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Die Antarktis

Schau dir eine übliche Weltkarte an. Unten zieht sich ein breites weißes Band von links nach rechts, manchmal ohne Beschriftung, manchmal abgeschnitten. Genau dort liegt der fünftgrößte Kontinent der Erde – und die Darstellung ist so verzerrt, dass du daraus weder seine Form noch seine Größe erkennen kannst. Ähnlich verfälscht ist das Bild in unseren Köpfen: Viele denken bei „Südpol" oder „Antarktis“ an Eisbären, obwohl dort niemals einer gelebt hat. In diesem Text lernst du, wie die Antarktis aufgebaut ist, warum sie der kälteste und trockenste Kontinent zugleich ist, wer dort lebt und warum ein Kontinent ohne Bevölkerung dennoch politisch umstritten ist.

Antarktis und Arktis – zwei Polargebiete, ein grundlegender Unterschied

Arktis und Antarktis liegen beide um einen Pol, doch ihr Aufbau ist völlig gegensätzlich.

Die Antarktis ist ein von Ozeanen umgebener Kontinent, der von einem mächtigen Eisschild bedeckt ist. Die Arktis ist dagegen ein von Landmassen umgebenes Meer, dessen Oberfläche zum Teil aus schwimmendem Meereis besteht.

Aus diesem unterschiedlichen Aufbau ergeben sich wichtige Unterschiede zwischen Arktis und Antarktis. In der Antarktis liegt mächtiges Inlandeis auf festem Untergrund. Über sehr lange Zeit kann es sich zu einem mehrere Kilometer dicken Eisschild aufbauen. Meereis entsteht dagegen aus gefrierendem Meerwasser und ist deutlich dünner. Weil kein Landweg zu anderen Kontinenten führt, konnten weder Eisbären noch Menschen einwandern. Und weil ein Kontinent Wärme schlechter speichert als ein Ozean, ist die Antarktis deutlich kälter als die Arktis. Prüfe das an einer physischen Weltkarte: Um den Nordpol findest du das hellblaue Nordpolarmeer, um den Südpol eine geschlossene Landmasse.

Weltkarte Antarktis

Ihre Ausmaße sind gewaltig. Mit rund 14 Millionen Quadratkilometern ist die Antarktis größer als Europa. Auf einer normalen Weltkarte lässt sich das nicht ablesen, weil die Verzerrung an den Rändern am stärksten ist – dafür brauchst du eine Polarkarte, die vom Pol aus nach außen aufgebaut ist.

Antarktis – Aufbau und Klima

Über 98 Prozent der Antarktis sind von mächtigem Inlandeis bedeckt. Dieses antarktische Eisschild ist im Mittel etwa 2 100 Meter dick und erreicht an seiner mächtigsten Stelle rund 4 800 Meter. Darin sind etwa 90 Prozent des Eises der Erde gebunden. Würde alles schmelzen, stiege der Meeresspiegel um etwa 58 Meter – ein Szenario, das über Jahrtausende reichen würde, das aber die Bedeutung des Kontinents für das Weltklima deutlich macht.

An den Rändern schiebt sich das Eis auf das Meer hinaus und bildet Schelfeis, mehrere Hundert Meter dicke, schwimmende Platten. Davon brechen Eisberge ab. Getrennt davon zu betrachten ist das Meereis, also gefrorenes Meerwasser: Seine Fläche schwankt im Jahresverlauf zwischen etwa 3 Millionen Quadratkilometern im Sommer und rund 18 Millionen im Winter. Der Kontinent verdoppelt seine weiße Fläche also jedes Jahr und gibt sie wieder frei.

Der Kältepol der Erde liegt hier: Die Forschungsstation Wostok meldete am 21. Juli 1983 minus 89,2 Grad Celsius. Warum ist es hier so kalt? Mehrere Ursachen wirken zusammen:

  • In hohen Breiten treffen die Sonnenstrahlen sehr flach auf die Erdoberfläche. Dadurch verteilt sich ihre Energie auf eine größere Fläche.
  • Wegen der Schrägstellung der Erdachse geht die Sonne während der Polarnacht im Winter wochen- oder monatelang nicht auf. Im Sommer herrscht dagegen Polartag.
  • Die helle Eisfläche reflektiert einen großen Teil der Sonnenstrahlung, statt sie in Wärme umzuwandeln.
  • Große Teile des Kontinents liegen über 2 000 Meter hoch, und mit der Höhe sinkt die Temperatur zusätzlich.

