhold, obwohl dieser ihm nur Böses will; er kann sich nicht gegen sein eigenes Temperament wehren. Er wird von politischen Demagogen und deren agitatorischen Rhetorik verführt, hat aber nicht genug Bildung und Geisteskraft, diese Ideologien zu durchschauen. Die exemplarische Lebensgeschichte von Franz Biberkopf kann als eine literarische Vorwegnahme des Scheiterns der Weimarer Republik und der Machtübernahme der Nazis gesehen werden. So wie der Protagonist handelten viele Menschen. Jeder hat die Pflicht, sich zu bilden, zu reflektieren, sich nicht passiv zu verhalten, sondern aktiv zu urteilen und so sein Leben in die eigene Hand zu nehmen.

  • Bestimme anhand des folgenden Zitats, welche literarische Stilrichtung Döblin unter anderem vertrat.

    Tipps

    Döblin vereinte in seinem Werk unterschiedliche Stilrichtungen des frühen 20. Jahrhunderts. Eine davon ist der Expressionismus.

    Lösung

    Döblin vereint in seinem Roman die Neue Sachlichkeit mit expressionistischer Sprache. Die Neue Sachlichkeit knüpfte an den Naturalismus des späten 19. Jahrhunderts an, trennte sich aber von der Annahme, man könne die Wirklichkeit objektiv und eindeutig abbilden. Sie übernimmt stattdessen die Merkmale der genauen Beobachtung, der präzisen Wiedergabe und der detailgetreuen Darstellung gesellschaftlicher Phänomene. Doch warum diese Poetik?

    Ein Ansatzpunkt war, dass man eher zeigen als erklären wollte: Frei von Ideologie wollte man Probleme möglichst klar und verständlich aufzeigen. Diese literarische Strömung hatte einen aufklärenden Charakter und wollte sich daher an ein bestimmtes Publikum richten: nicht an die „Gebildeten“, sondern an die Betroffenen, die „Massen“, die Unaufgeklärten. Die Beschreibungen sollen belehrend wirken, ein exemplarischer Lebenslauf sollte geschaffen werden, mit dem sich der Leser identifizieren, den er in seiner Einfachheit verstehen konnte. Weitere Vertreter der Neuen Sachlichkeit waren beispielsweise Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky oder Erich Kästner.

    Quelle: Döblin, Alfred (1931): Kleine Impressionen auf einer Rheinreise.

  • Erkläre anhand des folgenden Zitats, welche Lektion Franz Biberkopf erst lernen musste.

    Tipps

    Was ist Biberkopfs große charakterliche Schwäche? Wie zeichnet ihn seine Naivität und Gutgläubigkeit aus?

    Lösung

    „Berlin Alexanderplatz“ ist ein Entwicklungsroman, der dadurch ausgezeichnet ist, dass der Protagonist eine charakterliche Veränderung durchmacht. Franz Biberkopf ist zuerst ein naiver, gutgläubiger und damit ausnutzbarer Mensch. Ihm fehlt die Fähigkeit, andere Menschen zu beurteilen. Er verfällt daher den alten Feinden, deckt ihnen den Rücken und hilft ihnen sogar; andererseits schafft er es häufig nicht, aufgrund seines Stolzes und seines Einzelgängertums, die Hilfe von Freunden anzunehmen und deren Ratschläge zu befolgen.

    Die Schicksalsschläge drängen ihn jedoch dazu, vorsichtiger mit seinen Mitmenschen umzugehen. Er lernt, dass er nicht alleine ist, dass er Arbeit und Leid teilen kann, dass er sich in einem sozialen Gefüge befindet. Als er schließlich eine Arbeit als Hilfsportier in einer mittleren Fabrik findet, steht diese symbolisch für dieses Netz aus Leuten: Die Fabrik als Ort der Arbeitsteilung par excellence, wo jeder ein kleines Rädchen im Getriebe des großen Ganzen darstellt.

    Aus: Alfred Döblin (1929): Berlin Alexanderplatz.

  • Deute die Worte des Erzählers am Ende der Geschichte.

    Tipps

    Franz Biberkopf ist zuerst unmündig, lädt Schuld und Verletzungen auf sich, immer mehr, bis er schließlich lernt und mündig wird.

    Der Erzähler spricht hier in einer Parabel von Franz Biberkopfs Leben. Setze die Elemente der Parabel mit der moralischen Lektion, die dahintersteht, gleich.

    Lösung

    Wir haben es in „Berlin Alexanderplatz“ mit einem besonderen Erzähler zu tun: Dieser versucht einerseits, als genauer und detailgetreuer Beobachter die Ereignisse objektiv darzustellen, andererseits tritt er oft als Kommentator und moralischer Lehrmeister des Stücks auf und präsentiert dem Leser seine subjektiven Deutungen. So erzählt er am Ende die Parabel von Biberkopfs Leben und gibt dabei eine Interpretation und Lesart vor. Bei dieser Lesart geht es darum, die Elemente der Parabel mit einem Element der moralischen Lektion gleichzusetzen.

    „Die Straße“ bezeichnet Franz' Leben; „er stieß sich an Bäume“ steht für die Tiefschläge, die er einstecken musste; „preßte er entsetzt die Augen zu“ drückt seine Blindheit aus; „die Laterne“ schließlich zeigt die Erkenntnis. Franz geht also den Weg von der Unmündigkeit zur Erkenntnis; dieser Weg ist gefährlich und holprig und gepflastert von Irrungen, Verletzungen und vielen Enttäuschungen.

    Quelle: Alfred Döblin (1929): Berlin Alexanderplatz.

  • Erläutere, wie Döblin folgendes Zitat in seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ umsetzte.

    Tipps

    Döblins Schreiben lässt sich keiner literarischen Strömung oder Epoche eindeutig zuweisen. Der Roman besitzt Elemente aus der Neuen Sachlichkeit und dem Expressionismus.

    Lösung

    Döblin ist ein wegweisender Autor des modernen deutschen Romans und Erzählens: nicht nur wegen seiner Montagetechnik, auch sein Schreiben zwischen Neuer Sachlichkeit und Expressionismus ist einzigartig und früchtetragend. Er will den Menschen nicht nur präzise ein Problem vor Augen führen und sie dadurch nahe ans Geschehen heranholen, sondern er will die Wirklichkeit übersteigen, den einzelnen Fall herausheben und eine Überrealität erschaffen. Sein Roman soll eine exemplarische Geschichte erzählen, die sich auf andere Charaktere und Situationen übertragen lässt. Dafür benutzt er eine lyrische, expressionistische Sprache, auch um Offenheit zu gewährleisten: Der Autor muss zum Schaffen dieser Überrealität auf alle möglichen Darstellungsformen zurückgreifen. Er will nicht nur das Beobachtbare vermitteln, sondern Grundsituationen des menschlichen Daseins aufzeigen.

    Quelle: Boris Körkel (1999): Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ als Reaktion auf die Erzähl- oder Romankrise und als Epos der Moderne.

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