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Formale Merkmale dramatischer Texte

Die Dramatik zählt neben der Epik und der Lyrik zu den drei Großgattungen der Literatur und fasst alle Texte zusammen, die für die Darstellung einer Handlung auf der Bühne in verteilten Rollen geschrieben werden.

Ursprung und Entwicklung dramatischer Texte

Die ersten Dramen sind in der griechischen Antike entstanden, auch das Wort drama kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Handlung. Das Konzept des Dramas ist demnach sehr alt und hat sich über die Zeit hinweg auf ganz unterschiedliche Art und Weise entwickelt. Als Zuschauer in einem griechischen Amphitheater sollte man mit den Figuren der Handlung mitfühlen und sich durch die Rezeption des Dramas verändern, indem man einen innerlichen Reinigungsprozess durchläuft, der als Katharsis bezeichnet wird. Ausschlaggebend für diesen Prozess der inneren Reinigung ist vor allem das Erleben tiefer Emotionen auf Seiten des Publikums, was sowohl durch das Ansehen einer Tragödie, aber auch durch die Rezeption einer Komödie erreicht werden konnte.

Komödie und Tragödie

Bereits an diesen frühen Dramenformen wird ein Kernmerkmal des Dramas deutlich: Das Drama zeichnet sich dadurch aus, dass die Handlung auf einer Bühne dargestellt wird. Folglich bezeichnet der Begriff der Dramatik alle Texte, die in verteilten Rollen und genau für die Darstellung einer Handlung auf einer Bühne konzipiert und geschrieben werden. Wie du bereits weißt, gibt es ganz verschiedene Ausprägungen des Dramas, das sich wie jede andere Form von Literatur, egal ob Epik oder Lyrik, im Verlauf der Zeit stark gewandelt hat. Während es in manchen Epochen üblich war, Dramen in einer kunstvollen Sprache und in Versform zu schreiben, sind Stücke unserer Gegenwart oft an die Alltagsprache angepasst und verzichten auf die Reime. Ähnlichen Veränderungen sind auch die Figuren im Drama unterworfen: Während Protagonisten der Tragödie bis zur Aufklärung immer dem Adel entstammten, um die sogenannte Fallhöhe der Hauptpersonen zu erhöhen, schrieb bereits Schiller bürgerliche Trauerspiele mit einfachem bürgerlichen Personal. In den 1920er Jahren revolutionierte Bertolt Brecht die Großgattung der Dramatik, indem er das Konzept des epischen Theaters entwickelte. Der Fokus liegt hier nicht mehr darauf, Mitleid und tiefe Empfindungen beim Publikum hervorzurufen, sondern dieses durch eine emotionale Distanz zur Aufführung zum kritisch-reflektierten Nachdenken anzuregen.

Kernmerkmale der Dramatik

Aber was zeichnet das Drama denn nun eigentlich aus? Welche Kernmerkmale gibt es, wenn sich das Drama über die Zeit hinweg so stark verändert hat? Texte der Dramatik erkennt man daran, dass diese im Unterschied zu epischen Texten keinen Erzähler haben. Vielmehr werden Handlung und Geschehnisse der Dramenwelt vor allem durch die Figurenrede, also durch Monologe und Dialoge, sowie durch die Beziehungen der Figuren zueinander vermittelt. Du fragst dich, welche Figuren in einem Drama überhaupt auftreten? Darüber informiert dich eine Auflistung, die in Dramentexten in der Regel vor dem eigentlichen Dramenbeginn abgedruckt wird. Hier werden alle beteiligten Personen in einer Art Personenkonstellation aufgelistet. Da es keinen Erzähler gibt, ist es die Aufgabe der Dramenfiguren, dem Zuschauer alle für die Handlung wichtigen Informationen zu vermitteln und den Handlungsverlauf voranzubringen.

Kernmerkmale

Wenn du ins Theater gehst, erlebst du auf der Bühne jedoch noch viel mehr als Schauspieler, die in Monologen oder Dialogen eine Handlung entwickeln. Es kommen verschiedene Requisiten, ein eigens für die Inszenierung entworfenes Bühnen- und Kostümbild sowie besondere Beleuchtungstechniken zum Einsatz. Auch akustische Signale wie Geräusche oder Musik unterstützen die Figurenrede und helfen dabei, eine bestimmte Stimmung auf der Bühne entstehen zu lassen. Zum Teil sind Angaben zur Umgebung innerhalb der Dramenwelt oder dem Verhalten der Schauspieler in den Dramentext integriert und als kursiv gedruckte Regieanweisungen vorhanden.

Formale Merkmale des offenen und des geschlossenen Dramas

Es gibt eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Dramenformen, die danach eingeteilt werden können, ob es sich um ein geschlossenes oder ein offenes Drama handelt. Das Konzept des geschlossenen Dramas geht auf die Poetik Aristoteles‘ zurück, weshalb diese Dramenform auch als aristotelisches Drama bezeichnet wird. Charakteristisch für geschlossene Dramen ist, dass hier eine logisch aufeinander aufbauende Handlung entwickelt wird, die zumeist in fünf Akten abläuft, welche wiederum in einzelne Szenen gegliedert sind. In der Regel gibt es nur wenige Ortswechsel und es wird ein kurzer, zusammenhängender Zeitraum dargestellt. Im Zentrum des Dramas steht eine Hauptfigur, der ein meist aus dem gleichen Stand stammender Gegenspieler gegenübersteht. Den Dramenaufbau, sprich das Verhältnis der einzelnen Akte zueinander, beschreibt Gustav Freytag im 19. Jahrhundert als Pyramidenform. Im ersten Akt werden Personen, Umgebung und die Dramensituation vorgestellt, woraufhin sich im zweiten Akt der für das Drama zentrale Konflikt entwickelt. Den dritten Akt zeichnet der Höhe- oder auch Wendepunkt des Konflikts aus, wonach im vierten Akt die Spannung durch eine Verzögerung, ein sogenanntes retardierendes Moment, weiter aufrechterhalten wird. Im fünften Akt kommt es zur Katastrophe.

Bühne

Das offene Drama zeichnet sich dadurch aus, dass es keine Hinführung zum Thema gibt. Die Situation setzt oft unvermittelt ein und es gibt keine festen Handlungseinheiten. Auch Zeit und Ort wechseln zum Teil häufig, die Handlung muss demnach nicht linear und logisch miteinander verknüpft sein. Ein bekanntes Beispiel für die Form des offenen Dramas ist Georg Büchners Drama „Woyzeck“, in dem teilweise komplette Szenen in der Abfolge miteinander vertauscht werden können, da der Handlungsverlauf nicht linear konzipiert wurde.

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