Eine Kältewüste ist ein Raum, in dem sehr wenig Niederschlag fällt, weil kalte Luft kaum Wasserdampf aufnehmen kann. Im Inneren der Antarktis fallen weniger als 50 Millimeter Niederschlag pro Jahr.

Weil der wenige Schnee kaum je schmilzt, wird er über Jahrtausende zu Eis zusammengepresst und schließt Luftbläschen ein. Aus diesen Bläschen lesen Forschende die Zusammensetzung der Atmosphäre vergangener Zeiten ab. Die ältesten inzwischen gewonnenen Eisproben aus der Antarktis sind mehr als 1,2 Millionen Jahre alt.

Leben im Extrem – die kurze Nahrungskette des Südozeans

Auf dem Eis selbst wächst fast nichts. Landpflanzen beschränken sich auf Moose, Flechten und Algen an eisfreien Küstenstreifen. Der Reichtum an Lebewesen liegt im Meer, und er beruht auf einer bemerkenswert kurzen Nahrungskette: Nährstoffreiche Meeresströmungen steigen an der Küste auf, sodass pflanzliches Plankton im Sommerlicht massenhaft wächst. Riesige Schwärme von Krill, kleinen Krebstieren, ernähren sich davon. Pinguine, Robben, Fische und Wale leben überwiegend vom Krill.

Krill

Weil so viele Arten von einem einzigen Glied der Kette abhängen, ist das Ökosystem sehr empfindlich. Geht der Krillbestand zurück, etwa durch Fischerei oder durch schrumpfendes Meereis, unter dem die Larven überwintern, sind sofort mehrere Ebenen betroffen. Kaiserpinguine brüten zudem direkt auf dem Meereis. Bricht es zu früh auf, überleben die Küken nicht.

Forschung und der Antarktisvertrag

Die Antarktis hat keine einheimische Bevölkerung. Menschen leben dort nur zeitweise: Im Sommer arbeiten mehrere Tausend Personen auf rund 40 dauerhaft betriebenen Stationen, im Winter bleiben etwa tausend. Deutschland betreibt mit der Neumayer-Station III eine Forschungsbasis auf dem Schelfeis. Sie steht auf hydraulischen Stelzen, die angehoben werden können, wenn Schneemassen sie zu überdecken drohen. Untersucht wird dort, was sich nirgends sonst messen lässt: Eisbohrkerne als Klimaarchiv, die Ozonschicht, Erdbebenwellen, das Verhalten von Pinguinkolonien und die Frage, wie schnell das Eisschild an Masse verliert.

Der Antarktisvertrag von 1959 legt fest, dass die Antarktis friedlich genutzt wird. Gleichzeitig sichert er die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und die internationale Zusammenarbeit. Militärische Aktivitäten und Atomwaffentests sind verboten, Gebietsansprüche einzelner Staaten sind ausgesetzt.

Ursprünglich unterzeichneten zwölf Staaten, heute sind es über fünfzig. Sieben Länder, unter ihnen Argentinien, Chile, Australien und Norwegen, hatten zuvor tortenstückförmige Ansprüche angemeldet, die sich teilweise überlappten. Der Vertrag löst diesen Streit nicht, sondern legt ihn still: Die Ansprüche gelten weder als anerkannt noch als aufgegeben. Ergänzt wurde er 1991 durch das Umweltschutzprotokoll, das den gesamten Kontinent zu einem Naturreservat erklärt und den Abbau von Rohstoffen verbietet. Über dieses Verbot darf frühestens 2048 neu verhandelt werden – ein Grund, warum die Antarktis politisch trotz allem umstritten bleibt: Unter dem Eis werden Kohle, Eisen und möglicherweise Erdöl vermutet.

