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Was ist eine Novelle?

Der Begriff Novelle lässt sich aus dem Lateinischen - novus (neu) - sowie aus dem Italienischen - novella (Neuigkeit) - ableiten und steht für eine kurze Erzählung, die von einem einzelnen Ereignis handelt. Zugunsten eines geradlinigen Handlungsverlaufs, einer straffen Erzählweise und einem konkreten Leitmotiv wird auf unnötig viele Personen und Handlungsstränge verzichtet. Dieses Leitmotiv ist dem Leser recht einfach zugänglich und verständlich, in seiner Art jedoch meist etwas unerhört oder sogar skandalös. Die Handlung läuft dabei auf einen unmittelbaren Wendepunkt hinaus, der als Schicksalsschlag wahrgenommen wird und ganz plötzlich entsteht. Obwohl die Novelle hinsichtlich ihres Spannungsbogens durchaus Ähnlichkeiten mit dem Drama aufweist, ist sie nicht in Dialogform, sondern in einem fließenden Erzähltext, auch Prosa genannt, verfasst.

Decameron

Die erste Novelle wird auf das Italien zur Zeit der Renaissance zurückgeführt, genauer gesagt auf Giovanni Boccaccios „Decamerone“ aus dem Jahr 1349. Der bis dahin nahezu unbekannte Charme und Realismus dieser neuen Lyrik machte die Novellenzyklen schnell in ganz Europa populär, bis der Zyklus schließlich durch die Einzelnovelle komplett abgelöst wurde. Der italienische Schriftsteller und frühe Vertreter des Renaissance - Humanismus Boccaccio gilt demzufolge als Begründer der prosaischen Erzählungen in Europa.

Merkmale einer Novelle

Anhand der drei folgenden Novellen lassen sich die wesentlichsten Merkmale einer Novelle aufzeigen:

„Kleider machen Leute“. Hast du das Sprichwort Kleider machen Leute schon einmal gehört? Auch Gottfried Keller kannte es schon und hat es prompt zum Titel seiner Novelle gemacht! Im Mittelpunkt dieser Novelle, die 1874 entstand, steht ein ungewöhnliches, schicksalhaftes Ereignis (Leitmotiv). Dieses mündet in einem meist ebenso skurrilen Konflikt. Goethe bezeichnete dieses Ereignis treffend als unerhörte Begebenheit. Beispielhaft dafür ist die Hochstapelei des Protagonisten Strapinski aus Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“. Dieser gab sich mittels seiner Kleider als polnischer Graf zu erkennen und verpasste es lange aufgrund seiner Schüchternheit dieses Missverständnis aufzuklären. Diese Tatsache kann als die unerhörte Begebenheit der Novelle verstanden werden. Der Betrug flog letztendlich auf und wie so häufig in einer Novelle geriet der Protagonist danach in Isolation und Ausgrenzung. Erst am Ende der Geschichte kann er sich wieder Gehör verschaffen und sich aus seiner misslichen Lage befreien.

Kleider machen Leute

„Falkennovelle“. Neben dem Leitmotiv steht das Dingsymbol als tragendes, sinnstiftendes Element für den zentralen Konflikt einer Novelle. Der Begriff geht zurück auf die Falkennovelle aus Boccaccios Novellenzyklus „Decamerone“ und wird demzufolge auch als Falkenmotiv bezeichnet. In dieser Erzählung verliebt sich der Ritter Frederico degli Alberighi und verliert im Werben um seine Herzensdame all sein Hab und Gut - bis auf einen edlen Jagdfalken. Als sich die Dame seinen Falken als Geschenk für ihren kranken Sohn erfragen möchte, hat Frederico diesen bereits - natürlich ohne ihr Begehren zu kennen - zu ihren Ehren geschlachtet. Trotz all dieser Missverständnisse erinnert sich die Dame letzten Endes an diese edle Tat und heiratet ihn trotz seiner Mittellosigkeit.

„Schachnovelle“. Ein weiteres Beispiel für die Verwendung eines Dingsymbols ist Stefan Zweigs „Schachnovelle“, welche 1942 erstmals erschienen ist. Über das Symbol des Schachspiels wird hier von den psychischen Abgründen eines ehemaligen Gestapo Gefangen erzählt (Leitmotiv), der sich auf einem Kreuzfahrtschiff in Konfrontation mit der heilen und oberflächlichen Lebenswelt der Reisenden befindet. Anfangs scheint das Dingmotiv nur zur Unterhaltung dienlich zu sein, doch erfährt es - wiederum durch eine skurrile, erstaunliche Wendung (der Protagonist lernte zufällig das Schachspiel während seiner Gefangenschaft) - im Laufe der Geschichte eine tiefere Bedeutung.

Schachbrett

Bedeutende Autoren und Werke

Neben Boccaccio als italienischer Vorreiter der Novelle war in Deutschland - wie sollte es auch anders sein - Johann Wolfgang Goethe mit seiner Novellensammlung „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ (1795) einer der ersten bedeutenden Vertreter dieser Textsorte. Andere nennenswerte Werke sind Annette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“ (1842), der „Bahnwärter Thiel“ (1888) von Gerhart Hauptmann und „Ein fliehendes Pferd“ (1978) von Martin Walser. Weitere Vertreter bekannter deutschsprachiger Novellen sind Heinrich von Kleist, E.T.A. Hoffmann, Theodor Fontane, Theodor Storm, Thomas Mann oder auch Günter Grass, um nur einige zu nennen.