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Übersetzung - Tipps und Methoden

Die Übersetzung ist der Hauptbestandteil des Lateinunterrichts, jedoch ist es nicht immer leicht, zu verstehen, was gemeint ist. Immerhin sind die Texte sehr alt und in einer sogenannten toten Sprache. Hier findest du hilfreiche Tipps und Vorgehensweisen, die dir beim Übersetzen helfen können.

Übersetzung

Beim Übersetzen eines lateinischen Textes können leicht Fehler entstehen. Das kann unter anderem daran liegen, dass die lateinischen Formen nicht richtig erkannt und ins Deutsche übertragen wurden. Es kann aber auch daran liegen, dass sich die lateinische Ausdrucksweise stark von der üblichen Deutschen Sprache unterscheidet und es sehr schwer zu verstehen ist, was gemeint ist.

Zunächst einmal solltest du sicher in der deutschen Grammatik sein. Das klingt jetzt vielleicht banal, aber (wörtliches) Übersetzen besteht zunächst einmal darin, die lateinische Form zu erkennen und bestimmen und dann die entsprechende Form mit dem deutschen Wort zu bilden. Um einen Satz zu übersetzen, muss man die Satzteile bestimmen und genauso ins Deutsche übertragen.

  • Orator iustitiam Romanibus hominibus de rostris promittit.

Übersetzen_Beispiel_1.jpg

Dabei werden die einzelnen Worte so bestimmt:

  • orator - Nominativ Singular Maskulinum: der Redner
  • iustitiam - Akkusativ Singular Femininum: die Gerechtigkeit
  • hominibus - Dativ Plural Maskulinum: den Menschen
  • de - Präposition beim Ablativ: von (... her)
  • rostris - Ablativ Plural (im Dt.: Singular!) Neutrum - von (= de) der Rednertribüne
  • promittit - 3. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv - er/sie/es verspricht

Die Satzteile müssen allerdings auf diese Weise bezeichnet werden:

  • orator - Subjekt auf die Frage "wer oder was?"
  • iustitiam - direktes/ Akkusativ-Objekt auf die Frage "wen oder was?"
  • hominibus - indirektes/ Dativ-Objekt auf die Frage "wem?"
  • de rostris - adverbielle Bestimmung des örtlichen Ausgangspunktes auf die Frage "von wo?"
  • promittit - Prädikat auf die Frage "was tut das Subjekt?"

Wenn du dies alles bestimmt hast, kannst du den deutschen Satz konstruieren. Dabei solltest du darauf achten, dass die Satzstellung im Lateinischen freier ist als im Deutschen:

  • Der Redner (Subj.) verspricht (Präd.) den Menschen (Dat.-O.) von der Rednertribüne (adv. B.) Gerechtigkeit (Akk.-O.).

Die Grundlagen des Übersetzens sind noch einmal anschaulich in diesem Video dargestellt.

Methoden

Manche Sätze oder Texte sind deutlich schwerer als andere. Wenn du einmal den Überblick verloren hast, gibt es ein paar Methoden, um die Struktur des Satzes besser nachvollziehen zu können.

1. Markieren der Satzteile

Es ist sicherlich immer hilfreich, die einzelnen Teile des Satzes zu markieren. Die wichtigsten Orientierungspunkte, nämlich Subjekt und Prädikat, sollten zuerst gesucht werden. Davon ausgehend kannst du entweder nach den anderen Satzteilen "fragen": Wenn man als Subjekt und Prädikat "der Vater gibt" hat, fragt man am ehesten "was?" und "wem?"; man fragt also nach dem Akkusativ- und dem Dativ-Objekt. Wenn man auf diese Weise nicht weiterkommt, schaut man in den Satz, was für Worte in welcher Form dort stehen, und versucht alles in Einklang miteinander zu bringen. Manchmal musst du etwas herumprobieren, um den ganzen Satz zu erschließen.

Beispiel_Übersetzen_2.jpg

2. Die Einrückmethode

Die Einrückmethode ist hilfreich, wenn man einen langen und sehr verschachtelten Satz übersetzen muss. Dazu schreibt man den Satz z. B. am Computer auf und ordnet ihn so an, dass nach jedem Komma eine neue Zeile beginnt. Der Hauptsatz bleibt dann ganz links stehen und man rückt jeden Nebensatz eine Ebene weiter rechts ein. Häufig sind es mehrere Nebensätze, bei denen man schauen muss, welchen Teilsätzen diese untergeordnet sind, z. B.:

  • Ich ging nach Hause, nachdem ich die Aufgaben erledigt hatte, zu denen ich verdonnert wurde, weil ich im Unterricht gestört hatte.

Wir haben hier einen Hauptsatz: Ich ging nach Hause. Der zeitliche oder temporale Nebensatz "nachdem..." ist dem Hauptsatz untergeordnet. "Nachdem" ist eine Subjunktion, also die Einleitung eines Nebensatzes, und beschreibt hier die vorzeitige Beziehung zum Hauptsatz. Das heißt, dass das Geschehen im "nachdem"-Satz vor dem Geschehen im Hauptsatz war. "Zu denen ich verdonnert wurde" ist ein Relativsatz und auch ein Nebensatz, eingeleitet durch das Relativpronomen "zu denen". Das Relativpronomen bezieht sich auf ein anderes Wort im Satz, hier sind es "die Aufgaben" aus dem Temporalsatz. Also ist der Relativsatz dem Temporalsatz untergeordnet, der dem Hauptsatz untergeordnet ist. Und es geht noch eine Ebene weiter, denn der "weil"-Satz ist ein kausaler Nebensatz, der das Geschehen im Relativsatz begründet. Er ist dem Relativsatz also untergeordnet. Bei dem Einrückverfahren hätten wir jetzt also vier verschiedene Ebenen oder Stufen.

Einrückmethode.jpg

Übersetzen - Praxis und Tipps

Da die Einrückmethode zeitaufwendig ist, sollte sie besondern bei langen, schwierigen Sätzen eingesetzt werden. In der Realtität, also Klassenarbeiten, Unterricht oder Hausaufgaben, ist es immer gut, erst einmal ruhig heranzugehen. Zwar funktioniert nicht jede Strategie für jeden, jedoch kannst du dich vielleicht an dem folgenden Vorschlag orientieren:

  1. Text/ Abschnitt auf Latein lesen. (Und ruhig markieren, wenn dir irgendetwas auffällt!)
  2. Prädikate (und evtl. Prädikativa) markieren.
  3. Subjekte suchen. (Achtung: Ein Subjekt kann mehreren Prädikaten zugeordnet sein, ohne dass es wiederholt werden muss.)
  4. Den ersten Hauptsatz suchen und Subjekt und Prädikat übersetzen.
  5. Nach Objekten fragen, suchen und übersetzen.
  6. Wenn vorhanden, Attribute, adverbielle Ausdrücke oder restliche Satzglieder übersetzen.
  7. Dann die Nebensätze des ersten Satzes auf die gleiche Weise übersetzen. (Die Subjunktionen geben den Sinn des Nebensatzes an.)
  8. Die folgenden Sätze auf die gleiche Weise übersetzen.

Texte_verstehen

Da Sprache etwas ist, das sich über sehr lange Zeit entwickelt und nicht immer ganz logisch zu sein scheint, gibt es natürlich kein Allheilmittel. Es wird immer Sätze oder Texte geben, die sehr schwer zu verstehen sind und eventuell Hintergrundwissen benötigen, um richtig verstanden zu werden. Dennoch sind hier einige Methoden vorgestellt, die du mit den Videos noch einmal vertiefen und üben kannst. Viel Erfolg und vale!