Nutzung und Gefährdung heute

Trotz des Schutzstatus nimmt der menschliche Einfluss zu, und zwar auf drei Wegen.

Der Tourismus hat sich seit 1991/92 von rund 6 400 auf über 100 000 Reisende vervielfacht. Rund 95 Prozent von ihnen fahren zur Antarktischen Halbinsel, dem am wenigsten kalten Teil des Kontinents, und dort in ein vergleichsweise kleines Gebiet. Die Belastung konzentriert sich also stark. Kritisch diskutiert werden unter anderem Störungen der Brutkolonien von Vögeln, eingeschleppte Pflanzensamen an Schuhsohlen und der Kraftstoffverbrauch der Schiffe. Beobachtende sprechen von Last-Chance-Tourismus: Gerade die Sorge, eine Landschaft könne verschwinden, treibt die Nachfrage an.

Tourismus in der Antarktis

Hinzu kommt die Krillfischerei. Krill wird unter anderem zu Fischfutter für Zuchtanlagen und zu Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet. Die Fangmengen werden international begrenzt. Dabei soll nicht nur der Krillbestand selbst geschützt werden, sondern auch genügend Nahrung für Pinguine, Robben und Wale erhalten bleiben. Trotzdem wird diskutiert, wie stark sich eine räumlich konzentrierte Fischerei zusammen mit dem Klimawandel auf das Ökosystem auswirkt.

Am folgenreichsten wirkt der Klimawandel. Die Antarktische Halbinsel erwärmt sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt, Schelfeisflächen sind in den letzten Jahrzehnten zerfallen, und der Eisverlust des Kontinents trägt inzwischen messbar zum Meeresspiegelanstieg bei. Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die häufig durcheinandergeht: Schmelzendes Meereis hebt den Meeresspiegel nicht, weil es schon im Wasser schwimmt. Nur Eis, das vorher auf dem Festland lag, lässt den Meeresspiegel steigen.

Die Herausforderung besteht deshalb darin, die Antarktis zu nutzen, ohne ihr empfindliches Ökosystem dauerhaft zu schädigen. Dazu gehören strenge Regeln für Besucher, der Schutz sensibler Gebiete, Maßnahmen gegen eingeschleppte Arten und eine Fischerei, die genügend Nahrung für das antarktische Nahrungsnetz erhält. Die Antarktis zeigt damit besonders deutlich, wie eng menschliche Nutzung und Naturschutz miteinander verbunden sind.

Ausblick – das lernst du nach der Antarktis

Als Nächstes rückt der Zusammenhang zwischen den Polargebieten und dem Weltmeer in den Blick: Du untersuchst, wie Meeresströmungen Wärme über den Globus verteilen.

Zusammenfassung zum Thema Die Antarktis

  • Die Antarktis ist ein von Ozeanen umgebener Kontinent mit etwa 14 Millionen Quadratkilometern.
  • Über 98 Prozent der Fläche liegen unter einem Eisschild von bis zu rund 4 800 Metern Dicke, in dem etwa 90 Prozent des Eises der Erde gebunden sind.
  • Am Rand bildet schwimmendes Schelfeis die Übergangszone. Das Meereis wächst im Winter auf etwa 18 Millionen Quadratkilometer und schrumpft im Sommer auf rund 3 Millionen.
  • Als Kältewüste erhält der Kontinent im Inneren weniger als 50 Millimeter Niederschlag im Jahr, der Kälterekord liegt bei minus 89,2 Grad Celsius (Wostok 1983).
  • Die Nahrungskette des Südozeans ist kurz: Plankton, Krill, dann Pinguine, Robben und Wale – dadurch ist sie besonders störanfällig.
  • Der Antarktisvertrag von 1959 sichert friedliche und wissenschaftliche Nutzung, das Umweltschutzprotokoll von 1991 verbietet den Rohstoffabbau.
  • Belastungen entstehen durch wachsenden Tourismus, Krillfischerei und den Klimawandel.

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