30 Tage risikofrei testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte im Basis- oder Premium-Paket.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage risikofrei testen

Entstehungsgeschichte

Wie es wohl gewesen sein muss, im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu leben? Theodor Fontanes Roman „Irrungen, Wirrungen“, der der literarischen Epoche des Bürgerlichen Realismus zugeordnet wird, gibt uns einen kleinen Einblick in diese Welt. Die gesellschaftlichen Zustände kurz nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahres 1871 sind entscheidend für die Handlung des Romans: Die Standesschranken zwischen Adel und Bürgertum sind noch nicht überwunden. In diesen Zeitgeist bettet Fontane die problematische Liebesbeziehung zwischen dem adeligen Botho und der kleinbürgerlichen Lene.

Lene

Ab dem Frühjahr 1884 arbeitet Fontane intensiv an der Erzählung. Er sitzt dabei aber keineswegs nur am Schreibtisch! Unter anderem besucht er im Rahmen lokaler Studien die Schauplätze des Romans, z.B. übernachtete er selbst in Hankels Ablage.

Fontane beendet die erste Fassung des Werks bereits im Mai 1884. Dennoch erscheint der Roman erst im Juli 1887, und zwar als Vorabdruck in der Vossischen Zeitung. Im darauffolgenden Jahr wird „Irrungen, Wirrungen“ dann in Buchform veröffentlicht.

Inhaltsangabe

Im Mittelpunkt des Romans steht das Liebesverhältnis der beiden Hauptfiguren Lene Nimptsch und Botho Freiherr von Rienäcker. Lene ist ein einfaches Mädchen, das als Büglerin ihr Geld verdient. Unangemessen für damalige Verhältnisse erscheint dabei ihre Liebe zum adeligen Offizier Botho. Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, ist intensiv, aber aufgrund des Ständeunterschieds ohne jede Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft. Die preußische Gesellschaft hat sich vom Ständedenken einfach noch nicht befreit, eine Eheschließung zwischen Adligen und Bürgern ist daher undenkbar.

Die beiden begegnen sich das erste Mal bei einem Bootsausflug und sind seitdem ein Pärchen. Der vertrauenswürdige Botho ist ein gern gesehener Gast in der Gärtnerei, in der Lene und ihre Pflegemutter leben. Höhepunkt der Liebesbeziehung scheint die gemeinsame Liebesnacht im Lokal Hankels Ablage zu sein. Doch dieses Ereignis bedeutet auch den Wendepunkt der Geschichte. Lene und Botho werden nämlich von drei Kameraden Bothos ertappt, und Botho kann angesichts der unstandesgemäßen Liebschaft nur schwer die Fassung wahren. Darüber hinaus lässt ihn ein Brief seiner Mutter die Beziehung zu Lene noch einmal überdenken. Bothos Mutter drängt ihn nämlich zur Ehe mit der finanziell besser gestellten Käthe von Sellenthin. Ein Spaziergang verschafft Botho daraufhin Klarheit. Er erkennt für sich die Verpflichtungen, die er als Adeliger hat und beendet die Beziehung mit Lene. Insgeheim weiß er aber auch, dass er ihr mit seiner Entscheidung unrecht tut.

Nach einer Weile finden beide mit neuen Partnern in geordnete, also standesgemäße, Verhältnisse. Botho heiratet die oberflächliche Käthe, doch kann und will er die natürliche Lene nicht vergessen. Lene vermählt sich mit dem ernsthaften Laienprediger Gideon Franke, der zwar Verständnis für ihre frühere Beziehung hat, sie aber nicht wirklich glücklich machen kann. Ein richtiges Happy End wird es für Lene und Botho nicht geben.

Irrungen, Wirrungen

Personenkonstellation

Eine der beiden Hauptfiguren ist Lene Nimptsch, eine selbstbewusste junge Frau, die bereits Ansätze demokratischen Denkens verinnerlicht hat. Sie ist emanzipiert genug, um von ihrer eigenen Arbeit leben zu wollen. Lene steht für ihre Fehler ein; ihr ist egal, was andere von ihr denken.

Die andere Hauptfigur ist Lenes Geliebter Botho Freiherr von Rienäcker, der angezogen ist von ihrer Einfachheit, Natürlichkeit und Offenheit. Botho selbst fällt durch seinen Charme, seine Zuverlässigkeit und sein Taktgefühl auf. Er zollt allen gesellschaftlichen Klassen Respekt, die adelige Borniertheit ist ihm dabei fremd. Die Beziehung zwischen der bürgerlichen Lene und dem adeligen Botho beruht bis zuletzt auf Gleichheit, ehrlichen Gefühl und gegenseitiger Anerkennung.

Entstehungsgeschichte

Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

„Irrungen, Wirrungen“ kann nicht nur als Liebesroman, sondern auch als Gesellschaftsroman bezeichnet werden. Kritisiert werden vor allem die gesellschaftlichen Verhältnisse Ende des 19. Jahrhunderts. Die Angehörigen eines jeden Standes (Adel, Bürgertum, Arbeiter) sind angewiesen, sich in Bezug auf ihre sozialen Beziehungen in ihrem jeweiligen Stand zu bewegen. Selbst die starke Liebe zwischen Lene und Botho kann letztendlich diese Grenzen nicht überwinden. Die moralisch Überlegene ist dabei die bürgerliche Lene.

Zunächst stieß der Roman auf starke Ablehnung. Nicht nur die ständeübergreifende Beziehung der beiden Hauptpersonen war Anlass für Empörung. Vor allem die Liebesnacht, deren Details Fontane allerdings gekonnt aussparte, war zu viel für die überwiegend adelige Leserschaft. Auch nur die Andeutung eines vorehelichen sexuellen Kontakts wurde vom breiten Publikum abgelehnt. Musst du jetzt auch ein bisschen schmunzeln? Tja, so war das eben im 19. Jahrhundert!